Lindenstraße Burglengenfeld: Bündel von Vorschlägen für geforderte Verkehrsberuhigung

Von Thomas Rieke · 2. Oktober 2024 um 05:00

Politikern wird oft nachgesagt, sie würden gern viel versprechen, aber relativ wenig halten. In Burglengenfeld gibt es aktuell ein Beispiel, das das Vorurteil etwas entkräftet. Dabei geht es um die Verkehrsprobleme in der Lindenstraße, die eine wichtige Verbindung zwischen dem Augustenhof und der Regensburger Straße darstellt.

Rückblende: Im März 2022 hatte sich ein verzweifelter Anlieger der Lindenstraße an die Verwaltung gewandt, um (stellvertretend für viele) sein Leid zu klagen. Der Tenor: Die Belastung durch den Durchgangsverkehr sei unerträglich geworden. Die Stadt habe in den vergangenen Jahren zwar in großem Stil Bauland ausgewiesen – sich aber nicht um die Folgen gekümmert. Nun müsse dringend gehandelt werden. Der Bürger unterbreitete selbst Vorschläge.

Die Reaktion von Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) damals? Er sagte, er sehe zwar keine Notwendigkeit für einen baulichen Eingriff. Weil die Lindenstraße aber „sowieso Teil eines Sanierungsprogramms“ sei, werde die Stadt „in diesem Zuge prüfen (lassen), ob Maßnahmen geeignet sind, den Verkehrsfluss zu verbessern“.

5500 Fahrzeuge am Tag, zur Spitze 460 in der Stunde

In der Sitzung des Bau-, Umwelt- und Verkehrsausschusses vergangene Woche wurde der Beweis geliefert, dass die Verwaltung das Thema weiter verfolgt hat. In ihrem Auftrag hat der Diplomgeograf Horst Pressler von der Planungsgemeinschaft Geoversum ein Gutachten erstellt. Nun präsentierte er mehrere Möglichkeiten, die die Lindenstraße entlasten könnten (siehe Info-Box). Persönliche Empfehlung gab er ausdrücklich nicht.

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Zunächst skizzierte Pressler, was er während seiner Bestandsaufnahme im Untersuchungsgebiet, das insgesamt sieben Straßenzüge umfasste, festgestellt hat. Seinen Angaben zufolge rollen werktags im Schnitt bis zu 5500 Fahrzeuge durch die Lindenstraße. Zu Spitzenzeiten seien es bis zu 460 in der Stunde. Das bedeute eine enorme Steigerung gegenüber der Situation vor zehn Jahren.

Tempo 30 wird zu oft ignoriert

Weil am Straßenrand Autos abgestellt werden und wegen der Fahrbahnverengungen, komme es insbesondere zu Stoßzeiten zu Behinderungen, ja Staus. Manch Autofahrer sehe sich gezwungen, zurückzustoßen oder weiche sogar auf den Gehweg aus – um wenig später erneut an einer Engstelle halten zu müssen.

Ferner hat der Gutachter beobachtet, dass zahlreiche Verkehrsteilnehmer die Tempo-30-Beschilderung ebenso ignorieren, wie das damit verbundene Rechts-vor-links-Gebot. Viele seien mit deutlich höherer Geschwindigkeit vor allem in Richtung Regensburger Straße unterwegs – und nähmen von rechts kommenden Fahrern die Vorfahrt.

Das Resümee: Die Lindenstraße sei also in der Tat stark belastet. Für ihre Hauptfunktion als „Wohnstraße“ müsse sie zu viel Durchgangsverkehr aufnehmen. Gegen die Einstufung als „Verbindungsstraße“ spreche die Breite von nur neun Metern. Wegen der beidseitigen Wohnnutzung herrsche auch hoher Parkdruck, was in Spitzenstunden zu einem zähen Verkehrsfluss mit vielen Halte- und Ausweichvorgängen führe.

Kleine Umfahrung war nicht Gegenstand der Analyse

Für die Zukunft, so Pressler weiter, sei eine Zunahme des motorisierten Verkehrs um rund ein Prozent pro Jahr zu erwarten. Der Gutachter suchte auch das Gespräch zu Bewohnern des Untersuchungsgebiets. Dabei sei die Anregung geäußert worden, man solle eine neue, direkte Verbindung zwischen dem Augustenhof in Richtung Regensburger Straße schaffen. Dasselbe hatten Teile des Stadtrats vor rund einem Jahr, nach dem Scheitern der großen Pläne für die Ortsumfahrung Teublitz, vorgeschlagen. Pressler bezeichnete diese Idee als „interessant“. Gegenstand der Untersuchungen sei sie aber nicht gewesen.

Vor einer Entscheidung sollten die Varianten laut Gesche nun sorgfältig überdacht und diskutiert werden. Denn die eine oder andere Maßnahme (Einbahnstraße, Verlagerung des Verkehrs) dürfte sowohl unter den Räten, als auch unter den Bewohnern des Quartiers durchaus umstritten sein.

