Nahversorgung mit Verspätung: Neues Regensburger Viertel hat endlich einen Supermarkt

Weit über 1000 Wohnungen sind in den letzten Jahren im Regensburger Nibelungen-Areal entstanden. Die entsprechende Infrastruktur kommt aber erst jetzt nach und nach.
Das riesige Areal der ehemaligen Nibelungenkaserne hat viele Facetten. Es beherbergt die größte Schule der Stadt, ist Anziehungspunkt für zahlreiche neue Technologie-Unternehmen, spielte eine Hauptrolle im Prozess um Parteispenden, hat den Regensburgern mit dem Brixen-Park einen weiträumigen Grünbereich geschenkt, sorgt für Kopfschütteln wegen schlecht genutzter Parkhäuser und ist nicht zuletzt zum Wohnort tausender Bürger geworden.
Letztgenannte haben seit wenigen Tagen eine neue Qualität hinzugewonnen: Sie können ihren täglichen Einkauf endlich vor Ort im eigenen Viertel erledigen. In der Franz-Mayer-Straße hat der Lebensmittel-Discounter Netto eine 1500 Quadratmeter große Niederlassug eröffnet.
„Da kann man schon von einem Meilenstein reden, auch wenn es ein bisschen länger gedauert hat“, sagt Evelyn Kolbe-Stockert.
Nur noch Restflächen übrig
Die SPD-Stadträtin wohnt ganz in der Nähe und kennt zudem als Vorstandsmitglied des Bürgervereins Südost die Gegebenheiten aus dem Effeff. „Ich weiß von vielen, die neu hierher gezogen sind, dass es ein großer Wunsch war, möglichst schnell einen Nahversorger zu etablieren. Das hat das Viertel absolut gebraucht.“
German Greif spricht in Bezug auf Netto ebenfalls von einem „Meilenstein“. Der Projektentwickler kümmert sich seit bald fünf Jahren im Auftrag der Nürnberger Investorenfamilie Streng um die „Nibelungen Terrassen“. Auf diesen Namen wurde das Quartierszentrum des neuen Stadtteils getauft – es befindet sich ziemlich genau in dessen Mitte, hat ein Investitionsvolumen von 40Millionen Euro und besteht aus dem sich aktuell noch in Sanierung befindenden denkmalgeschützten Wirtschaftsgebäude der Kaserne sowie einem modernen L-förmigen Anbau.
Mit der Eröffnung des Netto-Markts ist das neue Gebäude nun für alle sichtbar in Betrieb genommen worden. Die insgesamt gut 6700 Quadratmeter Nutzfläche sind allerdings längst vollständig belegt, das Institut für Aus-, Fort- und Weiterbildung im Gesundheitswesen (IAFW) als weiterer Ankermieter hat hier beispielsweise bereits Anfang Juni begonnen.
Der Altbau, einer von nur zwei Überbleibseln der Kaserne auf dem gesamten Areal, ist ebenfalls gefragt. Bei Easyfitness wird schon seit dem Frühjahr trainiert, die Asia-Restaurantkette Kokono lässt sich mehr Zeit und will Anfang 2024 eröffnen. Aktuell hat Greif nur noch vier Flächen mit insgesamt rund 1500 Quadratmetern frei, das vordringliche Ziel des Projektentwicklers ist die Schaffung einer zusätzlichen gastronomischen Einheit. „Da bei Netto leider keine Bäckerei-Filiale mit dabei ist, wäre ein Tagescafé ideal“, gibt er einen Einblick in seine Planungen.
Ein bereits im Januar gemachtes Angebot hält Greif weiterhin aufrecht: Falls gewünscht, kann der entstandene zentrale Platz zwischen Alt- und Neubau für einen Wochenmarkt genutzt werden. „Wenn wirklich Interesse dafür besteht, müssten wir das aber bald wissen. Jetzt kann man nämlich noch reagieren und die entsprechenden Anschlüsse planen.“ Eine Rückmeldung der Stadt vermisst Greif bisher allerdings.
Erster Versuch ist gescheitert
Evelyn Kolbe-Stockert macht diese Information hellhörig. „Wenn man die Fläche für einen Markt nutzen könnte, würde mich das extrem freuen“, sagt sie. Die Stadträtin hatte sich schon für die Gründung des „Nibelungenmarkts“ engagiert, der ab Mitte 2021 jeden Freitag auf dem Parkplatz unterhalb der FOS/BOS stattgefunden hat, mittlerweile aber wegen zu geringer Resonanz eingestellt wurde. „An zentraler Stelle und angedockt an einen Supermarkt wären die Chancen für einen solchen Markt natürlich viel besser, weil die Laufkundschaft größer wäre. Ich werde mich mit dem Thema an den städtischen Marktmeister wenden.“