Regensburger Schwule zur neuen Segnung: „Das ist längst überfällig gewesen“

Beschluss zur Homosexuellen-Segnung: Schwule Paare aus Regensburg begrüßen den Schritt, das Bistum hält sich bedeckt. Schwul und gläubig ist der Regensburger Leopold Meindl. „Rom hat verstanden, dass es Menschen sind, die sich lieben, die sich einander und der Kirche verbunden fühlen“, sagt der Pflegefachmann. „Sollte ich heiraten, lasse ich mich segnen.“
Künftig dürfen katholische Priester schwule und lesbische Paare segnen. Das war bisher in der Kirche ausgeschlossen. Es ist ein überraschender Schritt des Vatikans. Der Regensburger Ingo Saar, der vor fünf Jahren seinen Lebenspartner standesamtlich geheiratet hat, beurteilt die Grundsatzerklärung „Fiducia supplicans“ (übersetzt: Das flehende Vertrauen) von Papst Franziskus positiv. „Es passt in die Wertematrix des christlichen Weltbilds, Menschen zu segnen, die in Liebe und Fürsorge einander zugetan sind.“ Saar ergänzt: „Ich könnte aber auch sagen, das ist längst überfällig gewesen.“
Die katholische Kirche sei in alten, nicht mehr zeitgemäßen Moralvorstellungen verhaftet. Auch deshalb ist der 65-Jährige ausgetreten.
Überzeugter Katholik
Schwul und gläubig ist Leopold Meindl. „Rom hat verstanden, dass es Menschen sind, die sich lieben, die sich einander und der Kirche verbunden fühlen“, sagt der Pflegefachmann. Weil er sich nicht bei allen Freunden und Angehörigen geoutet hat, möchte er seinen richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen. Meindl hat nie daran gedacht, die Kirche aufzugeben. Seine Mutter ist das Glaubensvorbild. „Dem möchte ich nicht den Rücken kehren“, sagt er. Dass die Kirche keine homosexuellen Paare verheiraten will, versteht Meindl. „Die Ehe gilt laut Bibel nur zwischen Frau und Mann.“ Die Bibel anders auszulegen oder etwas hinzuzufügen, nur weil der Zeitgeist es wolle, lehnt er ab. Meindl weiß aber: „Sollte ich heiraten, lasse ich mich segnen.“ Das bedeute größere Nähe zu Gott.
Martin Preis ist Vorsitzender der Regensburger Schwulen- und Lesbeninitiative Resi. Den Beschluss zur Homosexuellen-Segnung begrüßt er als wichtigen Schritt vorwärts. Damit signalisiere die Kirche, dass Schwule und Lesben keine Menschen zweiter Klasse seien. „Viele haben sich zurückgesetzt gefühlt, für die ist es eine gute Nachricht.“ Der 49-Jährige hat die Kirche verlassen. Er sieht es kritisch, wie sie insgesamt mit Homosexuellen und Frauen umgeht. „Das sind so Themen, warum ich den Glauben verloren habe.“
Bischof Voderholzer steht dem kritisch gegenüber
Die Pressestelle des Bistums hält sich bedeckt. Bischof Rudolf Voderholzer steht dem synodalen Weg und damit der Öffnung der Kirche für gesellschaftliche Veränderungen kritisch gegenüber. „Fiducia supplicans“ verbinde die klare Lehre vom Ehesakrament mit dem Aufruf zu einer behutsamen Seelsorge für Menschen, die sich in besonderen Lebenslagen befänden und von der Kirche Aufmerksamkeit erfahren sollten, sagt Sprecher Jakob Schötz. Das Schreiben wird 2024 in den Bistumsgremien besprochen. Auf die Frage, ob künftig eine Segnung gleichgeschlechtlicher Paare in Regensburger Kirchen möglich sein wird, gibt es keine Antwort.
Marek Baron, Pfarrer von St. Cäcilia und Mater Dolorosa, will sich genau an das päpstliche Dokument halten. Demnach darf die Segnung nicht bei einem Gottesdienst stattfinden und auch nicht einer Eheschließung ähneln. „Ich würde jeden Menschen einzeln segnen.“ Bei einer Paarsegnung habe das sonst den Anschein einer kirchlichen Heirat. Die aber bleibt Mann und Frau vorbehalten. Michael Wörner von der bundesweit tätigen Ökumenischen Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche in Nürnberg spricht von einem mutigen Schritt Roms. Zugleich bedauert der Verein, die Erklärung des Papstes klebe an der bisherigen Lehre zur Ehe.
244 Paare am Standesamt
Die standesamtliche Homo-Ehe ist beliebt. 2022 haben in Regensburg 26 schwule und lesbische Paare geheiratet. Seit der Einführung der „Ehe für alle“ haben sich 244 gleichgeschlechtliche Paare das Ja-Wort gegeben.