Hakenkreuz-Schmierereien am Ludwigsberg in Bad Kötzting: Über 20.000 Euro Schaden

Die Stadt Bad Kötzting setzt eine vierstellige Summe als Belohnung für Hinweise zu Hakenkreuz-Schmierereien am Ludwigsberg aus. Es entstand ein Schaden in Höhe von über 20.000 Euro.
Es ist ein Spaziergänger, der am 30. September wie so oft am Morgen seine Runde geht, dem es als erster aufgefallen ist: Mit schwarzer Farbe haben Unbekannte Tafeln, das jüngst aufgestellte Häuschen für die Waldkindergarten-Tage sowie das in Stein gemeißelte Denkmal für den Überfall der Schweden im Dreißigjährigen Krieg beschmiert. Eine Tat, die nicht nur die Polizei, sondern auch die Stadt Bad Kötzting seitdem beschäftigt.
Christian Pongratz ist Leiter der Polizeiinspektion Bad Kötzting und hat gemeinsam mit den ermittelnden Kollegen gut eine Woche später zum Pressegespräch geladen. „Wir hatten überlegt, ob der oder die Täter nicht noch einmal zurückkehren würden und darum noch einige Tage gewartet“, sagt er. Doch nun sei es an der Zeit, öffentlich nach Hinweisen zu suchen.
Schaden an 16 Stellen
An insgesamt 16 Stellen wurden Symbole mit rechtsradikalem Inhalt angebracht. Dazu gehört die Zahl 88, die in der Szene für „Heil Hitler“ steht. Die Zahlen stehen dabei für den achten Buchstaben im Alphabet, das „H“. Subtiler, wenn auch in der Ausführung nicht an jeder Stelle eindeutig, ist das Hakenkreuz als Symbol des Nationalsozialismus, dessen Verwendung in Deutschland unter Strafe steht. Auffallend ist dabei, dass dieses allgemein bekannte Symbol nur in den seltensten Fällen richtig mit der Sprühdose aufgebracht worden ist. Doch das werde den Täter nicht vor der entsprechenden Strafe schützen, die bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe betragen könnte, sagt Christian Pongratz. Auch falsch herum geschmierte Hakenkreuze ließen die Absicht des Täters erkennen.
Beschmierte Tafeln, das Häuschen sowie der Gedenkstein, das seien im Kern alles Sachbeschädigungen, sagen Pongratz und seine Kollegen. Den Schaden kann Karl-Heinz Lummer als geschäftsleitender Beamter der Stadt auch beziffern: Zwischen 20.000 und 25.000 Euro würde es wohl kosten, müssten alle beschädigten Gegenstände neu beschafft werden. „Wenn wir alles durch Eigenleistungen durch den Bauhof beseitigen können, gehen wir von Kosten von rund 5000 Euro aus“, sagt er. Gerade mit Blick auf diese Kosten nimmt sich die Belohnung, die die Stadt nun für Hinweise auslobt, sehr hoch aus: 1000 Euro verspricht sie demjenigen, der Hinweise auf den oder die Täter geben kann. Das sei auch mit Blick auf Belohnungen allgemein, die im Zusammenhang mit Sachbeschädigungen ausgelobt werden, „keine kleine Summe“, sagt Christian Pongratz. Die Erfahrung der Polizei zeige aber auch, dass sie in Fällen wie diesen auf die Mithilfe aus der Bevölkerung angewiesen sei.
Belohnungen halfen bereits
Dass Belohnungen durch die Stadt dabei durchaus zum Ziel führen können, das hätten bereits mehrere Fälle von Sachbeschädigungen im Kurpark gezeigt, bei denen ebenfalls zwischen 500 und 1000 Euro geboten worden waren, weiß auch Lummer. Vor allem, als in den vergangenen Jahren die Zahl der Sachbeschädigungen rund um den Kurpark zugenommen hatten, sei die Polizei so einigen Tätern auf die Spur gekommen. Die wurden nicht nur ihrer rechtlichen Bestrafung zugeführt, sondern durch die Stadt auch zur Zahlung des entstandenen Schadens herangezogen: „Einige zahlen heute noch in 50 Euro pro Monat ihre Schulden bei uns ab“, sagt Lummer. Auch wenn vor einigen Monaten Schmierereien mit „#remigration“, einem ebenfalls dem rechten Spektrum zuzuordnendem Schriftzug, für Schlagzeilen sorgten, hätten in diesen Fällen keine Verantwortlichen ermittelt werden können, sagt Pongratz. Das gelte auch für andere Fälle, die sich in anderen Orten des Altlandkreises Kötzting dieses Jahr ereignet hätten, obwohl es sogar Verdächtige und den Abgleich von Schriftproben gegeben habe. Darum bauten er und seine Kollegen nun auf die Wirkung der Belohnung.
Dennoch gehe die Polizei nicht von organisierten Gruppen aus der rechten Szene aus, die diese Sachbeschädigungen verursacht haben, sondern von einzelnen jugendlichen Tätern mit Spaß an der Beschädigung.

