Wenn Opa für die Enkel einen Kindergarten baut: Willibald Schmid und sein Korallengarten

Ist das die Lösung für Zeiten, wo in den Kommunen das Geld knapp wird und dennoch Betreuungsplätze her müssen? Willibald Schmid sieht da durchaus Möglichkeiten. Deshalb will er das, was er in Sattelbogen (Gemeinde Traitsching, Landkreis Cham) gemacht hat, nun auch für seine Firma bewerben: Er hat für seine Enkel einen Kindergarten gebaut.
Und der steht auf Gemeindegrund, in einer Ecke des Freibad-Grundstücks in Sattelbogen, und wird von der Kommune betrieben. Dafür zahlt die Gemeinde Traitsching Pacht an den Bauherrn, um die Investition zu finanzieren. Der Bau sei für ihn eine Premiere gewesen – und nicht nur für ihn, sondern auch für die Gemeinde Traitsching. Und beide haben es bislang nicht bereut. Im Gegenteil.
Willibald Schmid ist mit seinem Unternehmen Objektbau Schmid eigentlich auf Ärztehäuser spezialisiert. Doch da das Projekt in Sattelbogen – der Korallengarten, wie der Kindergarten heißt – aus seiner Sicht ein Erfolg ist, wirbt der Atzenzeller nun auch damit.
Viele Vorteile
Denn in Zeiten knapper Gemeindekassen und einem zunehmenden Bedarf an Betreuungsplätzen wird der Spielraum für Kommunen enger. Der Korallengarten vereint dabei mehrere Faktoren, die Bauherr und Investor wie auch der Gemeinde wichtig sind. Das Gebäude stand zum einen binnen kürzester Bauzeit – Mitte März dieses Jahres war Start und am 1. September war der Kindergarten komplett bezugsfertig und einsatzbereit. Möglich sei das auch gewesen, weil er immer mit den gleichen Handwerkern aus der Region baue und wisse, was leistbar sei.
Hochwertiges verbaut
Bauherr Schmid baute dabei nicht nur die Räumlichkeiten, sondern übernahm auch die Möblierung. Dazu seien Gebäude wie der Innenausbau mit hochwertigen Baustoffen umgesetzt worden, erläutert der 62-Jährige: „Das hält 100 Jahre und mehr!“ Der Bau sei statisch so aufgestellt, dass auch nach oben mit einem weiteren Geschoss erweitert werden könne, falls nötig. Und er sei so ausgerichtet, dass es nicht zu warm werden kann, wenn es heiß wird im Sommer.
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Doch im Unterschied zu öffentlichen Auftraggebern, wo immense Vorgaben Bauten deutlich verteuern, sei hier Gleichwertiges zum besseren Preis verbaut worden. Als privater Investor könne man das Material günstiger einkaufen: „Man kann auf die Kosten achten – das ist kein Hexenwerk!“ Folglich liege der Gesamtpreis des Projekts deutlich unter öffentlichen Bauten im Kindergartenbereich. „Wenn ich sehe, was da in Michelsneukirchen oder anderswo an Summen für eine Kindergarten genannt werden, ist das schon etwas anderes“, sagt Schmid. 650.000 Euro hat der Neubau komplett mit Inneneinrichtung gekostet. Das sei sein Angebot an die Gemeinde gewesen und so sei der Korallengarten auch gebaut worden, sagt Schmid. Herausfordernd, aber erfüllbar, seien die Vorgaben des Jugendamts gewesen, mit dem man gut zusammengearbeitet habe.
Grundstück bleibt im Besitz der Gemeinde
Das Gebäude sei gelungen, so Bürgermeister Marchl – man habe wegen des Freibads einen eher unauffälligen Bau haben wollen und bekommen. Von Vorteil sei auch gewesen, dass der Investor aus der Gemeinde sei und das Gesamtprojekt mit dem Freibad nebenan bei allen gut ankam. „Das Grundstück bleibt dabei im Besitz der Gemeinde“ , sagt Bürgermeister Josef Marchl. Der Neubau in der Nähe des Freibads wurde möglich, da nach dem Umbau der Einrichtung nur noch ein Becken übrig blieb und damit die Liegewiese überdimensioniert war. Der Traitschinger Kindergarten sei nicht erweiterbar gewesen und der Bedarf für Kindergartenplätze sowieso da.
Zudem bekommt die Gemeinde finanziell etwas Luft, da für den Kindergarten nur eine jährliche Pacht gezahlt wird. Der Wirtschaftsplan läuft über 25 Jahre, danach gebe es für die Gemeinde Optionen für eine Mietvertragsverlängerung für bis zu 20 Jahre zusätzlich.
In gleicher Zeit wie der Neubau hätte die Gemeinde allenfalls einen Container-Kindergarten bauen können, der aber nicht nachhaltig gewesen wäre, sagt Verwaltungschef Schober: „Es gab schon erste Besucher, die sich das Konzept angeschaut haben!“
Der Korallengarten
Neubau: Der Korallengarten, wie der neue Kindergarten in der Ecke des Freibads Sattelbogen heißt, bietet Platz für 25 Kinder. Der Bau war nötig, da der Traitschinger Kindergarten nicht erweiterbar ist und neue Plätze schon länger benötigt werden.
Nutzung: In Zusammenarbeit mit Landratsamt und Jugendamt ist das Raumprogramm mit 255 Quadratmetern Nutzfläche geschaffen worden – gebaut von einem privaten Investor. Bauherr Willibald Schmid garantierte eine hohe Qualität der Ausstattung auf technisch neuestem Stand zum Preis von 650.000 Euro. Das Gebäude ist an die Gemeinde verpachtet.


