Krones, BMW, Conti und Co: So nutzen die Betriebe die Künstliche Intelligenz

Von Christian Eckl · 10. Januar 2024 um 19:00

Die Global Player der Region schildern, wie sie Künstliche Intelligenz einsetzen und was das mit den Arbeitnehmern macht. Dabei ist das Spektrum groß: Von der Oberflächenkontrolle am neuen BMW im Millimeterbereich bis zur Optimierung vom Gebäude-Energieverbauch bei Conti.

Die Künstliche Intelligenz ist längst in den Betrieben der Region angekommen. Viele Betriebe haben konkrete Ziele, wie sie leistungsfähiger und effizienter werden können durch KI. Ein Blick in die wichtigsten Unternehmen der Region zeigt: Die KI soll den Mitarbeitern helfen. Ein Überblick.

BMW steht noch am Anfang der KI-Möglichkeiten

„Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind nach wie vor das Rückgrat der Produktion“, lautet das Bekenntnis, das BMW-Sprecherin Saskia Graser formuliert. „Der Einsatz von KI kann unsere Mitarbeitenden entlasten“, lautet das Credo beim Autobauer – nicht nur im Werk in Harting. Zum Beispiel bei der Inspektion spiegelnder Fahrzeugoberflächen, wo Abweichungen in der Größenordnung von unter einem Millimeter erkannt werden müssen, unterstützen Roboter mit angeschlossener Künstlicher Intelligenz die Produktionsmitarbeiter. „An diesem Beispiel aus der Oberflächenbearbeitung zeigt sich, wie der Einsatz von KI die Mitarbeitenden entlasten kann“, so Graser. Ein Analysesystem in der Montage vermeidet KI-basiert 500 Störminuten – Ausfallzeiten also, die KI vermeidet.

Max Bögl: Menschliche Fähigkeiten ergänzen

„Mit Künstlicher Intelligenz möchten wir bei der Firmengruppe Max Bögl Technologien entwickeln und einsetzten, welche die menschlichen Fähigkeiten und Erfahrungen sinnvoll ergänzen und stärken“, sagt Unternehmenssprecher Jürgen Kotzbauer. „Damit können wir die Ziele, komplexe Bauvorhaben zu beschleunigen, Kosten zu reduzieren und die Effizienz zu steigern erreichen.“ Das Bauunternehmen setzt bei der automatisierten Auswertung von Videomaterial auf KI. Selbst bei Beton wird KI als Assistenzsystem eingesetzt. Automatisierte Planungen und Windgutachten helfen dabei, große Datenmengen zu bearbeiten. Aber auch beispielsweise bei der automatisierten Suche in Ausschreibungsplattformen hilft die KI den Mitarbeitern von Max Bögl, große Datenmengen zu verarbeiten.

Krones: Fachabteilung für Künstliche Intelligenz

„Krones beschäftigt sich schon seit einigen Jahren mit KI“, sagt Ingrid Reuschl, Sprecherin des Konzerns. Mittlerweile gibt es auch eine eigene Fachabteilung bei Krones. In Neutraubling ist also längst der Alltag mit KI eingekehrt. Die Abteilung beurteilt potenzielle KI-Anwendungsfälle, führt Machbarkeitsstudien durch und setzt auch eigene Anwendungen um. Auch Trainings würden angeboten, um die Belegschaft mitzunehmen auf eine Reise der Möglichkeiten, die sich durch KI eröffnet. Eingesetzt wird etwa auch Co-Pilot, die Künstliche Intelligenz, die von Microsoft für das Office-Paket angeboten wird. Doch um Co-Pilot einsetzen zu dürfen, müssen die Kronesen zunächst auch eine KI-Schulung absolvieren. Glasklar ist bei Krones aber auch: „Wir verfolgen nicht das Ziel, Arbeitsplätze mit Hilfe von KI zu ersetzen. Vielmehr wollen wir KI als Assistenzsystem für Mitarbeitende nutzen“, so die Sprecherin. Die Bandbreite des Einsatzes von KI ist bei Krones auch in den Produkten groß. So setzt der Hersteller von Abfüllanlagen KI beispielsweise bei der Leerflascheninspektion ein.

