Hohe Betriebskosten und Jugendtrend: Gym-Betreiber aus Landkreis Cham geben Einblicke

Von Kilian Graef · 10. Oktober 2024 um 05:00

In den letzten Jahren haben hier einige Fitnessstudios eröffnet. Trotzdem hält sich der Konkurrenzkampf zwischen den Sportstätten in Grenzen. Die Konzepte der Studios unterscheiden sich nämlich stark und die Nachfrage der Einwohner des Landkreises Cham hoch.

Das Internet wird geradezu geflutet von Fitnessinfluencern. Sie zeigen die angeblich besten Übungen für die perfekte Sommerfigur, Fitnessgerichte, oder wie man beim Posieren im Spiegel besser rüberkommt. Die Videos sehen Millionen Menschen. Aber nicht nur in der Welt der sozialen Medien ist Fitness im Trend. Auch der Landkreis Cham wirkt begeistert.

In den letzten Jahren haben hier einige Fitnessstudios eröffnet. Trotzdem hält sich der Konkurrenzkampf zwischen den Sportstätten in Grenzen.

„In den großen Städten ist das Geschäft mittlerweile ziemlich umkämpft“, sagt Daniel Nowara, Studioleiter des Chamer Fitnesspoint. In Cham sei das nicht so ausgeprägt. „Jeder positioniert sich anders und hat seine Daseinsberechtigung“, sagt er. Mehrere identische Studios mit der gleichen Zielgruppe gebe es in Cham nicht.

Alle Altersgruppen vertreten

Die Kette Fitnesspoint betreibt insgesamt acht Fitnessstudios in ganz Bayern. Der Standort in Cham wurde vor etwa vier Jahren eröffnet. Laut Nowara sind im Fitnesspoint alle Altersgruppen vertreten. Vor allem den jüngeren scheint der Kraftsport als Freizeitbeschäftigung zu taugen.

„Ich habe schon das Gefühl, dass muskuläres Training immer mehr im Trend ist“, erklärt Nowara. Das Gefühl hat auch Christian Groitl, Inhaber der Fit+-Studios in Bad Kötzting und Rötz. „Die Jüngeren sind sehr aktiv“, sagt er.

Groitl selbst ist mit 17 Jahren zum ersten Mal in Berührung mit Kraftsport gekommen. Damals verletzte er sich beim Fußballspielen am Kreuzband. Der Sportenthusiast musste zur Physiotherapie und sollte mit Kraftübungen anfangen. Der Sport zog ihn schnell in den Bann und Groitl ging regelmäßig ins Fitnessstudio.

2014 bekam er das Angebot ein Regensburger Studio zu kaufen und weiter zu betreiben. „Damals bin ich frisch mit meinem Studium fertig gewesen und habe mich die Investition nicht getraut“, erzählt er.

Lange Öffnungszeiten der Fitnessstudios in Bad Kötzting und Rötz

Groitl studierte Betriebswirtschaftslehre in Regensburg. Die Eröffnungen in Bad Kötzting und Rötz wurden laut Groitl sehr gut angenommen. So gut, dass das Studio in Bad Kötzting nach wenigen Monaten um ein Stockwerk erweitert wurde.

Knapp zwei Jahre nach der Eröffnung ist die Muskelschmiede in Bad Kötzting unter den drei Mitgliederstärksten der insgesamt über 200 Fitnessstudios des Franchises Fit+.

Vor allem die niedrigen Preise und die Öffnungszeiten von 4-24 Uhr locken die Mitglieder an. Als Familie aus bis zu fünf Personen zahlt man bei Groitl insgesamt 30 Euro.

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Dass diese Preise möglich sind, liegt vor allem an einer Sache. Die Studios in Rötz und Bad Kötzting sind personallos. Um über eine große Glastür in das Fitnessstudio zu kommen, müssen Kunden einen QR-Code scannen. Einen Trainer muss man sich auf Wunsch dazubuchen und Überwachungskameras sorgen dafür, dass niemand Schabernack treibt und beispielsweise Geräte absichtlich kaputt macht. „Das Personal ist einer der größten Kostenpunkte“, sagt Groitl. Dadurch rentiert sich ein Fitnesstudio im ländlichen Bereich schneller, weil es nicht so viele Mitglieder braucht um profitabel zu sein.

Im Gegensatz dazu fährt Stefan Zimmermann aus Furth im Wald eine andere Philosophie. Er betreibt seit vier Jahren das Kampfsportcenter und Fitnesscenter Steff und legt Wert auf eine familiäre Atmosphäre. „Jeder kennt Jeden und man schaut sich etwas ab voneinander ab“, sagt Zimmermann.

Steigende Betriebskosten

Er ist zufrieden, wie es derzeit läuft. Die Betriebs- und Personalkosten steigen zwar. Die Mitgliederzahlen aber auch. „Mir ist es wichtig die Preise nicht zu erhöhen“, sagt der Studioinhaber. Er möchte mit dem Fitnesscenter nicht reich werden. Ihm sei es wichtiger, dass alle zufrieden sind.

Seit der Sommer vorbei ist kommen wieder mehr Leute. Omas, die während ihre Enkel einen Kurs besuchen, trainieren, oder Jugendliche, die sich nach der Schule verausgaben wollen. „Sommer ist Nebensaison“, sagt Zimmermann. „Der stärkste Monat ist der Januar.“ Die Kombination aus schlechtem Wetter und Neujahrsvorsätzen lockt viele Neulinge oder Rückkehrer ins Fitnessstudio.

Ähnliches erzählen auch Groitl und Nowara. Im Sommer machen viele Leute ihren Sport oft lieber draußen. Wenn die ersten kalten Herbsttage einsetzen, schleicht sich die Erinnerung an das Fitnessstudiokarte im Geldbeutel zurück in das Gedächtnis.

Motivationstipps der Experten

Planung: Wer immer wieder mit sich kämpfen muss zum Sport zu gehen, sollte die Trainingseinheiten laut Christian Groitl schon möglichst langfristig in den Kalender eintragen. Sich vorzunehmen spontan zu entscheiden, wann man zum Sport geht, würde zu Ausreden einladen. Auch feste Trainingstage können zu regelmäßigerer sportlicher Betätigung verhelfen.

Vorbereitung: „Wenn man erst einmal Zuhause ist, dann ist es meistens vorbei“, sagt Stefan Zimmermann. Deswegen rät der frühere Kampfsportler dazu, immer eine vorbereitete Sporttasche im Auto zu haben. Nach der Arbeit sollte man bestenfalls keinen Abstecher mehr nach Hause machen, sondern gleich in das Fitnessstudio gehen und sich erst nach dem Sport auf die Couch legen.

Im fit+ steht Personal nur auf Anfrage zur Verfügung, erklärt Inhaber Christian Groitl.