Protest in Regensburg: Letzte Generation kritisiert Parkhaus-Pläne und will Radverkehr fördern

Von Philip Hell · 7. September 2024 um 18:55

Man kann der Letzten Generation sicherlich einiges vorwerfen, aber pünktlich ist sie. Am Samstag um Punkt 12 Uhr bogen in etwa 30 Klimaaktivisten in orangen Westen auf den Regensburger Dachauplatz ein und markierten mit ihren Klingeln den Beginn eines siebenstündigen Dauerprotests. Dabei ging es nicht nur um den Klimawandel an sich, auch lokale Themen spielten eine Rolle.

Schon die erste Rednerin sprach über den Verkehr in der Domstadt. „Wir in Regensburg sind Meister der Verdrängung.“ Sie kritisierte, dass die Stadt nach dem Nein der Bevölkerung zur Stadtbahn erst mal ein neues Parkhaus am Unteren Wöhrd bauen wolle. Dabei besitze die Stadt mehr als genug Parkflächen, die nicht ausgelastet sind, so die Aktivistin weiter. „Es werden wertvolle Erholungsflächen versiegelt.“ Das ergebe keinen Sinn, so die Rednerin weiter. „Gerade, wenn man vor Kurzem erst auf dem drittletzten Platz beim deutschlandweiten Hitze-Check gelandet ist.“ Das Geld sei anderswo besser angelegt, zum Beispiel in Radwegen. „Wenn ich hier am Dachauplatz entlangradle, werde ich zum Teil lebensgefährlich überholt.“ Überhaupt hätten Autos im Kern der Altstadt nichts verloren.

Blockade am Dachauplatz: Letzte Generation setzt auch auf Klassiker

Darüber hinaus hielten Aktivisten Reden zum Klimawandel und seinen drastischen Auswirkungen. Es ging um Mikroplastik in den Meeren, zunehmende Extremwetterereignisse und darum, dass das Klima der Erde bereits entscheidende Kipppunkte überschritten hat. Im Grunde also die Klassiker der Letzten Generation.

Hie und da wurden den in der Spitze wohl etwa 80 Teilnehmern der Demonstration die üblichen Sprüche entgegengeschleudert. Neben Beleidigungen etwa „Geht doch arbeiten.“ Für die Dauer des Protests war die Zufahrt zum Dachauplatz-Parkhaus nicht möglich, ein größeres Verkehrschaos blieb allerdings allem Anschein nach aus.

Letzte Generation lädt Anwohner zu Diskussion

Die Letzte Generation hatte im Vorfeld Anwohner zu einem Runden Tisch eingeladen, um über die Verkehrssituation vor Ort zu sprechen. Dazu wurden am Abend vorher eigens Flyer verteilt, die Resonanz war aber überschaubar. Einige Bewohner kamen allerdings vorbei.

Teil des Runden Tisches war auch Wolfgang Bogie. Er ist Kreisvorsitzender des Verkehrsclub Deutschland in Regensburg. Auch er sprach über das Radfahren in der Domstadt und wies auf einige verstorbene Radler in den vergangenen Jahren hin. In Regensburg gebe es durchaus Probleme mit der Verkehrssicherheit. Um diese zu beheben, sei es dringend notwendig, die Maßnahmen des Radentscheids umzusetzen und die Strecken massiv auszubauen.

Der Protest wurde von der Polizei begleitet, allerdings mit weitaus weniger Beamten als Versammlungen in der Vergangenheit.

Gegen 19 Uhr packten die Aktivisten zusammen und zogen von dannen. Abermals natürlich pünktlich.