Graffiti statt öder Bauzaun – Leinwand war ausgerechnet ein Wahlplakat von OB Ochsenkühn

Von Dagmar Fuhrmann · 15. April 2024 um 05:00

Seit dem Wochenende ist Neumarkt um ein weiteres Kunstwerk reicher. Es befindet sich am Bauzaun des Stadtparks in der Mühlstraße. Gleichzeitig wurde damit vielen Jugendlichen ein Wunsch erfüllt: sich legal als Graffitikünstler zu erproben.

Den Anstoß hierzu hatte der Junge Beirat der Bürgerstiftung gegeben und die Organisation übernommen. Und so trafen sich am Samstag zwischen 100 und 200 Jugendliche in der temporären Werkstatt zum Graffiti-Jam an der Mühlstraße. Vor Ort waren auch zwei Graffiti-Profis, die die Grundlagen des Sprühens erklärten. „Achte auf den Zeitpunkt, wenn die Farbe rauskommt“, kommentierte Lion – sein Künstlername ist Power – die ersten Sprühversuche der Jugendlichen.

Ochsenkühn nahm es mit Humor

Der allererste Sprühstoß war aber Oberbürgermeister Markus Ochsenkühn vorbehalten – er eröffnete die Veranstaltung als Schirmherr gemeinsam mit Vera Finn und Sophie Stepper von der Bürgerstiftung. Beim ersten Blick auf die „Leinwand“ habe er sich ein wenig erschreckt, sagte Ochsenkühn. Denn dieses war eines seiner Wahlplakate.

Er forderte die Teilnehmer auf, den OB auf dem Plakat „noch schöner“ zu machen. „Ich habe noch nie gesprüht“, bekannte der OB und ließ sich von Künstler Soma in die Grundlagen einweisen. Der hatte zunächst die Postleitzahl Neumarkts auf das Wahlplakat gesprüht. Die Idee der Bürgerstiftung habe ihm gut gefallen, sagte Ochsenkühn. Nach der Umgestaltung des Stadtparks solle dort auch Kunst gezeigt werden. Auch Graffiti sei eine Art von Kunst.

Die erste Gruppe war eine Schulklasse der Mittelschule Weinberger Schule. Die Teenager unterlagen prompt der Faszination der Kunst mit den Sprühdosen. Sie lernten, dass man den Sprühstoß nicht unterbrechen sollte, wenn man ein schönes Ergebnis haben will. Und sie lernten auch, dass der Farbnebel gesundheitsschädlich ist und waren daher zu ihrem Schutz mit FFP2-Masken ausgerüstet.

Sprayer aus Nürnberg leiten Jugendliche in Neumarkt an

Die beiden Nürnberger Künstler Lion (Power) und Philipp (Soma) bestreiten inzwischen ihren Lebensunterhalt mit Graffiti-Kunst. Philipp bietet unter anderem Workshops an und bekommt Aufträge. Lion macht derzeit noch eine Ausbildung, befindet sich aber auch auf dem Weg zum Profi, wie er sagte. Er habe tatsächlich erst von anderthalb Jahren mit dem Sprühen angefangen. Gezeichnet habe er aber schon immer gerne. Inzwischen sprühe er täglich. „Das ist für mich ein wichtiges Ventil“, sagte er. Talent zu haben, sei nicht das Wichtigste, sagte Philipp. „Talent ist Übungssache. Je mehr Energie man reinsteckt, desto erfolgreicher wird man.“

Die Planen werden viele Monate an den Bauzäunen zu sehen sein, informierte Luisa Lodes vom Jungen Beirat. Sobald die Zäune abgebaut werden, können die Kunstwerke mitgenommen werden oder man stellt sie für eine Versteigerung zur Verfügung.

Der Erlös kommt der Jugendarbeit der Bürgerstiftung zugute. Das Material für die jungen Künstler stellte die Bürgerstiftung.

Unter Anleitung des Profis entwickelten die Jugendlichen in Neumarkt ihre Ideen. Foto: Dagmar Fuhrmann
Diese Botschaft ist eine Vorlage für ein Graffito in Neumarkt. Foto: Dagmar Fuhrmann