Herbstzeit ist Lesezeit: Die Stadtbibliothek Cham hält neue Angebote und bewährte Aktionen bereit

Die Tage werden kürzer und dunkler, die Temperaturen draußen kälter. Mit dem Beginn des Herbstes verbringen die Menschen wieder mehr Zeit zuhause. Wer für einen gemütlichen Abend auf der Couch eine passende Lektüre sucht, für den sind die Mitarbeiter der Chamer Stadtbibliothek stets Ansprechpartner. Evi Fellner, Leiterin der Stadtbibliothek am Spitalplatz in Cham, hat zum Tag der Bibliotheken am vergangenen Donnerstag über veränderte Lesegewohnheiten, aktuelle Herausforderungen von Bibliotheken in Zeiten der Digitalisierung und Neuerscheinungen in den Regalen gesprochen.
Für Fellner und ihre Mitarbeiter ist der deutschlandweite Tag der Bibliotheken jährlich ein fester Termin im Kalender. Mit besonderen Aktionen machen sie auf ihr Angebot aufmerksam – in den vergangenen Jahren immer mit Erfolg: „Die Leute sind da neugierig“, sagt Evelyn Fellner. Deswegen überlegen sich die Leiterin und ihre Mitarbeiter Jahr für Jahr neue Aktionen, mit denen sie die Gunst der Leser für sich gewinnen. Ebenso setzen sie aber auch Bewährtes fort: „Vor allem der Rabatt bei Neuanmeldungen hat im vergangenen Jahr gezogen“, erinnert sich Fellner. Aus diesem Grund habe man sich auch in diesem Jahr dafür entschieden, so einen Anreiz zur Registrierung zu schaffen.
Ebenfalls als erfolgreich hat sich die sogenannte Überraschungsausleihe vor zwei Jahren erwiesen, so dass sie heuer wiederholt wurde. Das Konzept: Unter dem Motto „Blind Date mit einem Roman“ können sich Besucher ein Buchpaket ausleihen, dessen Titel und Verfasser unbekannt bleiben. Nur vier charakteristische Begriffe verraten, worum es in der Geschichte geht. „Die Pakete sind aber in der Regel schnell vergriffen“, weiß Fellner aus Erfahrung.
Bibliotheksnutzer geben Buchtipps
Ebenfalls auf große Resonanz stößt das Konzept „Buchtipp“. Besucher der Bibliothek sprechen dabei Empfehlungen für Bücher aller Art aus, ganz nach dem Motto „Von Leser für Leser“, wie Fellner erklärt. „Wir kommentieren und rezensieren dabei jedoch rein gar nichts“, betont die Bibliotheksleiterin. Von Lesern empfohlene Bücher erhalten den Aufkleber „Buchtipp“ und werden in einem gesonderten Regal neben dem Ausleihschalter platziert.
Auch wenn das gedruckte Wort in der Chamer Bibliothek nach wie vor die Regel ist, spürt man laut Fellner dennoch die Auswirkungen des digitalen Wandels auf die Lesegewohnheiten der Menschen. Mit zwei digitalen Angeboten (onleihe und Libby-App) trage die Bibliothek auch dem Wandel der Zeit Rechnung. Laut der Leiterin nutzen mittlerweile viele Leser die e-Medien ergänzend. Ebenso gebe es auch Entleiher, die beim Lesen ganz auf die neuen Medien umgestiegen sind. Eine große Verlagerung beobachtet Evelyn Fellner bei klassischen Nachschlagewerken. Diese würden seltener entliehen, weil mittlerweile viele Menschen auf schnelle Informationen in den Tiefen des Internets zurückgreifen.
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Die Frage, was denn der Chamer typischerweise liest, kann sie so direkt nicht beantworten. „Da ist tatsächlich jeder unterschiedlich“, sagt sie. Im Groben orientiere sich die Nachfrage in der Stadtbibliothek jedoch an den aktuellen Trends. Was beispielsweise immer gut laufe, seien Psychothriller und Liebesromane. „Uns liegt aber jeder unserer Besucher am Herzen“, betont Evelyn Fellner in diesem Zusammenhang. Ihr sei es wichtig, dass die Leute wiederkommen und von einem tollen Leseerlebnis berichten können.
