Regensburger Missbrauchs-Opfer entsetzt über deutsche Bischöfe

Von Christian Eckl · 7. März 2023 um 05:00

Die deutschen Bischöfe haben bei ihrer Vollversammlung in Dresden entschieden, dass sie einen Expertenrat für die Aufklärung von Missbrauch einführen wollen. Die Regensburger Betroffenen sind entsetzt. − Foto: Fotos: Robert Michael, dpa

Entsetzen beiMissbrauchsopfern im Bistum Regensburg: Das Gremium, das mit 15 Opfern besetzt ist, ist von den jüngsten Beschlüssen derdeutschen Bischöfeüberrumpelt worden.

„Der Betroffenenbeirat lehnt das von der Bischofskonferenz vergangene Woche in Dresden vorgestellte Verfahren völlig ab“, sagte Josefa Schalk, Sprecherin des Regensburger Betroffenenbeirats (BBR). „Die Kirchenoberen hätten mehr als genügend Arbeitsbereiche, in denen sie vorgeschlagene Ursachen für Missbrauch erkennen, bearbeiten und verändern sollten“, kritisierte die Sprecherin des Gremiums.

Bischöfe wollen Expertenrat einsetzen

Die Bischöfe haben bei ihrer Vollversammlung in Dresden beschlossen, ein völlig neues Gremium einzurichten. „Kernelement der beschlossenen Neustrukturierung ist ein Expertenrat, der durch eine Auswahlkommission ohne kirchliche Vertreter bestimmt werden soll“, heißt es dazu. „In der Diözese ist bereits einmal eine Aufarbeitung von Missbrauch gelungen: Bei den Domspatzen“, sagte Schalk.

„Missbrauchs-Ursachen beseitigen!“

„Betroffene, Bischof und Kirche sowie die Leitung der Domspatzen kamen in einem schwierigen Prozess zu einem für alle gelungenen Ergebnis“, erinnerte Schalk. Im Hinblick auf das neue Konzept der Bischöfe fragt sie sich: „Wo steht im Papier etwas über die Beseitigung der Ursachen von Missbrauch? Wo steht etwas über die Verbesserung des Umgangs und der Hilfen für die Betroffenen?“

„Experten einsetzen, ohne zu sagen, für was sie Experten sind“

Auch der Vorsitzende der Unabhängigen Aufklärungskommission (UAK) im Bistum Regensburg, Horst Böhm, ist entsetzt. Er wolle seinem Gremium zwar nicht vorgreifen, das am Donnerstag über den neuen Expertenrat der Bischofskonferenz reden möchte. Aber der frühere Landgerichtspräsident ist „fassungslos über so viel Unverschämtheit“, wie er zur MZ sagte. „Schon allein die Form ist falsch“, so Böhm. „Aber auch inhaltlich ist diese Entscheidung völlig falsch“, ergänzte Böhm. Für ihn sei nicht nachvollziehbar, dass die deutschen Bischöfe „einen Expertenrat gründen wollen, ohne dass man vorher weiß, für was die Experten überhaupt Experten sind und dann auch nur zwei selbst von Missbrauch Betroffene in das Gremium holen“.

Es könne nicht sein, dass man auf diese Weise „auch eine Kontrollinstanz über die UAKs einsetzt, und das auch noch hinterrücks“, so der Vorsitzende der UAK im Bistum Regensburg. Böhm vermutete, dass dies der Versuch der Bischöfe sei, wieder „das Heft in der Hand halten zu können über die Aufklärung des Missbrauchs“. Er lehne das ab.