Spielgeräte werden im Hochsommer sehr heiß: Regensburger Grüne fordern Sonnensegel

Von Jürgen Scharf · 16. August 2024 um 19:00

Die Grünen fordern mehr Hitzeschutz für Kleinkinder in Regensburg. Wo genau er kommen soll und wie viel das kosten würde ist aber noch nicht klar.

Auf dem großen Spielplatz an der Schönwerthstraße etwa ist an diesem späten Nachmittag fast nichts los. Es herrscht eine Bullenhitze. 32 Grad. Zwei Familien haben sich in die wenigen Schattenbereiche zurückgezogen. Nur ein Vater schaukelt mit seinem Kind in der Sonne. Die vielen Spielgeräte auf der langen Kinderburganlage sind komplett verwaist. Sie sind auch kaum zu benutzen, weil sie sich in der Sonne gewaltig aufheizen. Die Regensburger Grünen wollen das nun ändern – mit Sonnensegeln.

Die Stadtratsfraktion stützt sich in einem Antrag darauf, dass Regensburg gemessen an den jährlichen Hitzetagen die heißeste Stadt in Bayern sei. Insbesondere Kleinkinder seien besonders anfällig für hitzebedingte Erkrankungen, sagen die Grünen. Sie fordern deswegen, dass bei der Planung und Sanierung von Spielplätzen „großkronige Bäume systematisch mitgeplant“ werden sollen. Bis diese die notwendige Höhe erreicht haben, sollen auf nicht beschatteten Spielplätzen übergangs- oder ersatzweise Sonnensegel mit UV-Schutz installiert werden.

„Es gibt wundervolle neue Spielplätze bei uns. Die Bäume sind hier aber meist sehr klein oder stehen noch weit weg“, sagt Grünen-Stadträtin Yasmin Hopp. Deswegen sei ihre Fraktion für die Anschaffung von Sonnensegeln. Am besten auch sehr schnell. Im Idealfall sollten sie schon kommendes Frühjahr installiert werden.

„Keine horrenden Kosten“

Eine Kostenschätzung haben die Grünen vor dem Antrag nicht vorgenommen: „Ich denke aber, dass man sich das prinzipiell leisten kann, dass es zumindest keine horrenden Kosten sind“, sagt Hopp.

Sie räumt allerdings ein, dass es vielleicht sehr aufwendig sein könnte, eine komplette Spielgeräteanlage beschatten zu wollen, etwa eine wie die lange Burgreihe an der Schönwerthstraße: „Es wäre aber auch eine Möglichkeit, zumindest den Matschplatz dort mit einem Segeltuch zu schützen, das wäre ja auch bereits eine echte Erleichterung.“

Die Stadtverwaltung teilt auf Anfrage zu dem Antrag mit, dass sie der Diskussion im Stadtrat nicht vorgreifen will. Allerdings sei es eigentlich bereits jetzt so, dass „die zuständigen Ämter selbstverständlich Beschattungsmöglichkeiten miteinplanen, sei es durch Bäume oder auch geschlossene Spielgeräte“. Es müsse aber um die Spielgeräte herum ein Sicherheitsraum eingehalten werden: „Das bedeutet besonders für hohe und große Spielgeräte, dass ein hoher Abstand eingehalten werden muss.“ Deswegen dauere es mehrere Jahre, bis die Bäume die notwendige Größe erreichen.

Wie groß ist die Vandalismus-Gefahr?

Sonnensegel seien bislang allerdings keine Option auf Spielplätzen gewesen. Sie könnten derzeit nur dort verwendet werden, wo sie wegen der Vandalismus-Gefahr oder dem Sicherheitsrisiko bei Unwettern beispielsweise durch einen Hausmeister beaufsichtigt werden können, etwa in Kindergärten oder in Schulen. Mit der Vandalismus-Gefahr haben sich die Regensburger Grünen Hopp zufolge im Vorfeld ihres Antrags nicht befasst: „Da habe ich eher an das Gute im Menschen gelaubt.“

Die Stadtverwaltung weist darauf hin, dass es in Regensburg viele Spielplätze gebe, die Schatten bieten: „Bei hohen Temperaturen lohnt es sich daher, einen längeren Weg in Kauf zu nehmen, um Spielplätze mit einer hohen Beschattung oder mit Wasser-Spielmöglichkeiten aufzusuchen.“

Der junge Vater auf dem Spielplatz an der Schönwerthstraße will mit seinem Kind trotz der sengenden Sonne ein paar Runden schaukeln. Zumindest sei das noch erträglicher als auf den Spielgeräten, weil die sich so stark aufheizen, sagt er. An Sonnensegel als Schutzmaßnahme glaubt er aber nicht wirklich. „Für einen Spielplatz? Das müsste ja riesig sein. Kann ich mir nicht vorstellen.“

Babybecken beschatten?

Bei Sonnensegeln gab es zuletzt bereits eine Debatte über das Babyecken im Wöhrdbad. Dieses ist nachmittags der prallen Sonne ausgesetzt. Das Stadtwerk signalisiert zuletzt, dass nun etwas getan werden soll. „Wir haben verschiedene Varianten für die Beschattung in der Prüfung“, teilte Sprecherin Marion Brasseler diese Woche mit.

Diesen Sonnenschutz im Wöhrdbad fände auch Grünen-Stadträtin Hopp wünschenswert. Sie hofft, sagt sie, dass es so schnell wie möglich entschieden und umgesetzt wird. Sonnenschutz sei ein großes Thema: „Und das wäre tatsächlich ein guter Start.“

Das sagen Sprecher anderer Fraktionen dazu:

Michael Lehner (CSU): „Wenn es Bedarf gibt, sehe ich Bäume als erste und auch sehr gute Wahl. Dann sollte man noch mehr pflanzen. Sonnensegel sehe ich finanziell etwas kritischer. Da muss man mal schauen, was das kosten würde. Vandalismus darf aber kein Argument sein. Wir dürfen jetzt nicht aufhören, etwas zu machen, weil wir Angst davor haben, dass es dann aus blinder Zerstörungswut wieder kaputt gemacht wird.“

Joachim Wolbergs (Brücke): „Wir müssen alle wieder Maß und Mitte finden. Die Stadt kann nicht für alles zuständig sein. Im Bildungsbereich gibt es beispielsweise derzeit einen riesigen Investitionsrückstau. Wir sollten deswegen jeden Cent in Schulen stecken – und nicht in Sonnensegel.“ Er erinnert zudem daran, dass es auch eine Eigenverantwortung gibt: „Wenn es zu heiß ist, dann muss man halt auch mal drinnen bleiben.“

Thomas Burger (SPD): „Der Antrag der Grünen war vielleicht etwas ein Schnellschuss. Hitzeschutz ist in der Stadtverwaltung und bei der SPD-Fraktion natürlich bereits ein großes Thema. Auch Sonnensegel können an geeigneten Plätzen ein Mittel sein, das wird teilweise bereits gut umgesetzt: Bei dem Grünen-Antrag hätte ich mir aber einfach mehr Konkretes gewünscht. Genaue Orte oder Punkte, wo man konkret handeln kann.“