Prozess um Klau von 7240 Bierkästen: Vier Mitarbeiter sollen Kuchlbauer über Jahre bestohlen haben

Von Martin Rutrecht · 30. September 2024 um 15:00

Der Tatvorwurf lautet auf schweren Bandendiebstahl: Vier Mitarbeiter der Abensberger Brauerei Kuchlbauer – inzwischen nicht mehr dort beschäftigt – sollen ihrem Arbeitgeber über Ausliefertouren insgesamt 7240 Kisten Bier entwendet haben. Am Montag begann der Prozess gegen sie vor dem Amtsgericht Kelheim.

Die Anklagebank war gut gefüllt. Die vier beschuldigten Männer aus dem Landkreis Kelheim – drei Kraftfahrer (51, 57 und 58 Jahre alt) und ein Lagerist (65, inzwischen Rentner) – hatten vor dem Schöffengericht samt Anwälten Platz genommen. Und bekamen von der Staatsanwaltschaft den Tatvorwurf zu hören, sie hätten ihren Arbeitgeber in Abensberg vier Jahre lang bestohlen.

Der „Modus Operandi“ war stets derselbe. Vor der Montagstour, die über Bad Abbach nach Regensburg führte, beluden die Angeklagten laut einem zuvor gefassten Tatplan den Liefer-Lkw zumindest mit einer Palette (40 Bierkästen) mehr. Diese lagerten sie bei einem Zwischenstopp in einen angemieteten Container beim Wertstoffhof Saal a. d. Donau ein.

Aus diesem Depot heraus holten sie mit ihren privaten Autos Kisten ab – zum Eigenkonsum, zum Weiterverkauf (auch über Dritte) und einer der Angeklagten auch für seine Gaststätte im Landkreis. Mithin kam in Teilen Hehlerei als Delikt hinzu.

Insgesamt 168 Diebestouren listet die Staatsanwaltschaft auf

Da die Beladung in Zuständigkeit von Bierfahrern und Lagerist erfolgte, fand laut Anklagebehörde keine Überprüfung der Lieferscheine statt. Vier Jahre lang – von 2019 bis 2022 – wurde die Montagstour oft zur Klautour. Exakt 168 Fälle mit Datum listet die Staatsanwaltschaft auf, an der die angeklagten Kraftfahrer unterschiedlich oft beteiligt waren.

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In der Summe seien 181 Paletten je 40 Kisten gestohlen worden – hoch gerechnet mit Bierpreis, Pfand und Wert je Palette ein Schaden von 99.369 Euro. Zudem hätten zwei Angeklagte 2018/19 in 16 Fällen Diesel aus dem Lkw-Tank des Kuchlbauer abgezapft. Die so gestohlenen 2400 Liter ergaben einen Wert von 6133 Euro.

Die Angeklagten geben Erklärungen ab

Schon die Einlassungen der Angeklagten, die allesamt Erklärungen über ihre Verteidiger vorlesen ließen, zeigten die Schwierigkeit des Prozesses: Wer war wie oft an den Touren beteiligt? So gab sich der 57-jährige Bierfahrer in der Sache zwar „geständig“ und bedauerte wie die Mitangeklagten die Taten. Aber bei vielen der ihm angelasteten Fahrten sei er entweder im Krankenstand oder Urlaub gewesen oder hätte gar nicht gearbeitet.

Auch der 51-jährige Bierfahrer gab seine Beteiligung zu, aber nur bei zwölf Diebstählen im Jahr. „Dafür übernehme ich auch die Verantwortung.“ Weiterverkauft habe er das Bier selten. Mit einer Zahlung von 30.000 Euro an seinen früheren Arbeitgeber habe er sich zudem um Schadenswiedergutmachung bemüht. Der dritte Fahrer (58) bestritt eine Beteiligung an den Diebestouren. Er habe aber davon gewusst und bei zwei Gelegenheiten zwölf Kästen aus dem Depot geholt, wovon er drei in seiner Gaststätte verkauft hätte.

Lagerist: Es gab keine Bandenabsprache

Der Lagerist (65) sprach von „unzutreffenden Vorwürfen“: Es habe keine Bandenabsprache gegeben. Wegen Urlaub, Krankheit oder Spätschicht sei er nur bei 23 Liefertouren da gewesen und die Fahrer hätten selbst aufgeladen. Aus dem Container habe er selten etwas genommen und nur in der Meinung, es sei ihm zustehender „Haustrunk“ (Freigetränke für Brauerei-Mitarbeiter).

Vor dem Hintergrund dieser Aussagen begann die Beweisaufnahme. Am Montag, 7. Oktober (9 Uhr), wird die Verhandlung am Amtsgericht fortgesetzt. Erhärtet sich der Tatvorwurf des schweres Bandendiebstahls, kommt ein Strafrahmen von ein bis zehn Jahren Haft, in minder schweren Fälle von sechs Monaten bis fünf Jahren in Frage.