Rasen der Ratlosigkeit: Stadt dünnt Schilderwald auf Grünfläche in Regensburg aus

Vor kurzem sorgte eine Baustelle am westlichen Rand der Regensburger Altstadt für Gesprächsstoff, weil sie einen Teil der Gumpelzhaimerstraße auf Monate in eine Einbahnstraße verwandelt. Jetzt ist in diesem Bereich ein veritabler Schilderwald entstanden, der Passanten rätseln lässt.
Gewachsen ist er bei einer Rasenfläche, die in einer Haarnadelkurve zwischen der Gumpelzhaimerstraße, der Prebrunnstraße und der Württembergstraße liegt. Dort schossen zuletzt etwa Tafeln für absolute und eingeschränkte Parkverbote empor, Tempo-30-Schilder, ein laminiertes Stück Papier, das Anliegern ihre Rechte verdeutlicht, oder Hinweise auf die Umweltzone, die Fahrradstraße sowie auf viele Fußgänger und Fahrradfahrer.
Tafeln ohne Ende
Entlang der paar Meter bei dem schmalen Streifen Grün fanden sich zuletzt 15 Tafeln, im weiteren Verlauf der Württembergstraße und auf der gegenüberliegenden Straßenseite noch einmal zwölf. Ein Leser (Name der Redaktion bekannt) bezeichnet dies als Gedankenlosigkeit. Kann das also so bleiben oder könnten nicht vielleicht ein paar dieser Schilder abgebaut werden? „In diesem Bereich überschneiden sich aktuell Baumaßnahmen in der Gumpelzhaimerstraße und in der Württembergstraße, für die jeweils Regelungsbedarf besteht – und zwar für alle Verkehrsteilnehmer“, erklärt dazu Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt. Dafür sei von der Baufirma eine renommierte Firma für Verkehrssicherung und Verkehrsplanung beauftragt worden.
Zudem sagt sie zum Blickwinkel des oben gezeigten Fotos: „Von dem Standort aus, von dem die Aufnahme gemacht wurde, sieht es so aus, als ob sehr viele Schilder nebeneinander stehen.“ Wer aber aus der Prebrunnallee kommt, nehme lediglich die Schilder wahr, die für ihn maßgeblich sind und in diese Blickrichtung aufgestellt wurden.
Dennoch kündigte die Pressesprecherin Ende der vergangenen Woche an, dass die Stadt den Schilderwald ausdünnen will: „Die Beschilderung für den ruhenden Verkehr wird reduziert. Ein 30er-Schild an der Zufahrt zur Württembergstraße kann aufgrund einer Doppelbeschilderung entfallen und auch zwei mobile Absolutes-Halteverbotsschilder werden weggenommen.“
„Davon lasse ich mich nicht unterkriegen“
Ein paar Meter weiter, auf der für die Zeit der Baustelle gesperrten Seite der Gumpelzhaimerstraße, steht Eva Freisleben hinter dem Tresen ihres Bäckerei-Café – fest entschlossen, sich in den kommenden Monaten nicht die Butter vom Brot nehmen zu lassen. „Davon lasse ich mich nicht unterkriegen“, sagt sie. Im Vorfeld der Baustelle bereiteten die Pläne der Rewag ihr Kopfzerbrechen. Die Arbeiten sind notwendig, weil der Regensburger Energie- und Wasserversorger Leitungen verlegt und Hausanschlüsse erneuert.
„Die Arbeiten sind im Kontext der Versorgungssicherheit dringend notwendig und können auch zeitlich nicht mehr verschoben werden“, erklärte Martin Gottschalk, Pressesprecher der Rewag, kürzlich dazu. Das soll mehrere Monate dauern. Gottschalk sagte auch, dass die Arbeiten zwar Anfang des Jahres 2025 erledigt sein könnten. Aber eine lange Frostperiode könne die Arbeiten ebenso verzögern wie archäologische Funde. Die Kosten bezifferte er auf einen hohen sechsstelligen Euro-Betrag. Zudem versicherte der Rewag-Sprecher: „Auch das sich in der Gumpelzhaimerstraße befindliche Café Freisleben wird zu jeder Zeit erreichbar sein.“
Dennoch können die Parkplätze direkt vor der Tür des Bäckerei-Cafés nun nicht angefahren werden. Normalerweise ermöglichen sie Autofahrern auf dem Weg in die Stadt eine Stippvisite, während der sie sich Gebäck holen. Freisleben sagt, ihr Hauptgeschäft zwischen 6 und 9 Uhr mit diesen Kunden zu machen. Deswegen machte sie zu Beginn der Baustelle mit einer Werbeaktion darauf aufmerksam, dass ihr Café hinter dem Bauzaun regulär geöffnet hat.
Manche Kunden fehlen
Die habe Freisleben zwar viel positives Feedback eingebracht. So habe ein Firmenchef seine Sekretärin beauftragt, jeden Tag eine Brotzeit für das Team bei ihr zu holen, berichtet sie. Ein Stammkunde habe angekündigt, dass er sich auch dann nicht von einem Besuch im Freisleben abhalten lassen werde, wenn sich die Straße vor dem Café in einen Krater verwandeln würde. „Es kamen aber auch viele Menschen aus Neugierde“, berichtet die Café-Chefin. Allerdings: Die Kunden, die einen morgendlichen Versorgungsstopp bei ihr einlegen, sorgten nun für weniger Umsatz als sonst. „Das merken wir jetzt gescheit“, sagt sie.