In Regensburg hat der größte autonome Supermarkt Europas eröffnet

Mit einem Korb voller Einkäufe steht Hannah Schütz im Kassenbereich der Nettofiliale in der Karl-Stieler-Straße in Regensburg. Anstatt sich in der Schlange an der traditionellen Kasse anzustellen, oder an den Selbstbediener-Kassen ihre Produkte selbst einzuscannen, läuft sie in ein gelb umrandetes Quadrat. Darin steht Überholspur.
Warum Netto diesen Begriff wählt, wird schnell klar: Schütz tippt zweimal auf den Bildschirm vor sich und hält anschließend ihre Kreditkarte an das Kartenlesegerät. Dann öffnet sich die Schranke und sie verlässt den Discounter – ohne, dass auch nur ein Artikel manuell eingescannt wurde.
Zwei Wochen Testphase
„Ich finde es ziemlich praktisch“, sagt Schütz. Die Studentin erzählt, dass sie die Kasse schon vor der offiziellen Eröffnung – in der zweiwöchigen Testphase – ausprobiert habe. „Ich denke schon, dass ich das System in Zukunft weiter nutzen werde“, meint sie.
Dass Kunden das neue System wirklich nutzen, ist auch im Sinne von Christina Stylianou. „Unser Ziel ist es, das Einkaufen für den Kunden möglichst einfach und Zeit schonend zu gestalten“, sagt die Leiterin der Unternehmenskommunikation. Damit das so genannte Pick&Go-System funktioniert, braucht es modernste Technik. Der gesamte Markt ist mit dutzenden Kameras und Sensoren ausgestattet. Schon beim Betreten des Marktes wird jeder Kunde von den Kameras registriert.
Künstliche Intelligenz hilft
Die Videotechnik misst biometrische Punkte. Dadurch kann eine KI, die zu dem System gehört, erkennen, was der Kunde in seine Tasche packt. Im Kassenbereich ordnet die KI jedem Kunden seinen Einkauf zu. Sobald man bezahlt hat, wird der Bon gedruckt und man kann gehen. „Das besondere ist, dass keine App nötig ist“, sagt Stylianou. „Man muss sich also nicht erst registrieren, um vollautonom einkaufen zu können.“
Besonders stolz ist Stylianou darauf, dass die Regensburger Filiale mit seinen 800 Quadratmetern „der größte autonome Einkaufsstandort in Europa ist“. Warum der Markt ausgerechnet in Regensburg eröffnet wurde, hat einen einfachen Grund: „Netto hat seinen Sitz in Maxhütte-Haidhof“, sagt Stylianou. Die nächstgelegene Großstadt sei Regensburg. Deshalb habe es sich angeboten das System hier, also nah am Hauptsitz einzuführen. Dass es die Filiale in der Karl-Stieler-Straße wurde, liege außerdem an der Nähe zur Universität. Netto zählt darauf, dass das System bei den jüngeren Menschen gut ankommt.
Noch nicht massentauglich
Im gesamten Markt sind mehr als 100 Kameras und Sensoren verbaut. Was das gekostet hat, möchte Christina Stylianou nicht verraten. „Über die Finanzen reden wir bei Netto prinzipiell nicht öffentlich.“ Sie macht aber kein Geheimnis daraus, dass es zu teuer war, um das System von heute auf morgen in der Masse einzuführen.
„Am Anfang sind Technologien teuer. Wir schauen, wie das Ganze angenommen wird, und entscheiden dann, in welchen Bereichen und Regionen so etwas Sinn macht“, erklärt Stylianou. In Regensburg wird das Pick&Go System zeitlich unbegrenzt verfügbar sein.