Bilanz der ersten Komplettsaison in Sattelbogen: Viel Bewegung im neuen Becken

Von Christoph Klöckner · 5. Oktober 2024 um 11:00

Nie waren bisher mehr Schüler im Sattelbogener Freibad als in der abgelaufenen Saison. Da sind sich Bürgermeister Josef Marchl und sein Verwaltungsleiter Schober sicher. Das Bad habe seine Notwendigkeit mehr als bewiesen – auch wenn es von der Rechnungsprüfung des Chamer Landratsamtes blaue Briefe hagelte.

Schon vor der ersten kompletten Freibadsaison habe man mit den Schulleitungen in Wilting und Schorndorf gesprochen, um den Schwimmunterricht für die dritten Klassen zu forcieren. Beide Gemeinden hätten die Buskosten und den Eintritt übernommen – die Betreuung sei durch erfahrene Lehrkräfte und Schwimmlehrer gelungen. „Schwimmen lernst du nur durch Anleitung!“, so Sepp Schober.

Auch lesenswert zum Thema: Was wird aus dem Freibad Sattelbogen?

Es gebe nicht zu wenig Bäder, sondern zu viele private Swimmingpools im Garten, meint er: „Da wird nur geplanscht. Schwimmen lernt da keiner!“ Dass dennoch das Landratsamt als Kommunalaufsicht hier die Kosten des Neubaus anstelle einer Sanierung moniere, liege an der Freiwilligkeit der Gemeinde, hierfür Geld in die Hand zu nehmen.

Ein Freibad sei keine Daseinsvorsorge, also ein Muss für den Gemeindebetrieb. Dennoch habe man saniert, „das ist der einzige Luxus, den sich die Gemeinde leistet“, sagt Marchl, wenn solch ein Bad überhaupt als Luxus einzuordnen sei.

24 neue Seepferdchen

Eine komplette Schulschwimmwoche für die Erstklässler aus Schorndorf, Wilting und Untertraubenbach wurde zudem initiiert, die es auch 2025 in der zweiten Juliwache geben werde. Das Ergebnis spricht für sich: 24 Erstklässler lernten das Schwimmen und bekamen dafür das Seepferdchen.

Marchl und Schober sehen die Neuerstellung des Freibads als das richtige Zeichen der Gemeinde – in Zeiten, in denen Kinder nicht mehr Schwimmen lernen würden. Genutzt hat die Gemeinde fürs Schulschwimmen Gutscheine der Regierung, die es für jedes Kind 2024 gab, um Schwimmen zu lernen. 2025 gebe es die nicht mehr, so Schober. Da gebe es stattdessen eine Förderung für Vorschulkinder im Kindergarten.

Mit dem Freibadbetrieb und neuen Verantwortlichen am Beckenrand kehrten nicht nur die Schulen zurück, sondern auch die örtliche Wasserwacht, die ihren Dienst nach einigen Jahren Pause wieder aufgenommen hat. Und außerdem hat der Reha-Sport Einzug ins Bad gehalten, der vom Hotelinhaber nebenan in der Saison angeboten wird. Und die holländischen Gäste seien im Sommer auch zurückgekehrt ins Feriendorf Sattelbogen – und damit auch ins Bad. Wobei die Übernachtungszahlen weit weg von Hoch-Zeiten seien, sagt Marchl. Fast 100 000 Übernachten zählte die Gemeinde in den 70er, 80er oder 90er Jahren – heute seien es noch 25 000.

Mit der ersten Komplettsaison des Bades sind Marchl und Schober zufrieden. Knapp 20 000 Gäste habe man gezählt, etwa 150 Dauerkarten verkauft, so Schober. Das Bad sei gut angenommen worden, auch wenn die Besucherzahlen ähnlich wie 2023 bei der kürzeren Saison sind. Die Wetterkapriolen hätten die Zahlen begrenzt – „das Problem war, dass es keine zusammenhängende Schönwetterphase gab“, sagt Schober. Daher sei der Zustrom immer wieder unterbrochen worden, auch wenn es Spitzentage mit bis zu 850 Badegästen gab. „Dann ist das Freibad voll bis obenhin“, sagt Bürgermeister Marchl.

Was sich die beiden Gemeindevertreter wünschen, ist ein Zuwachs bei den Badbesuchern aus der eigenen Gemeinde. Die während der Entscheidungsphase zur Badsanierung per Umfrage festgestellte Nutzung durch Gemeindemitglieder sei nicht wesentlich gewachsen. Damals kamen 36 Prozent der Gäste aus dem Gemeindebereich Traitsching – der Rest aus den umliegenden Chamer Kommune und aus Niederbayern.

Unterm Strich mit allen Aufwendungen wie Personalkosten, Energie und dem Basisaufwand für die Technik mache das Bad als Betrieb gewerblicher Art unter kommunaler Leitung etwa 280 000 Euro Defizit pro Jahr. Damit könne man die kommenden drei Jahre rechnen, sagt Schober. Man habe vor der Neugestaltung viele Vergleichsbäder angeschaut – eine Sanierung wäre teurer geworden als der jetzt umgesetzte, etwas zurückgenommene Neubau mit nur noch einem Becken. „80 oder 90 Prozent der Besucher reichen die vier 25-Meter-Bahnen“, so der Verwaltungschef.

Das Bad sei so weit wie möglich kostengünstig im Betrieb. So regle die Gemeinde den technischen Betrieb selbst – die Firmen, die es gebaut hätten, seien vor Ort und wüssten, wie was funktioniere. Eine Biogasanlage liefere die Wärme.

Kein Stehen im Schwimmer

Was zur neuen Saison 2025 geändert werden solle, seien gewisse Hausrechte, die sich bei manchem eingeschlichen hätten. Etwa, dass im Schwimmbereich des Bades oft gestanden werde oder drei nebeneinander Schwimmende die kompletten Bahnen blockieren. Darauf solle die Badeaufsicht 2025 von Beginn an achten.