Große Fraktionen verständigen sich auf Konzept für die Lindenstraße in Burglengenfeld

Von Thomas Rieke · 25. Oktober 2024 um 05:00

Das Aufatmen in den Reihen der Verwaltung war für alle spürbar: Der Bau-, Umwelt- und Verkehrsausschuss hat sich am Mittwoch mit großer Mehrheit auf ein Konzept verständigt, mit dem der Verkehr in der Lindenstraße gebändigt werden soll. Damit einher ging auch der erhoffte Auftrag, die Fahrbahn-Sanierung umgehend an eine bestimmte Firma zu vergeben.

Den Beschlüssen voraus gegangen war allerdings erneut eine leidenschaftliche Debatte, in der teils recht unterschiedliche Positionen und auch Zweifel an der Wirksamkeit der Vorschläge deutlich wurden.

Wie berichtet, ist seit Jahren klar, dass in der Lindenstraße Handlungsbedarf besteht. Nicht nur der Belag hat unter dem stetig zunehmenden Verkehr gelitten, sondern auch die Anlieger sind geplagt.

Baufirma steht bereits parat

Um herauszufinden, wie man die Situation für sie, aber auch für die Autofahrer, die das ständige Stop-and-Go nervt, verbessern könnte, holte die Verwaltung ein Gutachten ein. Ende September wurden die Ergebnisse vorgestellt. Wenig später sollte der Stadtrat entscheiden, welche Maßnahmen aus dem Paket von Vorschlägen umgesetzt werden sollen. Die Verwaltung machte die Sache brisant, denn sie hatte die Straßensanierung längst ausgeschrieben und den günstigsten Anbieter ermittelt.

Die Mehrheit der Räte wollte indes keinen Schnellschuss riskieren. Es gehe nicht an, jetzt etwas auf den Weg zu bringen, was möglicherweise schon bald zu Nachbesserungen zwinge. Das Gutachten hatte als wesentliche Erkenntnis gebracht, dass es so oder so nicht gelingen würde, das Verkehrsaufkommen von rund 5500 Fahrzeugen am Tag zu reduzieren. Aus dieser Situation gelte es nun aber das Beste zu machen.

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Eine Entscheidung wurde Anfang Oktober also vertagt. Um sich das günstige Angebot der Baufirma trotzdem zu sichern, bat der Stadtbaumeister um Fristverlängerung. Nun jedoch sollten im zuständigen Ausschuss Nägel mit Köpfen gemacht werden – was auch gelungen ist, denn die großen Fraktionen waren sich im Großen und Ganzen schnell einig.

Nach intensiver Debatte klare Ziele

Peter Wein (SPD) eröffnete den Reigen der Wortmeldungen und betonte, es habe sich gelohnt, für die „schwierigste Straße von Burglengenfeld“ eine „Extra-Runde zu drehen“. Intern habe eine fruchtbare Debatte stattgefunden, aus der sich drei Ziele herauskristallisiert hätten: Klar sei, dass der Verkehrsfluss verbessert werden müsse. Es dürfe aber keine Rennstrecke entstehen. Die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer genieße weiter oberste Priorität.

Die SPD glaubt, der Spagat müsste auch ohne bauliche Veränderungen zu schaffen sein. Die Verkehrsinseln sollten also erhalten bleiben und nicht, wie es die Verwaltung vorschlug, reduziert werden. Um künftig Staubildungen zu vermeiden, reiche es aus, ein beidseitiges Parkverbot zu installieren. Zur Betonung der Tempo-30-Zone sollten allerdings entsprechende Bodenmarkierungen aufgebracht werden.

Peter Singerer (CSU), der selbst jahrzehntelang im Lindenviertel zuhause war, plädierte ebenfalls für ein beidseitiges Parkverbot und warnte, ähnlich wie Wein, vor einem Rückbau der Inseln. Als zusätzliche Markierungen vor den Seitenstraße brachte er sogenannte Haifischzähne ins Spiel, die ihre Wirkung nicht verfehlen sollten.

Glatzl würde alle Inseln beseitigen und konsequent blitzen

„Sicherheit für alle wird es so nicht geben“, wandte Hans-Edmund Glatzl (BFB) ein. Er forderte einen kompletten Rückbau der Ausbuchtungen. Schnellfahrer ließen sich durch konsequentes Blitzen einbremsen. Sogenannte Dauerblitzer wären in der Lindenstraße aber unzulässig, konstatierten Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) und der geschäftsleitende Beamte, Wolfgang Weiß. Die Voraussetzungen für solche Anlagen würden nicht erfüllt.

Markus Bäuml (CSU) berichtete als direkt Betroffener von einem „immer aggressiveren Verhalten“ der Verkehrsteilnehmer. Viele hätten offenbar erst jetzt wieder die Hupe entdeckt. Sollten die Maßnahmen, auf die man sich jetzt verständige, verpuffen, müsse das Thema spätestens in einem Jahr wieder auf die Agenda gesetzt werden. Bürgermeister Gesche sicherte zu, notfalls zu einem „größeren Schwert“ zu greifen.

3. Bürgermeister Sebastian Bösl (SPD) konnte sich eine Spitze gegen seinen Dauerrivalen und Einzelkämpfer Glatzl nicht verkneifen. Es sei offenbar doch von Vorteil, wenn man Teil einer größeren Fraktion sei. Dann komme man auch zu „vernünftigen Lösungen“. Laut Verwaltung soll die Sanierung noch heuer realisiert werden.

Die beschlossenen Maßnahmen im Überblick

Eingeschränktes Halteverbot: Es soll nach Abschluss der Bauarbeiten eingeführt werden, und zwar ab der BRK-Wache auf beiden Seiten montags bis samstags, jeweils von 7 bis 18 Uhr. Nach einem halben Jahr wird bilanziert.

Tempoanzeigetafel: Für den bergauf fahrenden Verkehr wird dauerhaft ein solches Gerät installiert.

Bodenmarkierungen: „Tempo 30“ und sogenannte Haifischzähne