Wanderführer aus Cham verraten die schönsten Touren im Herbst

Von Sabrina Kauer · 18. Oktober 2024 um 05:00

Braune, rote und gold-gelbe Blätter zieren die Waldböden. Wenn man hindurchläuft, knistert es. Die leuchtenden Farben und die frische Luft ziehen viele Wanderbegeisterte nach draußen in die Natur. Glück hat, wer im Landkreis Cham wohnt, wo der Bayerische und der Oberpfälzer Wald vor der Haustür liegen. Wanderführer aus der Region verraten, welche Touren in der dritten Jahreszeit ausgesprochen schön sind.

„Jetzt ist die ideale Zeit zum Wandern. Wenn sich das Laub verfärbt – ein absoluter Traum. Im Oktober ist es auch von den Temperaturen her ideal“, sagt Karl Reitmeier. Er ist Wanderführer der Touristinformation in Waldmünchen. Seine Empfehlung im Herbst ist der Gibacht-Rundweg in Waldmünchen.

Viele Attraktionen auf kurzer Strecke

„Auf den fünf Kilometern gibt es viele Attraktionen. Es ist absolut traumhaft, wenn das Laub verfärbt ist und man durch die Bäume stellenweise ein bisschen hindurchsieht“, sagt Reitmeier. Der Rundweg startet vom Berghof Gibacht aus. „Die Tour führt auf dem Kamm dahin“, weiß der Wanderführer. Bei den Leuten sei der Rundweg beliebt, weil er keinen hohen Schwierigkeitsgrad habe, „aber trotzdem ist man hoch oben“, sagt Reitmeier.

Auf der Strecke kommt man am Pfennigfelsen und am Grenzübergang Drei Wappen vorbei. Danach gelangt man zum Felsen mit dem Gipfelkreuz, der zugleich mit 936 Metern der höchste Punkt des Rundwegs ist. Weiter geht es zum Glaskreuz am Reiseck und zum Leuchtturm der Menschlichkeit, bevor der Rundweg wieder beim Berghof Gibacht endet, erklärt Reitmeier.

Als spontane (Feierabend)-Wanderung empfiehlt er eine Tour um den Drachensee in Furth im Wald oder den Perlsee in Waldmünchen. Vor allem, weil sich „die Laubbäume so schön im Wasser spiegeln“, so Reitmeier. Der Bleschenberg in Waldmünchen sei ebenfalls ein geeignetes Ziel für Kurzentschlossene. Vom dortigen Aussichtsturm aus habe man einen Panoramablick über die bunten Laubbäume.

Solche sind auch auf dem Weg zum Kaitersberg und weiter zur Kötztinger Hütte zu finden. Eine „Traumtour“, findet Heinz Schiele, Wanderführer beim Kur- und Gästeservice in Bad Kötzting. Der Ausflug auf den Kaitersberg sei seine Lieblingswanderung. „Die passt immer“, sagt Schiele.

Aussicht auf dem Kreuzfelsen genießen

Wenn er den 1133 Meter hohen Berg besteigt, startet er meist vom Parkplatz Reitenberg aus. „Ich gehe über den Bk3 zuerst zum Kreuzfelsen. Dort genieße ich die Aussicht“, sagt er. Von da geht es über den Mittagstein weiter zur Kötztinger Hütte. „Dort mache ich eine kleine Einkehr“, so der Wanderführer. Auf dem Rückweg wählt er den Weg vorbei an der Räuber-Heigl-Höhle. „Ich gehe lieber den leichten Weg rauf und den schwierigen runter. So ist es am besten für mich“, sagt Schiele.

Als weitere, insbesondere im Herbst schöne Strecke, nennt Schiele den Planetenweg bis hin zum Höllensteinsee. Die etwas längere Tour sollen Wanderer am besten bei der „Sonne“ im Bad Kötztinger Kurpark beginnen. Von da aus kann man den Planetenweg über den Ludwigsberg gehen, vorbei am Geodätischen Observatorium in Wettzell.

Nun folgt der vor allem im Herbst äußerst schöne Teil der Strecke: „Von Wettzell aus geht’s zum Höllensteinsee runter. Da ist ein Mischwald. Die Steilufer und der Schwarze Regen sind schön in die bunten Bäume eingebettet“, so Schiele. Vom Höllensteinsee geht es weiter Richtung Blaibacher See und von dort wieder zurück nach Bad Kötzting.

Kammwanderungen besonders beliebt im Lamer Winkel

Wenn es ums Wandern geht, dürfen natürlich die Berge im Lamer Winkel nicht fehlen. Maria Müller, Wander- und Naturführerin beim Tourismusverband Lamer Winkel, haben es in der Herbstzeit Kammwanderungen besonders angetan. „Es hat den Vorteil, weil alles farbig ist, das ist ganz toll im Herbst. Und man sieht weit“, so Müller.

Es gibt unter anderem die Strecke vom Arber zum Eck oder vom Zwercheck zum Osser. „Vor allem im Herbst begeistert mich die Aussicht, weil die Luft viel klarer ist und die Farbenspiele und Kontraste so kräftig sind“, sagt sie.

Erst kürzlich sei die Wander- und Naturführerin von Arrach, das von einer dichten Nebelschicht umhüllt war, auf den Mühlriegel gewandert. „Das ist ein wunderbarer Weg rauf. Da färbt sich gerade das Laub so schön und man hat oben einen tollen Blick. Es hat etwas reizvolles, wenn du in den Nebel einsteigst, dann oben ankommst und klare Sicht hast“, schwärmt Müller, und fügt noch einen weiteren Aspekt an: „Was im Herbst noch so gut tut, ist die Stille. Man ist mehr alleine unterwegs. Ich hab mich auch auf dem Mühlriegel hingesetzt und neben mir waren nur ein Vogerl und Schmetterlinge“.

Schwimmende Inseln im Kleinen Arbersee sind verfärbt

Als spontane Nachmittagswanderung empfiehlt Müller unter anderem die beiden Arberseen. „Da ist es auch im Herbst sehr toll, wenn alles braun, rot, gold-gelb und ocker gefärbt ist – auch die Inseln im Kleinen Arbersee.“

Gibacht, Osser, Kaitersberg – im Landkreis Cham gibt es noch viele weitere Berge, auf die sich eine Herbstwanderung lohnt. Die Natur hat überall Sehenswertes zu bieten. Und wichtig ist laut Wanderführer Heinz Schiele nur eins: „Schön ist es da, wo dein Herz schlägt“.

„Es ist absolut traumhaft, wenn das Laub verfärbt ist und man durch die Bäume stellenweise ein bisschen hindurchsieht.“ - Karl Reitmeier (vorne Mitte kniend), Wanderführer der Touristinformation in Waldmünchen Foto: Martina Jencová
„Schön ist es da, wo dein Herz schlägt.“ - Heinz Schiele, Wanderführer beim Kur- und Gästeservice in Bad Kötzting Foto: Heinz Schiele
„Was im Herbst noch so gut tut, ist die Stille. Man ist mehr alleine unterwegs.“ - Maria Müller, Wander- und Naturführerin beim Tourismusverband Lamer Winkel Foto: Maria Müller