Museum für geliebte Krippen abgelehnt: Der Priesterrat düpiert den Regensburger Bischof

Von Christian Eckl · 13. Januar 2024 um 05:00

Rudolf Voderholzer hat eine Leidenschaft für Krippen, wollte dafür ein Museum errichten lassen in Regensburg. Doch wie erst jetzt bekannt wurde, lehnte der Priesterrat das Projekt in geheimer Abstimmung mehrheitlich ab. Jetzt fand der Oberhirte einen anderen Weg: Er lässt ein vom Freistaat an die Kirche zurückübertragenes Gebäude für einen Millionenbetrag sanieren. Dort sollen die Krippen stehen – nichtöffentlich. Die interne Kritik am Bischof wächst.

Bischof Rudolf Voderholzer liebt Darstellungen der Geburt Jesu: Die heilige Familie mit Christuskind im Futtertrog, Ochs und Esel daneben, die Heiligen Drei Könige mit dem Verkündungsengel – samt der Hirten auf den Feldern von Bethlehem. Im Bistum hat man zwischenzeitlich mehrere hundert Krippen im Eigentum. Einige gehören dem Bischof, die meisten aber dem Diözesanmuseum. Die Gründung eines eigenen Krippenmuseums war dann auch Thema im Priesterrat im Frühjahr 2023. Doch die Abstimmung darüber, ob die Diözese das auf elf Millionen Euro anberaumte Projekt in Zeiten zurückgehender Kirchensteuern stemmen sollte, verlief für den Regensburger Oberhirten eher unerfreulich. Bis heute sorgt das Thema für viel Zündstoff. Denn Voderholzer lässt nicht locker.

Einer, der im März 2023 im Priesterrat saß und mit abstimmte, als das Museum abgelehnt wurde, erlebte den Bischof als „sehr geknickt“. Rund neun Monate später gibt es nun lange Gesichter im Priesterrat: Nicht jedem gefällt, dass der Bischof doch einen Weg gefunden hat, die Krippen unterzubringen. So bestätigt ein Sprecher des Bischofs, dass die Krippen in ein neues Institut für christliche Bilderwelten verbracht werden sollen.

Große Mehrheit war dagegen

Für das Institut soll ein Gebäude saniert werden, das einst als Domdechantei diente und heute das Institut Marianum beherbergt. Es liegt in bester Lage in der Schwarzen-Bären-Straße in der Regensburger Altstadt und wurde im Zuge der Rückabwicklung der Säkularisation wieder vom Freistaat Bayern an die Diözese verkauft.

Die Abstimmung vergangenes Frühjahr im Priesterrat war geheim und erfolgte schriftlich, sagt ein Mitglied des Gremiums heute. Die Ordinariatskonferenz hatte eine Entscheidung darüber offenbar wohlweislich an den Priesterrat weitergeschoben. Sonst wäre ein solcher Affront gegen den Bischof eher schwieriger gewesen.

Dass das historisch hoch interessante Gebäude wieder im Eigentum der Diözese ist, hat mit der komplexen Verschachtelung zwischen Kirche und Staat zutun. 2010 gelangten zentrale kirchlich genutzte Gebäude wieder in deren Eigentum. Die Staatszuschüsse für die christlichen Kirchen im Freistaat wurden damals ebenfalls überarbeitet. Bis dahin wurden Bischöfe und Domkapitulare vom Staat bezahlt. Das änderte man, seither bekommt jede bayerische Diözese einen Millionenbetrag und überweist die Gehälter selbst.

In der Domdechantei waren früher einmal Dienstwohnungen untergebracht. Eine aktuelle Kostenaufstellung geht davon aus, dass die anstehende Sanierung des Dachs, dreier kleiner Wohnungen sowie des neuen Instituts mit den neuen Räumen für die Krippen 5,2 Millionen Euro kosten wird. Allein für das Institut fallen 1,425 Millionen Euro an. Die Kostenaufstellung, die der Mediengruppe Bayern vorliegt, ist ein Dokument des Katholischen Wohnungsbau- und Siedlungswerkes. Es handelt sich offenbar um eine Schätzung.

