In Neumarkts neuer Kunst-Passage kann man gute Laune tanken

Von Eva Gaupp · 18. Oktober 2024 um 11:00

Die neun Säulen der Kunst-Passage in Neumarkt sind noch gar nicht fertig – das Projekt ist aber schon ein voller Erfolg. Passanten sind begeistert und die zwei Künstler und sieben Künstlerinnen fühlen sich getragen von all dem positiven Feedback. Das steckt hinter ihren Motiven.

Karin Allar: Ein Stadtbummel ist mehr als einkaufen

Das Motto für die Künstler lautete: „Was meine Stadt schöner macht“. „Für mich ist das ein Stadtbummel, wenn man Leute in der Stadt trifft, sich auf ein Eis in eine Eisdiele setzt. Es geht doch um mehr als nur einkaufen – das ist ein Erlebnis“, sagt Karin Allar. „Und das kann man in Neumarkt.“ Deshalb passen ihre charakteristischen Figuren zu der Fußgängerpassage zwischen NeuerMarkt und Altstadt.

Die Farben für die Kleidung ihrer Figuren wähle sie intuitiv, erklärt Allar. Um in ihre farben „eintauchen“ zu können, hat sie immer Musik dabei: Jazz, Rock oder Schlager – das sei ganz egal. Aber das brauche sie, um in einen Flow zu kommen.

Anna Meier: Pink Panther und der Weiße Mann

„Der Pink Panther begleitet mich schon mein Leben lang“, sagt Anna Meier. So wie sich in der berühmten Zeichentrickserie die Figuren schnell bewegen, erlebe ein Passant auch die Motive auf ihrer Säule: „Je nach Perspektive sieht man immer einen anderen Ausschnitt.“

Damit die Farben in der Unterführung nicht zu drückend wirken, hat sie viel Weiß in das Magenta und Coelinblau gemischt. Am Fuß der Säule können Passanten noch einen kleinen Hingucker entdecken: Der Schwanz des Panthers formt ein Herz und das Wort Neumarkt. „Wir sind alle auf den Knien gerutscht“, lacht Meier, die die Kunst-Passage einfach nur „Bombe!“ findet.

Isabell Heusinger: Schweine bringen Glück

Den einstigen Viehmarkt in Neumarkt, den „Saalamack“, gibt es schon lange nicht mehr. Dafür aber wieder zwei Schweine, die quietschvergnügt in der Passage durchs Wasser paddeln. 69 ihrer Art hat Isabell Heusinger inzwischen schon ins Leben gerufen. „Es sind Glücksschweine“, sagt die Künstlerin, die sich von der Insel „Pig Island“ auf den Bahamas hat inspirieren lassen.

Die schwarz-grau gefleckten Vierbeiner, hat Heusinger auch schon auf Würfeln verewigt, weshalb ihr das dreidimensionale Malen bereits vertraut war. Wie ihre Kollegen ist sie begeistert von der Kunst-Passage. „Sie zeigt die ganze Vielfalt der Kunst.“

Alexandra Hiltl: Ein Blütenmeer in Blau und Grau

„Für mich sind die Obst- und Apfelblüten typisch für Neumarkt“, sagt Alexandra Hiltl. Für die Fußgängerpassage hat sie sich für Blau- und Grautöne entschieden, weil diese sehr gut harmonierten. Zudem sollen das frische Blau und Weiß der Passage eine gewisse Weite verleihen. „Neumarkt ist eine Gartenstadt“, sagt Hiltl und schwärmt von den wunderschönen Bepflanzungen auf öffentlichen Flächen, die die Mitarbeiter der Stadtgärtnerei regelmäßig ebenfalls in ein Blumenmeer verwandelten. Säulen zu gestalten, ist für Hiltl nicht neu – die Dimension schon. „Man muss immer wieder mit der Leiter nachrücken, das ist recht aufwendig.“

Anita Brandt: Ein Netzwerk gibt Kraft

Die Säule von Anita Brandt fällt auf. Ist sie doch die einzige mit einem abstrakten Motiv. Schwarze Linien teilen die Säule in bunte Flächen – oder verbinden sie, je nach Perspektive. So entstehen Knotenpunkte, vielfältige Verbindungen. „Jeder Mensch braucht ein Netzwerk“, erklärt Brandt ihr Konzept. Sowohl im privaten Bereich als auch innerhalb der Behörden in der Stadt.

Auch die Kunst-Passage versteht sie als großes Gemeinschaftsprojekt des Kunstkreis Jura, dem sie seit vielen Jahren angehört. „Die Life Side Gallery im LGS-Park war schon ein ganz tolles Miteinander.“ Dort hatte sie den Lebensabschnitt der Schulzeit übernommen. Das besondere an dem Projekt ist außerdem, dass es unter den Augen der Öffentlichkeit entsteht: „So viele Leute sprechen einen an – das ist toll!“

Andreas Heindl: Riesenrad und Windrad

Auf der Säule von Andreas Heindl ist richtig was los: Das Rathaus und der Turm der Burgruine Wolfstein, eine Gondel des Riesenrads und einen Braukessel, der Turm des Münsters und ein Windrad – all das bestaunen Menschen, die er im Vordergrund platziert hat. „Für mich machen die Menschen eine Stadt aus“, sagt der Hilpoltsteiner, der die Neumarkter wegen ihrer Offenheit ins Herz geschlossen hat.

