Kamerunschafe weiden unter Rötzer PV-Anlage: „Mäh“-Arbeiten für die Artenvielfalt

Kamerunschafe aus Seebarn, einem Ortsteil der Stadt Neunburg vorm Wald im Landkreis Schwandorf, weiden fast das ganze Jahr über auf dem Gelände der Rötzer PV-Anlage. Warum das so ist, erklärt Dennis Gruber, Schafhalter und Landwirt im Nebenerwerb.
Als Dennis Gruber sagt „Kamerunschafe sind Fremden gegenüber scheuer als zum Beispiel Merinoschafe“, sieht es kurzzeitig so aus, als ob sie das Gegenteil beweisen wollen. Neugierig laufen die Tiere auf unsere Kamera zu und beschnuppern sie ausgiebig. Dann aber ist ihnen die Sache doch nicht ganz geheuer und sie verstecken sich schnell wieder unter den Solarplatten der Freiflächen-Photovoltaikanlage beim Zellweg.
Bei einer solchen Anlage denkt man vermutlich zuerst an die Technik, an die grauen Platten, die der Stromerzeugung aus Sonnenenergie dienen. Aber unter den Platten, da herrscht viel Leben: Heuer ist es schon das vierte Jahr, dass die Tiere von Dennis Gruber aus Seebarn, Kamerunschafhalter und Landwirt im Nebenerwerb, die Grünfläche unter der PV-Anlage beweiden.
240 Schafe plus Lämmer vor Photovoltaikanlage in Rötz
Als der frühere Schäfer aufgehört hat, habe die Betreiberfirma 7C Solarparken bei ihm angefragt, ob er die Aufgabe übernehmen wolle, so Gruber. Der Seebarner bringt jahrelange Erfahrung mit: 2012 begann alles mit zwei Schafböcken, die das große Anwesen, das sein Großvater ihm vermacht hat, beweiden sollten.
Mittlerweile ist daraus eine Herde von insgesamt 240 Tieren plus Lämmern geworden, die in einem Umkreis von etwa zehn Kilometern um Seebarn Flächen unter PV-Anlagen, Biotope, Flora-Fauna-Habitate und „ganz normale Gemeindewiesen und unsere eigenen Wiesen zuhause“ beweiden, erklärt Gruber. Auch „Vorarbeit“ bei Bauplätzen leisten die Schafe. In der PV-Anlage bei Rötz weiden momentan 47 Mutterschafe mit ihren kleinen Lämmern, die im März auf die Welt gekommen sind. Im Mai wird es noch mal Nachwuchs geben.
Auffällig ist, das unter den ausgewachsenen Schafen nur weibliche Tiere zu sehen sind: Das habe unter anderem versicherungstechnische Gründe, erklärt Gruber. Die Böcke könnten, wenn sie hochspringen, die Unterkanten der PV-Platten beschädigen, so dass diese möglicherweise brechen könnten.
„Viel zu fressen“ für Schafe bei Rötzer PV-Anlage
Der Rötzer Martin Schmidtler kommt dazu, er ist der Ansprechpartner vor Ort sowohl für die Betreiberfirma als auch für Dennis Gruber. Er kümmert sich um die Technik der Anlage. Für die Schafe ist er ein bekanntes Gesicht, von ihm lassen sie sich nicht beim Grasen stören. Wenn sie jemanden kennen, sind sie sehr zutraulich. „Das Gras ist gut gewachsen, sie haben viel zu fressen“, stellt Schmidtler fest. Die Tiere fühlen sich sichtlich wohl in der umzäunten Anlage: Bei Regen oder auch starker Sonneneinstrahlung können sie unter den PV-Platten Schutz und Schatten suchen.
Dort findet man aber nicht nur die Kamerunschafe: Der große Vorteil dieser natürlichen Form der Beweidung gegenüber maschinellem Mähen ist zum einen ein technischer: Die Anlage wird nicht durch herumfliegende Steinchen beschädigt. Zum anderen und noch wichtiger ist der Umweltaspekt: Die Biodiversität wird gefördert, Kleinstlebewesen werden geschützt, ebenso wie die Pflanzenwelt.
Auch eine kleine Feldhasenpopulation fühlt sich auf dem Gelände heimisch, sogar mit Nachwuchs. Sie können sich im teilweise höheren Gras gut verstecken und von den Schafen fühlen sie sich nicht gestört. „Das war ein schönes Bild an Ostern, die kleinen Lämmer und die Feldhasen“, freuen sich Gruber und Schmidtler. Der Zaun, der das Gelände umgibt, bietet einen gewissen Schutz, Niederwild gelangt darunter hindurch, größere Tiere können hingegen nicht hinein und die kleinen Lämmer können nicht ausbüxen.
Gutes Zusammenleben der Kamerunschafe mit anderen Tieren
Auch ein Fasanenpärchen haben sie vor kurzem zu Gesicht bekommen: Fasanen sehe man sehr häufig in Freiflächen-Photovoltaikanlagen. Vögel, vor allem Bodenbrüter, fühlen sich hier generell wohl, denn sie werden, im Gegensatz zum freien Gelände, nicht leicht von Greifvögeln entdeckt.
Ameisenhügel, herumflatternde Schmetterlinge, Wildbienen und Hummeln – dadurch, dass nicht das ganze Gras auf einmal niedergemäht wird, tummeln sich auf der Fläche die verschiedensten Lebewesen. „Die Schafe fressen mal hier, dann wieder in einem anderen Eck, so können alle gut zusammenleben.“