Krippen-Ausstellung wird nicht öffentlich zugänglich sein

Immerhin werden Millionen in das Gebäude investiert. Wird das Gebäude mit der Sammlung von sicherlich beeindruckenden Krippen am Ende öffentlich zugänglich sein? „Das Institut wird nicht als Museum konzipiert und damit keinen ständigen Ausstellungsbereich mit Öffnungszeiten beinhalten“, teilte ein Sprecher des Bischofs mit. Ein mit der Sache betrauter Kirchenmann beteuert dann auch, in dem sanierten Gebäude „werden dann in erster Linie tausende Krippen saniert, katalogisiert, aufgestellt und vom Bischof dann irgendwelchen ausgewählten Personen und Gruppen vorgeführt“.

Doch was soll das Institut dann eigentlich leisten? „Anliegen ist es, Kostbarkeiten der religiösen Volkskunst als Zeugnis von Identität und kultureller Herkunft vor dem Verschwinden zu retten, sie der Nachwelt zu erhalten und den kommenden Generationen zu erschließen“, teilt der Bischofssprecher mit. „Die Sammlung des Bistums bildet die Bandbreite und Fülle des Brauchtums und seiner handwerklichen Zeugnisse hinsichtlich Regionen, Materialien und Epochen ab.“

In Kooperationen mit Universitäten und Schulen können Studierende und Schüler laut Sprecher dann „gezielt an Tradition und Inhalte des frömmigkeitsgeschichtlichen Erbes herangeführt und zur eigenen Auseinandersetzung, etwa im Rahmen von Seminar-Arbeiten, angeregt werden“.

Saniert mit Steuergeldern

Das Bistum begründet die Ausgaben im Kern mit der Sanierungsbedürftigkeit des riesigen Komplexes mitten in der Altstadt. Demnach erfolgte die letzte Ertüchtigung in den 1970er Jahren statt. 2013 erfolgte lediglich die Sanierung einer Ladeneinheit im Erdgeschoss. „Daher ist eine Sanierung des historisch wertvollen Gebäudes jetzt nötig“, so der Bischofssprecher. Für den Ausbau des Instituts werden rund zehn Prozent Fördermittel erwartet. Eine Unterstützung aus privaten Spenden könne mit 250.000 Euro veranschlagt werden, meint das Bistum. „Die restlichen Mittel trägt die Diözese aus Kirchensteuereinnahmen“, schließt der Sprecher.

Infokasten: Wie der Staat die Kirche enteignete – und wieso vieles wieder ihr gehört

Säkularisation: Im Zuge der Verstaatlichung im Jahr 1803 eignete sich das spätere Königreich Bayern zahlreiche Klöster und kirchliche Immobilien an. Der Regensburger Dom ist die einzige bayerische Kathedrale, die dem Freistaat und nicht der Kirche gehört. Deshalb sind die Dombaumeister auch beim Staat angestellt und nicht bei der Kirche.

Kirchensteuer: Die Gebäude des ehemaligen Klosters Niedermünster gehörten ebenso zu den vom Staat eingezogenen Werten wie St. Emmeram und eben auch das Gebäude der Domdechantei. 1924 schloss Bayern dann ein Konkordat mit dem Vatikan. Festgeschrieben wurde darin die Erhebung der Kirchensteuer durch die Finanzämter.

Bischofsgehälter: Schon 1817 gab es ein Konkordat, das bis heute fortwirkt und das standesgemäße Wohnungen für Bischöfe sowie Domkapitulare festlegte. Auch deren Gehälter wurden staatlich bezahlt, dafür schwören die vom Papst bestimmten bayerischen Bischöfe auf die Verfassung. Im Jahr 2010 gab es aber einige Änderungen.

Rückgabe: Die einst konfiszierten Gebäude kosteten Unterhalt, die direkte Bezahlung von Bischöfen und Domkapitularen war schwer vermittelbar. Der Freistaat verkaufte Gebäude an die Kirche zurück – auch in Regensburg. Die Gehälter werden nicht mehr direkt bezahlt, die Kirchen bekommen jetzt Pauschalen und zahlen die Gehälter aus dem Topf.

Der Gebäudekomplex rechts gehört seit 2010 wieder der Kirche. Die Häuser wurden vom Freistaat zurückgegeben.