Bei Bundesliga-Spiel an Pfosten gebunden: Keine Strafe für Regensburger Klimaaktivisten

Die Bilder sorgten für bundesweites Aufsehen: Die beiden Klimaaktivisten Simon Lachner und Wolfgang Metzeler-Kick von der Letzten Generation haben sich im April 2022 beim Spiel Eintracht Frankfurt gegen den SC Freiburg mit Kabelbindern am Tor festgemacht. Nun ist klar: Die Aktion bleibt ohne Folgen.
Das Amtsgericht Frankfurt stellte das Verfahren vergangene Woche ein. Die Richterin, so schreibt die Frankfurter Rundschau, habe betont, dass an diesem Tag im April 2022 nichts Schlimmes passiert sei. Angeklagt waren Lachner und Metzeler-Kick unter anderem wegen Hausfriedensbruchs und Urkundenfälschung. Beide Punkte wurden fallen gelassen, das Verfahren wurde eingestellt.
Aktivist der Letzten Generation: „Menschheit ist gescheitert“
Metzeler-Kick gab sich laut Frankfurter Rundschau dennoch enttäuscht – allerdings nicht über die Einstellung des Verfahrens: „Die Menschheit ist gescheitert! Es nutzt nichts mehr.“ Der 49-Jährige lebte zeitweise in Regensburg und machte insbesondere damit Schlagzeilen, dass er über Monate im Hungerstreik war, um Kanzler Olaf Scholz (SPD) zu Zugeständnissen in der Klimapolitik zu zwingen. Simon Lachner lebt nach wie vor in der Domstadt. Er sei froh, dass das Verfahren eingestellt wurde, sagt er der MZ. „Es zeigt, dass Klimaaktivismus nicht das größte Übel der Welt ist.“
Der Aktivist ist nicht nur mit der Einstellung des Verfahrens zufrieden. Bei dem Prozess wurden auch einige Straßenblockaden verhandelt. Dabei wurde laut Lachner auch ein Polizist als Zeuge vernommen. Er habe gesagt, dass es an diesem Tag seine Aufgabe gewesen sei, den Protest zu verhindern. Lachner wies eigenen Angaben zufolge im Prozess darauf hin, dass das Verhindern von Versammlungen einen Eingriff in die Grundrechte darstellt. Die Staatsanwaltschaft habe sich diesen Hinweis notiert. Womöglich komme es nun zu Ermittlungen gegen den Polizisten. „Das finde ich schon gut“, sagt Lachner.
Letzte Generation demonstrierte bei Fußballspiel – und gegen Banken
Die Aktion im Stadion sei Teil einer größeren Protestwelle in Frankfurt gewesen. Man habe dort darauf aufmerksam machen wollen, dass die Finanzwirtschaft dem Klima schade. Der Protest im Stadion der Frankfurter Eintracht sei zugleich seine erste größere Aktion gewesen, erinnert sich Lachner. Es habe ihn schon ein wenig überrumpelt, das vor vielen zehntausend Zuschauern durchzuziehen, sagt er heute. Als es dann losging, sei er aber so voller Adrenalin gewesen, dass er einfach machte.
Auch wenn das Verfahren in Frankfurt eingestellt wurde: Lachner muss sich einer Reihe weiterer Prozesse stellen. Knapp drei Jahre ist der 26-Jährige als Klimaaktivist unterwegs. Dabei klebte er an zahlreichen Straßen in ganz Deutschland.
Letzte Generation: Aktivist will wieder arbeiten
Kurz nach Neujahr wurde der Aktivist vom Amtsgericht Regensburg deshalb zu einer Haftstrafe von drei Monaten verurteilt. Er legte dagegen Berufung ein. Der Fall wird also vor dem Landgericht Regensburg noch einmal aufgerollt. Das Verfahren wird erst in einigen Monaten beginnen. Der Ausgang ist ungewiss. Der Aktivist betont: „Ich glaube nicht an eine Haftstrafe.“
Simon Lachner hat sich indes entschieden, wieder zu arbeiten. Der studierte Ingenieur wird demnächst aller Voraussicht nach wieder im Bereich der Erneuerbaren Energien arbeiten. Den Kampf gegen den Klimawandel will er allerdings nicht aufgeben. Er will nun allerdings zu anderen Mitteln greifen.