Bierklau beim Kuchlbauer: So flog die Diebestour auf – Brauerei-Chef im Zeugenstand

Von Martin Rutrecht · 8. Oktober 2024 um 19:00

Im Prozess gegen vier (inzwischen ehemalige) Mitarbeiter der Brauerei Kuchlbauer in Abensberg (Landkreis Kelheim), die des Bierdiebstahls über mehrere Jahre bezichtigt werden, sagte am zweiten Verhandlungstag der Firmeninhaber im Zeugenstand aus. Er schilderte, wie man den mutmaßlichen Tätern auf die Schliche kam. Und zeigte sich betroffen von deren Machenschaften.

Über die Montagstour entwendeten die vier Angeklagten laut Tatvorwurf im Zeitraum von 2019 bis 2022 bei der Brauerei Kuchlbauer in Abensberg 181 Paletten mit je 40 Kisten Bier (in Summe 7240 Kästen). Nach Angaben der Staatsanwaltschaft entstand ein Schaden von knapp 100.000 Euro. Die Anklage lautet auf schweren Bandendiebstahl.

Die vier Männer aus dem Landkreis Kelheim – drei Kraftfahrer (51, 57 und 58 Jahre alt) und ein Lagerist (65, inzwischen Rentner) – sollen vor der Tour nach Regensburg jeweils mindestens eine Palette mehr in den Liefer-Lkw geladen haben. Diese lagerten sie bei einem Zwischenstopp in einen Container beim Wertstoffhof Saal a. d. Donau. Aus diesem Depot holten sie mit ihren Privatautos Kisten ab – zum Eigenkonsum, zum Weiterverkauf und einer der Angeklagten auch für seine Gaststätte im Landkreis.

Vor dem Hintergrund dieser Anschuldigungen hatte der Prozess vor dem Amtsgericht Kelheim am 30. September 2024 begonnen. Zwei Fahrer räumten in Einlassungen die Geschehnisse ein, aber nicht im angelasteten Ausmaß. 168 Diebestouren hatte die Staatsanwaltschaft aufgelistet. Der dritte Fahrer gab ebenso wie der Lagerist an, nicht beteiligt gewesen zu sein.

Nach anonymem Hinweis Detektei eingeschaltet

Am zweiten Verhandlungstag trat nun Brauerei-Chef Jacob Horsch (31) in den Zeugenstand. Als Geschäftsführender Gesellschafter hält er 95 Prozent des Betriebs, die übrigen fünf Prozent gehören seinem Vater. Ein anonymer Anrufer, so berichtete Horsch, hätte im Herbst 2022 einen Hinweis auf den Bierdiebstahl gegeben.

Man habe sich entschlossen eine Detektei einzuschalten, um Beweise zu finden. Mithilfe von installierten Kameras hätte man beobachtet, dass die Angeklagten bei der Montagstour mehr Paletten als bestellt aufluden. Über Tracker an den Lkw wurde der Zwischenstopp in Saal nachgezeichnet, „wo wir aber keinen Kunden haben“, so Horsch.

Auf Basis dieser Ergebnisse habe man dann Anzeige bei der Polizei Kelheim erstattet. Am 24. Oktober 2022 wurden auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Durchsuchungen vollzogen. Offenbar hatten die mutmaßlichen Täter aber „Wind davon bekommen“, wie Richterin Sylvia Zorger fragend anmerkte. Eine Kamera sei kurz zuvor „aufgeflogen“, erklärte Horsch.

Mitarbeiter von Kindesbeinen an gekannt

Die ganze Situation sei für ihn „belastend“, gab der Brauerei-Chef auch persönliche Einblicke. „Ich kenne die angeklagten Herren teils als langjährige Mitarbeiter von Kind auf.“ In dem aufgezeigten Ausmaß seien die Tatvorwürfe „ein Schlag ins Gesicht. Ich hatte keinen Verdacht und hätte bei diesen Personen nichts vermutet.“

Alle vier Angeklagten belangt die Brauerei auch zivilrechtlich. Mit einem Fahrer, der auch eine Wiedergutmachung leistete, gab es eine Einigung. Dieser und ein weiterer Fahrer entschuldigten sich vor dem Schöffengericht bei Horsch und auch dessen Familie.

Darum fielen die Fehlbestände nicht auf

Aufgeworfen wurde die Frage, warum die Fehlbestände an Kisten nicht schon früher bemerkt wurden. „Wir haben 20.000 bis 40.000 Kisten am Tag im Lager. Wir können nicht jede kontrollieren“, erläuterte Horsch. Hinsichtlich der Fehlmengenquote (etwa durch Bruch) liege man unter dem Branchenschnitt, es sei also nichts auffällig gewesen.

Als weiterer Zeuge wurde ein 43-Jähriger vernommen, der den Container in Saal an einen der Fahrer, den er über eine frühere Arbeitsstelle kannte, vermietet hatte. „Wir haben ausgemacht, dass er ihn nutzen darf. Verlangt habe ich nichts dafür.“ Von eingelagerten Bierkisten habe er nichts gewusst.

Fortgesetzt wird der Prozess am Freitag, 25. Oktober 2024, um 9 Uhr. Auch hier werden noch Zeugen gehört.