Segnung für Homo-Paare spaltet die Kirche: Der eine Pfarrer ist dafür, der andere dagegen

Von Christian Eckl · 27. Dezember 2023 um 11:54

Regensburger Geistliche reagieren unterschiedlich auf ein Papier aus der Glaubenskongregation im Vatikan, dass Segnungen auch für gleichgeschlechtliche Paare und Paare in sogenannten irregulären Beziehungen zulässt.

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Während der eine Pfarrer sagt, Jesus würde den Segen nie verwehren, postet ein anderer „Nichtmitmir“ – der frühere Regensburger Bischof und Kardinal Gerhard Ludwig Müller glaubt gar, Jesus würde für seine Haltung gegen die Homo-Ehe ins Gefängnis gehen.

Steht Polarisierung bevor?

Steht der Katholischen Kirche eine weitere Polarisierung bevor? Seit die Glaubenskongregation eine Segnung grundsätzlich nicht ausgeschlossen hat, tobt in der Kirche weltweit eine heftige Debatte – doch auch vor Ort in Regensburg gibt es unterschiedliche Haltungen dazu, ob Priester gleichgeschlechtlichen Paaren einen Segen erteilen sollen oder nicht.

Einer, der sich seit geraumer Zeit bei dem Thema liberal zeigt, ist der Pfarrer von St. Emmeram, Roman Gerl. Schon im Februar 2022 überraschte Gerl damit, dass er an Emmeram ein Plakat aufhängte, das sich mit der Bewegung „Out in Church“ solidarisch erklärte. Bei „Out in Church“ outeten sich kirchliche Mitarbeiter als homosexuell. Gerl sagt auf die Frage hin, ob er vor dem Papier aus der Glaubenskongregation ein gleichgeschlechtliches Paar weggeschickt hat, das sich segnen lassen wollte: „Nein. Ich bin immer für ein Gespräch bereit und dankbar, wenn Menschen in den unterschiedlichsten Situationen und mit ihren Wünschen auf mich zukommen.“ Gerl sagt, er habe sich lange mit dem Thema auseinandergesetzt. „Die Sexualität des Menschen ist ein sehr komplexes Thema. Fakt ist in jedem Fall, dass sich Menschen ihre sexuelle Neigung nicht aussuchen. Sie wird sehr wesentlich hormonell bestimmt.“ Und weiter: „Eine Abweisung würde ich diskriminierend empfinden. Das liegt mir fern.“

Keine Antwort von Kritikern

Allerdings gibt es auch Priester, die das nach wie vor anders sehen. Der frühere Generalvikar und Pfarrer von St. Wolfgang, Michael Fuchs, postete auf Facebook einen Artikel über die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare und versah diesen mit dem „Hashtag“: „Nichtmitmir“. Offenkundig positionierte sich Fuchs damit auf Seiten der Kritiker der Entscheidung aus der Glaubenskongregation. Auf Anfrage wollte sich Fuchs allerdings nicht dazu äußern, ob er eine Segnung damit ablehnen würde.

Deutliche Worte fand allerdings ein anderer, der eng mit dem Bistum Regensburg verknüpft ist: der frühere Bischof der Domstadt und heutige Kardinal Gerhard Ludwig Müller. „Christus gibt Armen und Reichen, Rechtschaffenen und Sündern die Chance einer Umkehr und eines Neubeginns“, sagte Müller gegenüber einem britischen TV-Sender. „Aber Jesus lehnt ideologische Versuche ab, die Ehe zwischen Mann und Frau zu relativieren oder sogar zu zerstören.“ Es sei Gotteslästerung, die Schaffung des Menschen als Mann und Frau zu relativieren. Dann sagte Müller noch: „Ich glaube, heutzutage würde Jesus (...) in Kanada, den USA und in europäischen Ländern ins Gefängnis gehen, weil er die Wahrheit aussprechen würde über die Wahrheit der Ehe zwischen Mann und Frau.“

Die Aussagen Müllers sind vor allem deshalb interessant, weil sie einen offenen Angriff auf den derzeitigen Glaubenspräfekten darstellen. Victor Manuel Fernandez ist ein enger Vertrauter von Papst Franziskus, das Papier war die Reaktion auf eine sogenannte „Dubia“, ein Schreiben des Zweifels einiger konservativer Kardinäle an den Papst. Einer der Unterzeichner, Kardinal Raymond Burke, wurde kürzlich von Franziskus aus seiner Wohnung in Rom komplimentiert.

Debatte im Domkapitel

Wie man im Bistum Regensburg nun mit der Frage umgehen wird, ob gleichgeschlechtlichen Paaren durch Priester ein Segen erteilt werden kann, ließ das Bistum derweil offen. Das Papier der Glaubenskongregation verbinde „die klare Lehre vom Ehesakrament mit dem Aufruf zu einer behutsamen Pastoral für Menschen, die sich in besonderen Lebenslagen befinden und von der Kirche damit Aufmerksamkeit erfahren sollen“, sagte ein Sprecher. Das Schreiben werde im neuen Jahr in allen synodalen Gremien im Bistum Regensburg, „vor allem im Domkapitel, in der Dekanekonferenz, im Diözesanpastoralrat und im Diözesankomitee besprochen werden“, hieß es weiter.

„Jesus hätte keine Menschen abgewiesen, schon gar nicht Menschen, die um seinen Segen bitten“, sagte Pfarrer Gerl zur MZ. Und weiter: „Das Papier stimmt mich hoffnungsvoll, auch wenn manche Textpassagen unglücklich formuliert sind.“ Der Pfarrer hofft sehr, „dass die Kirche die Menschen nicht aus dem Blick verliert. Aber vom Verstehen zum Handeln zu kommen, dauert leider immer viel zu lange, nicht nur in der Kirche“, schloss Gerl.

Rückendeckung bekommt Gerl von prominenten Laien. So sagte der frühere DFB-Physiotherapeut und aktive Laie Klaus Eder zur MZ, die Entscheidung für die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare sei „längst überfällig“, denn: „Wer will sich erdreisten zu entschieden, wer wen liebt –und wer fühlt sich so erhaben und autorisiert, diesen Menschen den Segen zu verweigern?“

Der Pfarrer von St. Emmeram, Roman Gerl, will gleichgeschlechtliche Paare segnen. Foto: altrofoto.de
Der frühere Bischof von Regensburg, Gerhard Ludwig Kardinal Müller, glaubt, dass Jesus für seinen Kampf gegen die Homo-Ehe ins Gefängnis gehen würde. Foto: Eckl
Klaus Eder, bekannt als früherer Physiotherapeut der Deutschen Nationalmannschaft findet, es war an der Zeit, dass die Kirche die Segnung solcher Paare zulässt. Foto: altrofoto.de