Verlagerung in Lärchenweg ist umstritten

„Sie konnten den Gordischen Knoten also auch nicht zerschlagen“, attestierte Bernhard Krebs (SPD) dem Gutachter. Eine teilweise Verdrängung des Verkehrs in den Lärchenweg sieht Krebs skeptisch, weil dieser bisher gern von Radlern genutzt werde. Josef Schießl (FWL) äußerte die Sorge, ein Parkverbot würde dazu führen, dass noch schneller gefahren werde. Ins selbe Horn stieß Michael Hitzek (SPD). Er warnte explizit davor, für besseren Verkehrsfluss Bäume zu opfern.

Pressler räumte ein, dass im Gegenzug zum Parkverbot Maßnahmen ergriffen werden müssten, die den Verkehr bremsten. Dies könnte beispielsweise eine Reduzierung der Fahrbahnbreite sein. Gesche meinte, nach seiner Erfahrung sei die einzig wirksame Lösung das Blitzen und Sanktionieren. Ähnlich äußerte sich Markus Bäuml (CSU), der selbst im Untersuchungsgebiet zuhause ist und sich über „Rallye-Fahrer“ ärgert.

Thomas Hofmann (CSU) berichtete, nach langen Gesprächen habe sich herauskristallisiert, dass die Anwohner der Lindenstraße zwar eine Verkehrsberuhigung wünschten, aber nicht durch eine Einbahnregelung. Auch eine Verlagerung in den Lärchenweg werde kritisch beurteilt. Durch sie wäre „der nächste Aufschrei“ vorprogrammiert. Insofern sei es wichtig, das große Ziel, „kleine Umfahrung“, nicht aus dem Auge zu verlieren. Gregor Glötzl (BWG) plädierte für schrittweises Vorgehen. Zunächst solle man es mit einem Parkverbot probieren. Pressler bescheinigte, dass ein „modularer Aufbau“ von Maßnahmen möglich wäre.

Am 2. Oktober Thema im Stadtrat

Unterdessen soll der Stadtrat bereits am Mittwoch (2. Oktober) die Sanierung der Lindenstraße beschließen. Dies stehe nicht im Widerspruch zum Verlauf der Ausschusssitzung, erklärte Pressereferentin Ulrike Pelikan-Roßmann. Laut Bürgermeister Gesche wolle die Stadt mit den geringsten Eingriffen beginnen. Schon dadurch ließen sich spürbare Effekte erzielen. Ein großer Umbau werde vermutlich nicht nötig sein.

Konkret sei eine Reduzierung der Verkehrsinseln vorgesehen. Der Rest werde über Sperrflächen und Parkverbote geregelt. Dies sollte laut Gesche den Verkehrsfluss verbessern, „den wir mit vermehrtem Blitzen im Rahmen halten werden“.

Blick auf die Vorschläge des Gutachters im Detail

Variante 1: Durch ein beidseitiges Halteverbot könnte der Verkehrsfluss laut Gutachten optimiert werden. Gewisse „Rückstauerscheinungen“ seien aber nicht zu vermeiden. Der Parkierungsverkehr würde in benachbarte Wohnstraßen verdrängt, wodurch sich das Verkehrsaufkommen dort „moderat“ erhöhte.

Variante 2: Zusätzlich zum Halteverbot könnten die Fahrbahnverengungen weitgehend beseitigt werden.

Variante 3: Sie zielt auf eine „gerechtere“ Verteilung der Belastung ab. Dies sei nur durch die Anordnung einer unechten Einbahnstraße möglich, die den Durchgangsverkehr über die Eichenstraße, den Lärchenweg und Im Fuhrtal umleite. Die Verkehrsteilnehmer aus dem Buchen- und Ahornweg könnten aber weiter in Richtung Maxhütter Straße abbiegen. Im Begegnungsverkehr gäbe es nur geringfügige Einschränkungen. Darüber hinaus wäre Parken auf der östlichen Seite der Lindenstraße weiter möglich. Auch ein Fahrradschutzstreifen wäre denkbar. Nachteil: Für Anwohner des Buchen- und Ahornwegs sowie der Lindenstraße würde die Unechte Einbahnstraße Umwege bedeuten.

Variante 4: Sie sieht eine echte Einbahnregelung vor, die alle Verkehrsteilnehmer nach Süden ableitet. Die aus dem Buchen- und Ahornweg dürften nicht mehr nach Norden abbiegen. Anwohner des Buchen- und Ahornwegs sowie der Lindenstraße müssten auch in diesem Falle Umwege in Kauf nehmen. Parken in der Lindenstraße wäre auf der östlichen Seite uneingeschränkt möglich, ein Fahrradschutzstreifen wäre sogar sinnvoll.