Sonniger Start nach langer Planung: Der Solarpark Grub bei Rötz wurde in Betrieb genommen

Von oben gab es am Donnerstag auf jeden Fall gute Vorzeichen: Die Sonne strahlte vom blauen Himmel bei der offiziellen Vorstellung des Solarparks Grub.
In Betrieb genommen worden war die Anlage bereits am Dienstag. Die Bauzeit von etwa einem halben Jahr erscheint gering im Vergleich zur Planungszeit, die rund vier Jahre betrug, wie Lucia Gold, Geschäftsführerin bei GSW – Gold Solar Wind, dem Projektentwickler und Anlagenerrichter, erläuterte. Tatsächlich hatte Initiator Georg Rötzer die erste Einspeiseanfrage 2020 gestellt, im Jahr darauf gab es erste Schritte im Bauleitverfahren mit einer zunächst kleineren Fläche. Ab 2022 waren zwei Eigentümer von Nachbarflächen, Heinrich Zwicknagl und Tobias Heimerl, mit an Bord, und die geplante PV-Fläche wurde auf 13,7 Hektar erweitert. Die Gesamtfläche des Solarparks umfasst 15,2 Hektar, davon 1,5 Hektar Ausgleichsfläche von drei Wiesenbrüterpaaren. Das Bauleitverfahren startete im selben Jahr.
Vom Satzungsbeschluss Ende 2023 über den Baubeginn in 2024 waren es dann nur noch wenige Monate, bis der Solarpark nun pünktlich in Betrieb genommen werden konnte. Für GSW sei es das erste Projekt im Landkreis Cham gewesen, so Lucia Gold, und die Zusammenarbeit mit der Stadt Rötz, die als Kommune die Planungshoheit besitze, habe reibungslos funktioniert.
Drei Teilanlagen
Der Park besteht aus drei Teilanlagen und drei verschiedenen Einspeisepunkten mit insgesamt knapp 15 MWp Leistung. Verbaut sind rund 25 000 Solarmodule und circa 100 Wechselrichter. Eingespeist wird in das Mittelspannungs- und nicht das Hochspannungsnetz, wie es bei einer Fläche von 15 Hektar auch möglich, aber aufwendiger gewesen wäre, erklärte Lucia Gold.
Die Kabeltrasse – der Solarpark liegt nördlich der B22 zwischen Berndorf und Grub – sei wegen der Bundesstraße eine „leichte Herausforderung“ gewesen, am Ende habe jedoch alles optimal geklappt. Die Stromerzeugung wird bei rund 16,2 Millionen kWh pro Jahr liegen und damit bei einem Durchschnittsverbrauch von 3500 kWh theoretisch 4600 Haushalten versorgen, gibt GSW an. Mindestens 25 Jahre soll der Park laufen, laut Nutzungsverträgen sind sogar bis 30 Jahre möglich: Die technische Lebensdauer und Garantien der Module beträgt drei Jahrzehnte.
In den letzten zwölf Jahren, erklärte Christian Gold, ebenfalls Geschäftsführer bei GSW, habe sich der Wirkungsgrad der Solarmodule verdoppelt. Auch wenn ein halber Meter Schnee liege, werde etwas Strom produziert. Möglich machen das rückseitenkontaktierte Glasmodule, die mittlerweile Standard seien – das bringe ungefähr drei Prozent mehr Ertrag als früher. Die effizienteste Bauweise für die Module sei ein Neigungswinkel von 13 bis 15 Grad. Im Anschluss erklärte der Geschäftsführer den Weg, wie der von den Solarmodulen erzeugte Gleichstrom durch einen Wechselrichter in netzüblichen Wechselstrom umgewandelt wird, über den Weg zur Trafostation bis zum Ortsnetztrafo und der Steckdose in den Haushalten. Wo es möglich sei, so Christian Gold, setze man bei den Bauteilen auf Komponenten aus dem deutschen oder europäischen Raum für die Solarparks.
Blumen, Kräuter und Schafe
Nach Angaben der GSW befindet sich der Solarpark im sogenannten benachteiligten Gebiet, in dem in Bayern eine Förderung von Solarparks im Rahmen des EEG möglich ist.
Der Solarpark erhalte eine gesetzliche Vergütung für 20 Jahre in Höhe von 5,09 Cent/kWh in Zeiten positiver Strompreisstunden. Für fünf Jahre, ab 2026 habe man einen Stromhandelsvertrag über einen Stromhändler mit einem Industriekunden aus Deutschland abschließen können, der die Vergütung auch in Zeiten negativer Strompreisstunden sichere und damit jede technisch erzeugte Kilowattstunde vergüte, was gemäß dem gesetzlichen Rahmen nicht der Fall wäre – hier würde man lediglich circa 85 Prozent des erzeugten Strom vergütet bekommen, erklärte Christian Gold.
Nächstes Jahr soll der Solarpark noch ein wenig anders aussehen: Dann werden Blumen und Kräuter unter und zwischen den Modulen wachsen und das Grünland soll mit Schafen bewirtschaftet werden, kündigten die Flächeneigentümer an. Der Stadt und den Mitgliedern des Stadtrats sprachen sie ihren Dank für die Unterstützung des Projekts aus.
Bürgermeister Dr. Stefan Spindler gratulierte dazu, dass der lang geplante Solarpark nun fertig dastehe. Energie sei ein Thema, „dass uns auf allen Ebenen beschäftigt“. Auch mit dem Flächenverbrauch setze man sich im Stadtrat auseinander, es gebe ein Limit, was die Fläche verkrafte, dieses werde nicht überschritten. Der Part der Stadt sei die Bauleitplanung gewesen, die man gemeinsam gemacht habe und die eine gewisse Zeit in Anspruch genommen habe. Die Zusammenarbeit aller Beteiligten am Projekt sei sehr positiv gewesen. Mit GSW hätten die Flächeneigentümer sich einen guten Partner ausgesucht.
Windkraft sei das nächste Thema, das die Gemeinde beschäftigen werde, demnächst würden die Vorrangflächen ausgewiesen. Dem Solarpark wünschte er im Namen der Stadt, dass dieser die nächsten Jahrzehnte laufen werde, und gratulierte den Projektpartnern zur Inbetriebnahme.
Bürger können sich am Solarpark beteiligen
Gesellschaft: Betreiber des Parks ist eine gemeinsame Gesellschaft zwischen den drei Flächeneigentümern und dem Projektentwickler und Anlagenerrichter GSW Gold SolarWind aus Kirchroth bei Straubing.
Bürgerdarlehen: Insgesamt stehen den Bürgern der Stadt Rötz 315 000 Euro zur Verfügung, sich mittels Bürgerdarlehen an dem Solarpark zu beteiligen. Die Laufzeit der finanziellen Beteiligung beträgt bis 2028 zu 4,25 Prozent, 2033 zu 4,5 Prozent, 2038 zu 4,75 Prozent. Eine Beteiligung ist zwischen 1000 Euro und 25 000 Euro möglich.
Termin: Am Dienstag, 5. November, findet um 19 Uhr im Fürstenkasten eine Informationsveranstaltung zur Bürgerbeteiligung am Solarpark Grub statt. Die Firma GSW wird hier die Bürgerbeteiligungsmöglichkeit im Detail vorstellen.