Bau-Meisterbetrieb Müller in Döbersing entwickelt revolutionäre Technik zur CO2-Einsparung

Von Alexander Frimberger · 29. Oktober 2024 um 15:00

Für den Nachhaltigkeitspreis des Landkreises Cham nominiert zu sein, ist eine Ehre. Wenn man aber zuhört, was die Familie Müller in ihrem Bauunternehmen gerade macht, kommt man schnell zu der Erkenntnis, dass da noch ganz andere Preise zu erwarten sind.

Um was geht es? Grob gesagt darum, Beton zu recyceln und ihn wieder in den Kreislauf zu bringen. „Stellen Sie sich vor, auf einer Baustelle bleibt frischer Beton übrig, der nicht sofort weiterverwendet werden kann“, erklärt Dr. Michael Müller.

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Der „alte Frischbeton“ droht nutzlos zu werden, wenn er aushärtet. Das geht relativ schnell.

CO2 aus der Biogasanlage

Um das zu verhindern, fährt der Betonmischer-Lkw mit seiner überschüssigen Fracht nach Döbersing und gibt diese dort ab. Das ist für das anliefernde Unternehmen ein zusätzlicher Service. „Wir zerlegen den Beton mit einem Verfahren, das in verschiedensten Kooperationen mit Instituten entwickelt wurde, in seine Bestandteile.“

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Das sind Wasser, Sand, Kies und Zement. So bleiben die wertvollen Grundstoffe, die jetzt langfristiger gelagert werden können, haltbar. Für sich schon ein revolutionärer Vorgang. Doch was der Tüftler und sein Team drüber hinaus entwickelt haben, ist noch weitaus spektakulärer: Besagte Grundstoffe werden mit Kohlendioxid (CO2) begast. „Das bekommen wir direkt aus einer Biogasanlage.“

Das in Biogasanlagen oder zukünftig auch in anderen Industrieprozessen anfallende „böse Co2“ kann somit vor der Freisetzung bereits wieder langfristig gebunden werden, sagt der Fachmann. Durch diesen Prozess beginnt eine Art Erstarrungsverhalten im Beton schneller an Fahrt aufzunehmen, das Gas wird im Beton gebunden. „In der Folge erhöht sich die Frühfestigkeit, welche gerade in der Betonfertigteilindustrie enorm wichtig ist.“

Somit lässt sich mit diesem Verfahren Zement einsparen, der bei herkömmlicher Betonherstellung in größerer Menge anfällt. Dazu müsse man wissen, dass Zement beim Brennvorgang eine große Menge CO2 ausstößt. Da dies ein chemischer Prozess ist, könne dies nicht verhindert werden. Alternativen hierzu, wie beispielsweise die Verwendung von kalzinierten Tonen, also CO2-arme Zementersatzstoffe, befinden sich laut Müller ebenfalls bereits auf dem Prüfstand.

Klingt ganz so, als habe das Verfahren einen Nachhaltigkeitspreis mehr als verdient, jedoch reichte es aktuell nicht für eine Erstplatzierung, da die Anlagen wahrscheinlich erst ab 2025 gebaut werden sollen. „Wir fangen im Januar oder Februar mit dem Aufbau an.“

Vier Jahre lang hat Müller in Zusammenarbeit mit der Universität der Bundeswehr in München, Abteilung Werkstoff, und der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH) geforscht. „Wir haben es im Kleinen getestet, es klappt hervorragend“, sagt er. An der Uni schreibt er auch gerade seine nächste Doktorarbeit zu eben diesem Thema. „Durch diese Forschungsarbeiten können wir uns Zukunftstechnologien frühzeitig aneignen und in der Praxis umsetzen.“

Kosten von zehn Millionen Euro für Entwicklung

Zehn Millionen Euro schätzt der Bauingenieur und Maurermeister wird ihn die Entwicklung summa summarum kosten. Die Antriebsfeder ist zum einen ganz klar die mögliche Kostenersparnis, als junger Vater aber natürlich auch der Blick in die Zukunft. Es ist kein Geheimnis, dass Kohlendioxid das hauptverantwortliche Gas für die aktuelle Klimaerwärmung ist.

Gas-Einsparpotenzial sieht Müller aber auch bei fertigen Betonteilen. Die werden von einer Partnerfirma gebrochen. Letztlich entstehen Sand und Kies in verschiedenen Größen. Zwar muss bei der erneuten Herstellung von Beton wieder Zement verwendet werden, aber wie beim anderen Verfahren ebenfalls weniger. „Wir können mit der Begasung einen gewissen Teil des Bindemittels Zement wieder ersetzten.“

Doch Müller will sich nicht auf seiner Entwicklung oder gar auf seinen Forschungsergebnissen ausruhen. Er modernisiert, das Unternehmen zusammen mit seinem Vater Helmut Müller, der 1997 als Maurermeister mit, wie er sagt, „Schaufel und Schubkarre“ angefangen hat, insgesamt konsequent weiter. Das reine Familienunternehmen stellt Betonteile für den Gebäudebau her. Die Produktion soll im kommenden Jahr komplett automatisiert und KI-basiert umgebaut werden.

In die Zukunft denken

Angst davor, sein Verfahren könnte kopiert werden, hat er indes nicht. „Alle wesentlichen Bestandteile und Maschinen sind geschützt.“ Doch natürlich ist auch diese revolutionäre Entwicklung nur ein weiterer Schritt in die Zukunft. Schon denkt Müller darüber nach, wie man Abgase durch das Grundmaterial leiten kann, das darin enthaltene Kohlendioxid könnte dann wieder seinen Beitrag zu klimafreundlicherem Beton leisten. Wobei wir wieder am Anfang und den möglichen Preisen wären. Das sieht Müller eher locker.

In Bezug auf die Region hat er da schon eine eindeutigere Meinung: „Ich glaube, dass wir mit unserer Investition auch den Landkreis Cham stärken und das Abwandern von Firmen somit langfristig durch Technologie verringern können.“

Müller Bau wird mittels modernster Robotertechnik und Einsatz von künstlicher Intelligenz modernisiert. Foto: Müller Bau