Deshalb hat er ganz unterschiedliche Menschen gemalt: Ein altes Paar sitzt auf einer Bank, ein Kind scheint gerade aus dem Schlossbad geklettert zu ein, ein Arbeiter in Sicherheitsmontur gesellt sich zu einer jungen Familie. In aller Öffentlichkeit zu malen, sei für ihn eine Herausforderung gewesen, gibt Heindl zu. Und die große Säule auch: „Ich habe mir eine riesige Rolle Papier gekauft, vorgezeichnet und dann übertragen.“

Hubert Baumann: Zwei Himmel und viele Vögel

Naturnahe Parks, eine große Pflanzenvielfalt – das macht für Hubert Baumann Lebensqualität in einer Stadt aus. Deshalb fliegt auf seiner Säule ein großer Vogelschwarm über die Dächer von Neumarkt. „Vögel sollen die Möglichkeit haben, dauerhaft in einer Stadt zu leben“, erklärt Baumann. Darüber hinaus stünden die Vögel oder Tauben sinnbildlich für Freiheit und Frieden. „Das wünsche ich mir auch für Neumarkt.“

Die Vögel sind surreal gestaltet, tragen sie doch den Himmel bereits in sich, wie an der blauweißen Schattierung zu erkennen ist. Gleichzeitig fliegen sie in einem dunkleren Himmel über die Silhouetten von Münster, Rathaus und die Bürgerhäuser hinweg. Um das zu ermöglichen, sei er vorgegangen wie bei einem Glasbild: Zuerst habe er den weißblauen Himmel gemalt, die Flächen abgedeckt, dann folgte der dunklere Himmel. „Der Hintergrund wird so zum Vordergrund.“ Mit den Architekturplatten am Eingang zur Passage sowie dem Buchleser neben dem Café Zentral ist Baumann nun mit einem dritten Kunstprojekt an dieser Stelle der Stadt vertreten. „Da sieht man, wie vielfältig der Mann ist“, lacht Baumann.

Ute Gräber: Gute Gedanken für jeden Tag

„Tag für Tag“ heißt eine Serie von Ute Gräber, die für das Motiv der Säule Pate gestanden hat. „Es geht darum, jeden Tag zu überlegen, was soll der Tag bringen? Wie kann er so schön wie möglich werden?“ Ihre Säule hat sie schwarz grundiert – als Symbol für das Dunkle im Leben. Die hellen Kreise warten mit positiven Sinnsprüchen auf – in kunstvoller Schrift, Kalligraphie ist ihr Markenzeichen. „Mit Mut fangen die schönsten Geschichten an“, ist da zu lesen.

„Diese Sprüche sollen ein Glücksmoment sein, wenn jemand sie liest.“ Damit will die Künstlerin Menschen Impulse geben, nicht nur über Negatives nachzudenken und zu reden: „Ich will den Blick auf die tausend guten Sachen richten – und nicht auf die fünf, die schlecht sind.“ Dass sie als eine von neun Künstlern ausgewählt wurde, freut sie sehr. „Ich bin Neumarkterin. Neumarkt hat alles, was eine Stadt braucht.“

Ingrid Hacker: Ein Lächeln ins Gesicht zaubern

Schrift und Gesichter kombiniert Ingrid Hacker. Kinder in allen Hautfarben lachen Fußgänger an, die vom Café Zentral in die Passage laufen. „Kinder sind unsere Zukunft“, sagt sie und „Sie machen keinen Unterschied zwischen Nationalitäten. Sie sind einfach Menschen.“

Auf der einen Seite will Hacker mit ihren Kinderköpfen den Neumarktern ein Lächeln entlocken – auf der anderen aber auch zu einem respektvollen Miteinander aufrufen. Mit solch positiver Ausstrahlung hofft sie, dass niemand die Säulen beschädigt.

Anna Meier liebt den rosaroten Panther. Foto: Karin Allar
Die Glücksschweine von Isabell Heusinger Foto: Gaupp
Karin Allars Figuren gehen bummeln – so wie die Menschen, die die Unterführung nutzen. Foto: Gaupp
Blüten – das Markenzeichen von Alexandra Hiltl Foto: Karin Allar
Ein buntes Netzwerk steuert Künstlerin Anita Brandt bei.
Andreas Heindl nutzt die große Fläche der Säule gut aus.
Hubert Baumann wünscht sich eine naturfreundliche Stadt, in der sich Vögel wohl fühlen. Foto: Baumann
Das Kinderlachen soll anstecken, sagt Ingrid Hacker.
Ute Gräber arbeitete mit einer großen Schablone. Foto: Oskar Reithmeier
Schicht für Schicht ist das Motiv von Hubert Baumann entstanden. Foto: Oskar reithmeier
Säulen, die bereits fertig sind, sind derzeit mit Folie umwickelt. Anschließend werden alle mit einer Schutzschicht überzogen. Foto: Gaupp
Auf der Säule von Ute Gräber können sich Fußgänger von positiven Sinnsprüchen inspirieren lassen. Foto: Gaupp
Rund 40 Stunden haben die Künstler an den Säulen gearbeitet. Foto: Gaupp
Die Motive auf die großen runden Säulen zu übertragen hat einiges an Vorarbeit erfordert. Foto: Oskar Reithmeier
Andreas Heindl hat viele Symbole, die für Neumarkt stehen, auf seiner Säule verewigt. Foto: Alexandra Hiltl