Tortellini-Fall: Betreiber der betroffenen Pizzeria im Kreis Schwandorf trifft Entscheidung

Die Ermittlungen im Tortellini-Fall, der zuletzt bundesweit für Aufsehen gesorgt hatte, dauern an. Zwischenzeitlich haben die Betreiber der betroffenen Pizzeria im Landkreis Schwandorf eine schwere Entscheidung getroffen.
Wie berichtet, hatten Anfang September mehrere Gäste des italienischen Lokals nach ihren Tortellini-Gerichten über Übelkeit und Erbrechen geklagt. Zwei Frauen mussten anschließend stationär behandelt werden. Eine davon, eine 46-Jährige, starb wenige Tage nach dem Gaststättenbesuch im Krankenhaus.
Der betroffene Restaurantbetreiber hat seit Bekanntwerden des Falls sein Lokal geschlossen. Dass er diesen Schritt von heute auf morgen vollzogen hat, ist offensichtlich, wenn man durch die Fenster der Pizzeria blickt. Tische und Stühle stehen sauber im Raum, sogar Servietten und Besteck liegen für die nächsten Gäste bereit.
Auch nach Abschluss der Ermittlungen geht es nicht weiter
Doch bewirtet wird hier so schnell niemand mehr. „Bis auf Weiteres geschlossen“, steht auf einem Ausdruck im Fenster. Dabei wird es auch in der kommenden Zeit bleiben. Denn unter der Regie des bisherigen Betreibers wird es in dem italienischen Restaurant nicht mehr weitergehen. Das bestätigte Rechtsanwalt Philipp Pruy auf Anfrage der MZ. Der Regensburger Strafverteidiger vertritt den betroffenen Gastronomen. Sein Mandant habe sich dazu entschlossen, auch nach Abschluss der Ermittlungen sein Restaurant im Landkreis Schwandorf nicht mehr aufzusperren. Pruy betonte, „dass diese Entscheidung unabhängig von dem aktuell völlig offenen Ausgang der Ermittlungen getroffen wurde“.
In Gastrokreisen war das Aus für das Restaurant bereits erwartet worden. Spätestens nachdem die Laborergebnisse bekannt geworden waren, habe der betroffene Wirt keine andere Wahl mehr gehabt, meinte ein erfahrener Gastronom.
Keim Bacillus cereus auf den zubereiteten Nudeln gefunden
Die Untersuchungen hatten laut Landratsamt ergeben, dass die im Restaurant zubereiteten Nudeln mit dem Keim Bacillus cereus befallen waren. Die noch verschweißten Verpackungen des Nudelherstellers und eine Untersuchung bei diesem vor Ort blieben dagegen ohne Befund. Das lenkte den Fokus der Ermittler weiter auf das italienische Lokal.
Mehr über den Bacillus cereus lesen Sie in einem Interview mit dem Burglengenfelder Lebensmittelexperten Dr. Andreas Kneißler. Den Text finden Sie hier.
„Der Wirt hätte das Restaurant über Jahre wieder aufbauen müssen. Das wäre ein sehr schwerer Weg gewesen“, sagte ein Gastronom mit Blick auf den Vorfall. Seiner Einschätzung nach wären in die Pizzeria kaum noch Gäste gekommen. „Vermutlich hätten sich nach der Wiedereröffnung nur Auswärtige in das Lokal verirrt“, so der Gastronom.
Dieser Entwicklung ist der Betreiber des betroffenen Restaurants mit seiner Entscheidung nun zuvorgekommen. Ob er anderswo einen Neustart wagt, ist unklar.
Indes dauern die Ermittlungen der Behörden weiter an. Wie Oberstaatsanwalt Tobias Kinzler auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigte, werde weiter wegen fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung ermittelt. Der Vorgang kann sich offenbar noch hinziehen. „Es ist noch nicht abschließend geklärt, ob der Tod der Frau und der Verzehr der Tortellini in Zusammenhang stehen“, erklärte Kinzler.
