Erweiterung: Neumarkter Stadtpark bietet Spaß und einen überraschenden Blick in die Geschichte

Es hat sich viel getan in den vergangenen Wochen − und wenn das Wetter passt, wird die Erweiterung des Neumarkter Stadtparks noch dieses Jahr fertig. Besondere Spielgeräte locken die Kinder schon jetzt – viele Bänke für eine gemütliche Pause stehen auch. Doch es gibt noch einiges zu tun.
Wo sich jahrelang Autos auf einem Schotterplatz aneinanderreihten, plätschert inzwischen munter der Leitgraben. Stufen zeigen, wo man sich an sonnigen Tagen am Wasser niederlassen kann. Und während die Eltern oder Großeltern sich unter der Pergola niederlassen, können Kinder klettern, wippen, hüpfen, schaukeln oder am Ufer planschen.
Derzeit stellen Mitarbeiter der Firma Kahl eine Schaukel auf. Aber nicht irgendeine, wie Lutz Worthmann vom Umweltamt der Stadt Neumarkt erzählt: „Das ist eine Sechserschaukel. Wenn Kinder gleichzeitig schaukeln, schwingen sie aufeinander zu.“ Aber keine Angst: Die Ketten sind genau so lang, dass keine Zusammenstöße zu befürchten sind.
Wünsche der Neumarkter Kinder in Konzept eingearbeitet
Wo jetzt schon Erde verteilt wurde, wird Rasen eingesät. Rund um die Spielgeräte und darunter wird der Boden mit einem Fallschutzbelag versehen. Noch fehlt allerdings die große Drehscheibe, deren Lieferung sich verzögere, sagt Worthmann.
Das hölzerne Tipi, die Wippe und das Klettergerüst für den Spielbereich der Kleinsten stehen bereits parat. Auch die drei Bodentrampolin und das imposante Kletternetz sind schon montiert. „Klettern, Springen und Rutschen waren die großen Wünsche der Kinder, die wir befragt haben“, sagt Worthmann. Kindergärten und Schulen waren aufgerufen worden, sich in die Gestaltung aktiv einzubringen. „Daraufhin wurden die ersten Pläne noch einmal verändert.“
Auch das Tipi war ein ausdrücklicher Wunsch der jungen Neumarkter. „Vor allem Mädchen möchten sich mit ihren Freundinnen gerne zwischendurch zurückziehen“, sagt der Landschaftsarchitekt und verweist an Ort und Stelle auf drei Linden, die momentan noch mit Bast umwickelt sind und von jeweils vier Seilen gestützt werden.
Diese wurden von der Freystädter Straße an ihren neuen Standort verpflanzt. An der Straße hatten sie wegen der neuen Hauptfeuerwache keine Zukunft. Auf dem neuen Spielplatz versorgen sie Kinder und Erwachsene mit Schatten.
Mauer schützt alte Bäume am Leitgraben
Die Beschattung war vor allem dem Freundeskreis Stadtpark ein wichtiges Anliegen gewesen. Sie hatten deshalb auch im Zuge ihres Bürgerbegehrens auf den Erhalt möglichst vieler Bäume gedrängt. Um drei zu erhalten, wurde an der neuen Brücke über den Leitgraben eine Mauer eingezogen.
Der Aufwand hat sich gelohnt, wie Lutz Worthmann mit einem Blick nach oben zeigt: Der Ahorn hat viele neue Triebe entwickelt und auch die Blutbuche stehe derzeit recht gut da. Andere Bäume würden noch im Herbst beschnitten, kündigt er an. Totes Holz soll entfernt werden, damit die Bäume im Frühjahr frisch austreiben können.
Zwischen Leitgraben und Parkplätzen entlang der Mühlstraße werden weitere Bäume gepflanzt, außerdem kleine Sträucher und Wildstauden. Das Ufer soll so naturnah wie möglich gestaltet werden, damit sich Insekten und anderes Getier wohl fühlen. Gleichzeitig wurde die Neigung so gewählt, dass sich Parkbesucher bequem niederlassen können.
Geplant seien außerdem Wasserpflanzen, denn im Leitgraben tummeln sich Aale und Forellen, wie Worthmann zu berichten weiß. „Während der Arbeiten haben sich immer wieder Fische in Sackgassen verirrt, die die Arbeiter dann gerettet haben.“
Auf Seiten der Spielgeräte führen die Stufen bereits bis zum Wasser – die Anbindung auf der gegenüberliegenden Uferseite folgt in den nächsten Wochen. Erst vor wenigen Tagen wurde dort der Pumpenschacht in den Boden eingelassen. Er wird die künftigen Sprudelfontänen mit Wasser versorgen. Diese sollen nicht nur Spaß machen, sondern an heißen Tagen für Abkühlung sorgen.
Neumarkter Stadtpark bietet Fontänen und Platz für Ideen
Sie zeigen aber auch, dass der Nachhaltigkeit beim Bauen Grenzen gesetzt sind: Denn der Gesetzgeber fordert bei Wasserspielplätzen Trinkwasserqualität. Damit scheidet ein Kreislaufsystem aus. „Wir haben über eine Wasseraufbereitungsanlage nachgedacht“, sagt Worthmann. „Aber die hätte einen beachtlichen sechsstelligen Betrag gekostet. Das wäre in keinem Verhältnis gestanden.“ So wird Trinkwasser für die Fontänen genutzt, das anschließend in den Leitgraben geleitet wird und so nicht verloren geht. Darüber hinaus sollen die Fontänen so programmiert werden, dass sie zeitlich begrenzt und besonders wassersparend spritzen.
Vom Wasserspielplatz führt ein neuer Weg Richtung Mühlstraße. Die Arbeiten dazu beginnen diese Woche. Während die linke Seite bepflanzt wird, steht das rechte etwa acht Meter breite Rasenstück bis zur Straßenkreuzung noch als „Partizipationsfläche“ im Konzept. Gemeinsam mit dem Freundeskreis Stadtpark sowie dem Bund Naturschutz habe es schon ein Brainstorming gegeben, wie dieses Areal genutzt werden könnte, berichtet Worthmann. Die Stadt sei überdies offen für Vorschläge der Bürger.
Fest steht bisher nur, dass dort unter Bäumen auch Beerensträucher unter dem Motto „die essbare Stadt“ gepflanzt werden. Und noch ein Höhepunkt des Parkes erwartet die Besucher an dieser Stelle, wo bei den Grabungen eine Straße aus dem 16. Jahrhundert entdeckt worden ist.
Künstler Christoph Haußner gestaltet Glastafel
Weil die historische Verbindung von Neumarkt nach Amberg nicht zugänglich gemacht werden kann, wird stattdessen ein dreidimensionaler 1:1-Abdruck des Pflasters im Boden eingelassen. Wer sich dort draufstellt, dem gewährt eine Glastafel auf zwei mal 2,50 Metern einen Blick auf das Neumarkt im späten Mittelalter.
Denn auf der Tafel hat der Münchner Künstler Christoph Haußner die Gebäude eingezeichnet, die damals bereits standen: das Münster, das Hitzhaus und die Hofmühle. Die Idee dazu hat Lutz Worthmann zusammen mit Sebastian Sturm von der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt entwickelt. Sturm hatte in einer Fachzeitschrift ein vergleichbares „Fenster in die Vergangenheit“ in Peiting entdeckt und angeregt, die Neumarkter Geschichte an Ort und Stelle ebenso erlebbar zu machen.













