Große Straßen, dunkle Ecken: Wo der Stadtnorden Kindern aus Regensburg Angst macht

Von Heike Haala · 21. Oktober 2024 um 17:00

Kindermund tat Wahrheit kund – und zwar bei der Arbeit an der Spielleitplanung für die Regensburger Stadtteile Reinhausen und Weichs. Es geht darum, wie viel Nachholbedarf es in diesem Bereich beim Thema kinder- und familienfreundliche Stadtentwicklung gibt.

Das verdeutlichten Kinder und Jugendliche den Verantwortlichen, indem sie Fragebögen beantworteten und auf Streifzügen durch ihr Umfeld. Das Ergebnis ist ein 128 Seiten starkes Dokument voller Angstorte und Gefahrenstellen, aber auch möglicher entschärfender Maßnahmen. Entstanden ist es unter der Federführung des Amtes für kommunale Jugendarbeit. Während der vergangenen Sitzung wurde es dem Jugendhilfeausschuss vorgelegt.

Lieblingsorte und Probleme

Während das Donaueinkaufszentrum, das Reinhausener Regenufer, der Radi-Spielplatz, der Spielplatz in der Lechstraße oder der Bolzplatz von SG Walhalla und SV Sallern auf den Top-Plätzen der beliebtesten Orte landeten, machen die Befragten an anderer Stelle des Dokuments deutlich, was ihnen den Spaß in ihrem Umfeld verleidet: angsteinflößende Leute, Scherben und Müll, alkoholisierte Menschen, aber auch Stellen, die sie als unheimlich, zu dunkel oder gefährlich empfinden. An einer Bushaltestelle sollen Mädchen sogar von Freiern angesprochen worden sein.

Zudem wird in dem Papier bemängelt, dass das Untersuchungsgebiet eine geringe Ausstattung mit relevanten Grünflächen aufweist. Vorhandene machten Kindern Angst. Ein Beispiel ist der Albert-Schweizer-Park. „Viele Kinder geben an, dass sie den Spielplatz ohne Aufsicht durch Betreuungspersonal der Schulen oder durch Eltern nicht oder nur sehr eingeschränkt nutzen dürfen, da er auf Grund der schlechten Einsehbarkeit und der Personen, die sich dort zeitweise aufhalten, auch ein Angstort ist“, heißt es über diese Stelle. Gemieden werde auch die Grünfläche in der Isarstraße. Vor allem im Gebiet östlich der Nordgaustraße komme es zudem vor, dass uneinsichtige Grünflächen auch von alkohol- und oder drogenkonsumierenden Menschen aufgesucht werden. Zwischen Frankenstraße und Donaustauferstraße sowie der Brennesstraße, wo laut dem Dokument etwa 880 Einwohner und darunter 110 Minderjährige leben, gebe es außer dem kleinen Bereich am Regenufer keine einzige öffentlich zugängliche Grünfläche. Öffentliche Spiel- und Bewegungsflächen fehlen gänzlich, heißt es weiter.

Vorhandene Spielflächen sollen aufgemöbelt werden

Als zusätzliches Problem werden in der Spielleitplanung für Reinhausen und Weichs die großen Hauptverkehrsachsen genannt: Sie wirken sich laut der Studie wie Barrieren für Kinder und Jugendliche aus, die sie nicht überqueren können und sie so in der Mobilität einschränken. Dazu zählen beispielsweise die Kreuzung Nordgaustraße/Brennesstraße/Isarstraße, die Kreuzung Nordgaustraße/Frankenstraße/Walhalla Allee oder die Kreuzung Nordgaustraße/Donaustaufer Straße.

Um all diesen Problemen gegenzusteuern, soll die Stadt öffentliche Grünflächen und Grünverbindungsachsen aufwerten und schaffen. Vorhandene Spielflächen sollen aufgemöbelt werden, neue entstehen – überhaupt sollen die beiden Stadtteile flächendeckend mit Spielplätzen entsprechend der Bauordnung versorgt werden. Weiterhin sollen sichere Wegeverbindungen für die Kinder und Jugendlichen geschaffen werden.

Kurzfristig könnte laut dem Papier etwa der Spiel- und Bolzplatz in der Isarstraße aufgewertet und so auch als Angstort entschärft werden. Dabei könnten Hinweisschilder helfen, Gehölzabreiten, die Sichtachsen schaffen, sowie Asphaltierung und Beleuchtung für den Weg. Für diese Stelle wünschten sich die Kinder auch einen Spieltisch, neues Spielgerät und ein Erdtrampolin auf dem Spielplatz. Mittel- und langfristig könnten auch die Schulhöfe im Stadtteil als Spielhöfe geöffnet werden.

Eine Frage der Zeit

Als Vertreter der Jugendarbeit verwies Detelf Staude während der Sitzung darauf, wie dringend diese Maßnahmen sind. „Ich kann mich mit den Zeiträumen nicht so ganz anfreunden“, sagte er. Wenn eine Maßnahme nun fünf Jahre für die Umsetzung benötigen sollte, werde ein Kind, das vor fünf Jahren Handlungsbedarf benannte, davon nicht mehr profitieren. „War es damals acht Jahre alt, wird es dann 18 sein“, verdeutlichte Staude und fragte nach, wie viel Zeit die Begriffe kurz-, mittel- und langfristig bedeuten. Annerose Raith, Leiterin des Amts für kommunale Jugendarbeit, sagte, dass eine kurzfristige Maßnahme in ein bis zwei Jahren umgesetzt werden könne und eine mittelfristigen in vier bis sechs.