Tagung zu KI: Ein Hauch von Silicon Valley in Regensburg

Von Christian Eckl · 10. Oktober 2024 um 15:05

Die erste Tagung zum Mega-Thema Künstlicher Intelligenz unter dem Namen AirCon in der Regensburger TechBase: Über Chancen, Risiken, enttäuschte und erfüllte Hoffnungen einer Technologie, die fasziniert.

Dieser Text ist nicht KI-generiert. Er ist auch nicht mit einer KI überarbeitet worden, die ihn sprachlich und grammatikalisch runder macht. Natürlich sind auch die Bilder zu diesem Text nicht mit Künstlicher Intelligenz erstellt. Allerdings: Weil sie mit einem IPhone von Apple gemacht wurden, hat die interne KI sicher nachgeholfen: Die hier eingefügten Porträts der Sprecher auf der ersten Regensburger Air.Con in der TechBase wurden am Mittwoch allesamt mit dem Porträt-Modus erstellt. Und der ist KI-gestützt.

Können die Leser ihnen deshalb nicht trauen? Keineswegs: Der Augenzeugen-Journalismus, er wird in Zukunft vielleicht eine noch größere Rolle spielen. Auch dann, wenn KI-gestützte Tools Journalisten dabei helfen, ihre Arbeit besser zu machen – etwa, indem sie stupide Routinen der KI überlassen.

Zu hohe Erwartungen

Einen KI-Führerschein, den machen in Neutraubling (Lkr. Regensburg) beispielsweise die Mitarbeiter der Firma Krones. „Die beste KI-Lösung hilft nichts, wenn sie nicht angewendet wird“, sagte Dr. Elisabeth Moser, die für das Thema KI bei dem Global Player zuständig ist. Zusammen mit weiteren Experten eröffnete sie mit einer Podiumsdiskussion über KI die Tagung. Moser warnte: „Ein Problem ist eine überspitzte Erwartungshaltung an KI-Lösungen, wenn man glaubt, die kann alles.“

Selbst bei den KI-Lösungen des Maschinenbau-Unternehmens, die ausschließlich auf eigenen Daten des Konzerns beruhen, gibt es immer wieder Fehler: „Man muss lernen“, sagte die KI-Spezialistin. „Und in vielen Fällen ist das gute alte Googlen immer noch die bessere Lösung.“Angewandte KI, also nichts abstraktes, verwirklicht auch Rosemarie Steininger mit ihrem Unternehmen.

Spezialisiert auf den Personalbereich, arbeitet das Unternehmen mit KI, um die besten Bewerber für Stellen zu finden. Doch auch Steininger machte klar: „Beim Job-Matching kann Bias natürlich ein Problem sein.“ Mit Bias sind Verzerrungen gemeint, einige berühmte Beispiele gibt es bereits: Amazon beispielsweise, das mittels KI-Anwendung Bewerber suchte.

Frauen zunächst strukturell benachteiligt

Weil allerdings viel mehr Männer in der Vergangenheit eingestellt wurden und die KI anhand der früheren Einstellungen lernte, wurden Frauen strukturell benachteiligt. Steininger machte klar: „Wenn ich meine Stellenausschreibung schon KI-generiert erstelle und dann auch noch den Auswahlprozess, dann ist etwas viel KI im System.“ Die Unternehmerin erläuterte, dass menschliche Kompetenz auch in KI-Zeiten weiterhin immens wichtig ist. „Wir haben kürzlich eine Grundschullehrerin eingestellt, die komplexe Prozesse erklären soll.“ Von Angesicht zu Angesicht, und nicht von Angesicht zu Artificial Intelligenz, wie KI auf Englisch heißt.

Die Angst mancher Arbeitnehmer, dass KI-Lösungen Stellen kosten könnten, versuchte der Regensburger Professor Christian Wolff auszuräumen. Wolff ist mit der Präsidentin des Landgerichts Ingolstadt verheiratet und hat mit ihr zusammen höchst interessante Beiträge zum Thema KI in der Juristerei geschrieben. „Kommt der Robo-Laywer? Kommt der Robo-Judge?“, also KI-Anwälte und KI-Richter? Wolff meinte: „Wie beim Thema Datenschutz, der für Juristen viele Stellen geschaffen hat, wird das auch beim Thema KI so sein.“ An der Uni bringt der Dekan der Fakultät für Informatik und Data Science auch Juristen KI bei. Sein Kollege Karsten Weber von der OTH Regensburg formulierte auf die Frage hin, welche KI-Entwicklungen er sich wünschen würde, den Traum vom intelligenten Pflegeroboter. Die Pflege sei eine immense Herausforderung für die Gesellschaft. „Robotik und KI, die als humanoide Roboter in den Alltag einsickern, das ist die Zukunft“, so der OTH-Professor.

Großteil sieht Chancen in KI

Gleich zu Beginn der Tagung ließ Hausherr Alexander Rupprecht, Geschäftsführer der städtischen TechBase, abstimmen: Was überwiegt beim Fachpublikum: Die Angst vor der Übernahme durch eine Super-KI, die zu entwickeln laut Sam Altman von ChatGPT-Erfinder Open AI noch 4000 Tage dauert? Oder die Faszination für die Chancen? Ein Großteil sah die Chancen, Angst hatte kaum jemand im Raum. Kein Wunder: Zahlreiche Unternehmen aus der Region schickten ja auch ihre KI-Spezialisten auf die Air.Con.

Risiken gibt es allerdings auch für die Unternehmen. Bei Krones etwa ist es natürlich verboten, und das sollte es auch sein, die KI mit sensiblen Daten zu füttern. Und auch jenen KI-Lösungen nicht alles zu glauben, auch wenn sie mit eigenen Daten trainiert wurden. „Ich würde mir wünschen, dass die KI künftig sagt, wenn sie etwas nicht kann“, sagte die Krones-Spezialistin.

Das Podium kam auch auf das Thema Fake News zu sprechen. „Wir sind mit Fake-Bildern in Wahlkämpfen konfrontiert“, so OTH-Professor Weber und brachte Taylor Swift ins Spiel, die angeblich für die Wahl Donald Trumps geworben hätte – ein Fake. Der Experte plädierte für klassische Medien: „Da sind Leute unterwegs, die ihr Handwerk gelernt haben“, sagte Weber. Augenzeugen, keine KI.

„Ich darf der Antwort der KI nicht uneingeschränkt vertrauen.“Dr. Elisabeth MoserKrones AG
„Wir haben leider keine Investitionskultur wie die USA.“Prof. Dr. Karsten WeberOTH Regensburg
‚„Unternehmen sollten sorgfältig und mutig bei der KI-Einführung sein.“Rosemarie SteiningerChemistree GmbH
„Die Gefahr liegt nicht in der Super Intelligence, sondern in Monopolen.“Prof. Dr. Christian WolffUniversität Regensburg