Infineon vermindert Ausfälle mit Hilfe der KI

„KI unterstützt bei der Infineon Technologies AG Regensburg vor allem in den Bereichen der Bilderkennung, Vorausschau sowie bei Wissensmanagement und Entscheidungshilfen“, sagt Jörg Recklies, Sprecher der Betriebsleitung von Infineon am Standort Regensburg. Die Vorausschau, die sogenannte „Prediction“, setze man bei Infineon auf dem Gebiet der vorausschauenden Instandhaltung ein. „Dabei unterstützt das Modell, auf Ausfallwahrscheinlichkeiten von Anlagen hinzuweisen“, sagt Recklies. Das ermögliche, rechtzeitig einzugreifen, um einen Ausfall zu verhindern. KI hilft mit der automatischen Bilderkennung bei der Erfassung und Kategorisierung von Ersatzteilen und in der Erkennung von Defekten auf den Produkten.

Conti setzt auf autonomes Fahren – mit der KI

Bei Continental setzt man laut Unternehmenssprecherin Elke Härtl in zweierlei Hinsicht auf Künstliche Intelligenz: Zum einen, um die internen Prozess und Abläufe zu optimieren und damit effizienter zu werden. Zum anderen ist aber die Nutzung von Künstlicher Intelligenz untrennbar mit einem Thema verknüpft, mit dem Conti und seine Mitarbeiter nun schon seit Jahren beschäftigt sind: Dem autonomen Fahren. „Um unsere Ziele für die Mobilität von morgen zu erreichen, ist KI ein wesentlicher Baustein. Für das automatisierte Fahren etwa ist KI essenziell“, sagt Härtl. „Derzeit arbeiten rund 1200 KI-Expertinnen und -Experten bei Continental. Tendenz: weiter steigend“, so die Sprecherin. Kompetenzzentren ist hier übrigens neben Frankfurt und Berlin eben auch Regensburg.

Bei Continental wird KI etwa zum Testen von Systemen zum assistierten und automatisierten Fahren genutzt. Bei deren Entwicklung müssen diese Systeme in unzähligen Testfahrten trainiert werden. „Dadurch zahlt KI auch auf die Nachhaltigkeitsstrategie von Continental ein“, sagt die Sprecherin. In Regensburg wird derzeit ein Gebäude von Conti komplett von KI gesteuert. Obwohl es ohnehin ein hochautomatisiertes Gebäude ist, sparte das Unternehmen 20 Prozent Energiekosten ein.

Vitesco nutzt KI schon seit mehreren Jahren

Vitesco nutzt KI schon lange, sie ist auch bereits seit mehreren Jahren erfolgreich in der Fertigung im Einsatz, sagt Unternehmenssprecherin Emerenz Magerl-Ziegler. Im Einsatz ist die KI etwa in der „automatischen Sichtkontrolle“: „Die KI unterstützt oder übernimmt hier Tätigkeiten, die für den Menschen extrem monoton und anstrengend sind“, so Magerl-Ziegler. „Großes Potential sehen wir auch in der vorausschauenden Wartung beziehungsweise der Weiterentwicklung der vorbeugenden Instandhaltung.“ Bei den Lieferketten kann KI den CO2-Fußabdruck verringern sowie mit Roboterisierung und Automatisierung den demographischen Wandel lindern.

Bei MR ist die KI auf vielen Ebenen im Einsatz

Bei der Maschinenfabrik Reinhausen nutzen viele Mitarbeiter KI etwa in Programmen oder Suchalgorithmen von Microsoft und Google. „Daneben wird an vielen Stellen im Unternehmen zur Vereinfachung von Routinetätigkeiten mit KI-Programmen zur Generierung von Text, Grafik und Videos experimentiert“, sagt Konzernchef Nicolas Maier-Scheubeck. MR kooperiert mit mehreren Hochschul-Initiativen, um diverse technische Anwendungsmöglichkeiten zu erproben. Dabei steht aber auch die Verknüpfung im Vordergrund, etwa mit Elektrotechnik, Sensorik, Informatik und sogar Linguistik, also Sprache. KI nutze dabei gleichsam den Kunden, aber auch der Belegschaft und den eigenen Produktionsabläufen. Maier-Scheubecks Blick darauf, ob KI menschliche Tätigkeiten ersetzen kann, ist zudem zukunftsgewandt: Wurden einst handwerkliche Tätigkeiten maschinell ersetzt, sind es nun administrativ-kreative Aufgaben. „Hierauf müssen sich Aus- und Weiterbildungsaktivitäten unter anderem im Hinblick auf heutige kaufmännisch-technische Routinetätigkeiten, Recherchen, Informationsverarbeitung sowie Schreibtätigkeiten und Software-Programmierung konzentrieren“, schließt MR-Chef Maier-Scheubeck.