Jüngere Kinder und Familien sind Zielgruppe
Auch wenn die derzeitige Zielgruppe der Chamer Stadtbibliothek größtenteils jüngere Kinder und Familien sind, finden sich in den Regalreihen ebenso Schmöker, die durchaus auch Jugendliche anziehen. Vor allem sogenannte New-Adult-Bücher, eine spezielle Kategorie innerhalb der belletristischen Literatur und Unterhaltung, spiegeln mit ihren Geschichten rund um Liebe, Freundschaft und Konflikte die Lebensphase junger Erwachsener – typischerweise im Alter von 18 bis etwa 25 Jahren – wider.
Generell ist es laut Fellner eine der gegenwärtigen Herausforderungen von Bibliotheken, die Altersgruppe der Jugendlichen zu erreichen. Sich dabei einzig auf das Leitmedium Buch zu beschränken, ist ihrer Erfahrung nach nicht sinnvoll. „Warum nicht auch Comics anbieten?“, fragt sie. Diese seien immerhin besser als gar nichts. Hier mit dem pädagogischen Zeigefinger auf die (Nicht-)Lesegewohnheiten der Heranwachsenden zu zeigen, sei ihrer Meinung nach nicht angebracht.
Und wenn junge Menschen von sich aus nur selten bis gar nicht eine Bibliothek aufsuchen, dann kommt die Bibliothek eben zu ihnen. Teil des Kooperationsnetzwerkes der Chamer Stadtbibliothek sind etwa die Schulen im Stadtbereich. Dabei sind die Angestellten der Bibliothek nicht nur bei Führungen von Klassen durch die Regalreihen für die Schüler da, sondern stehen ihnen auch außerhalb des Schulalltags als Ansprechpartner zur Verfügung – etwa bei der Suche nach geeigneter Literatur für Seminararbeiten in der Oberstufe. „Wir können über die Fernleihe bundesweit Literatur nach Cham bestellen“, erklärt Evelyn Fellner. Vielen Schülern und Studenten vor Ort sei das nicht bewusst. Dabei könnten sie sich so oftmals längere Fahrten, etwa nach Regensburg, sparen.
Generell sei das Netzwerken mit anderen Einrichtungen für die Stadtbibliothek besonders wichtig. „Kooperationspartner braucht es definitiv“. Erst am Donnerstag habe die Bibliothekarin im Beisein von Bürgermeister Martin Stoiber zum Tag der Bibliotheken Erstlese-Gutscheine an die Schulanfänger aus dem Chamer Stadtgebiet überreicht. Auch mit den Kindergärten steht die Bibliothek in engem Kontakt. Beispielsweise werden diesen regelmäßig Medienkisten zur Verfügung gestellt, um auch bei den Kleinsten die Begeisterung für das gedruckte Wort zu entfachen.
Ort des Zusammenkommens
Die Bibliothek als Ort des Lesens, aber auch des Zusammenkommens oder um einfach für sich zu sein, sieht Fellner als Konzept mit Potenzial für die Zukunft. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, hat sich das Gesicht der Stadtbibliothek im Laufe der Jahre gewandelt. Neu hinzugekommen ist im vergangenen Jahr eine Kaffee-Ecke, bei der Besucher zwanglos in Bücher hineinschnuppern können. Die großzügige Kinder-Ecke bietet Eltern mit ihrem Nachwuchs einen Ort, um in die Welt der Geschichten einzutauchen. Ebenso finden sich im Obergeschoss zwei Sofas, die oft von Schülern genutzt werden, die hier mit einem Buch die Wartezeit auf den Schulbus überbrücken. Zwei Computer und ein Drucker bieten vor allem älteren Schülern und Studenten die Möglichkeit, vor Ort länger zu einem Thema zu recherchieren.
„Bei uns ist jeder willkommen“, betont Evelyn Fellner – und das unabhängig davon, ob derjenige einen Bibliotheksausweis besitzt oder nicht.
Neuerungen in der Stadtbibliothek
Lesecafé: Getreu dem Motto „Begegnung erleben“ können im neuen Lesecafé im Erdgeschoss der Stadtbibliothek alle Besucher das Lesen einer Zeitschrift oder eines Buches mit einer Tasse Kaffee verbinden.
Arbeitsplätze: Lernen und Arbeiten in ruhiger Atmosphäre und dabei sämtliche Literatur griffbereit haben – das ermöglichen zwei Arbeitsplätze, im Lesesaal im Obergeschoss mit zwei PCs mit Internetzugang und einem Drucker.
Mitnahmeregal: Neu hinzugekommen ist im Obergeschoss der sogenannte Marktplatz der Dinge als Tauschbörse für gebrauchte, aber dennoch gut erhaltene Gegenstände – ganz im Sinne der Nachhaltigkeit.


