Landrat startet neuen Anlauf für Fusion der Sparkassen Kelheim und Ingolstadt-Eichstätt

Ist eine Fusion der Kreissparkasse Kelheim mit der Sparkasse Ingolstadt Eichstätt doch nicht vom Tisch? Der Kelheimer Landrat versucht jetzt, mit einem Angebot zum Sozialen Wohnungsbau den Kelheimer Stadtrat noch vom Zusammenschluss zur „Sparkasse Mittelbayern“ zu überzeugen.
Wie berichtet, liefen rund anderthalb Jahre lang Vorbereitungen für eine Fusion der Kreissparkasse Kelheim (KSK) mit der deutlich größeren Sparkasse Ingolstadt Eichstätt zum 1. April 2025. Darüber mussten alle an den zwei Instituten beteiligten Zweckverbände und kommunalen Gremien abstimmen. Fast alle hatten schon Ja gesagt – dann beförderte der Stadtrat von Kelheim im Juli mit 15:10 Stimmen das Vertragswerk in den Papierkorb.
Damit schien die Fusion beerdigt. Doch nun bittet Landrat Martin Neumeyer den Kelheimer Bürgermeister Christian Schweiger, sie „dem Stadtrat (…) nochmals vorzulegen“. Es habe sich nämlich seither „noch ein weiterer und sehr wesentlicher sowie ausschlaggebender Aspekt ergeben“, so Neumeyer in seinem Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt.
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Darin erläutert der Landrat, der auch Vorsitzender des KSK-Zweckverbands ist, dass in der geplanten Sparkasse Mittelbayern „eine Finanzkraft entstehen [würde], die eine Beteiligung an einer Gesellschaft für sozialen Wohnungsbau ermöglichen würde“. Dazu unterbreitet er dem Kelheimer Bürgermeister – zugleich Vize-Vorsitzender des KSK-Zweckverbands – ein konkretes Angebot: nämlich, dass sich die Sparkasse Ingolstadt Eichstätt noch vor der Fusion „entweder selbst oder mit einer Tochtergesellschaft mit einem Betrag von ca. einer Million Euro“ an der Kelheimer Stadtbau GmbH beteiligen würde. Die genaue Summe und vertragliche Umsetzung müsse man noch klären.
„Beteiligung an der Stadtbau“
Die Stadtbau gehört bislang zu 100 Prozent der Stadt Kelheim. Kernziel einer Sparkassen-Beteiligung würde es laut Neumeyer, „die Grundstücke Hohenpfahl West zu erwerben, um günstigen Wohnraum für Bürgerinnen und Bürger der Stadt Kelheim zur Verfügung zu stellen“, insbesondere für Familien. Nach der Fusion würde dann die neue Sparkasse Mittelbayern der „finanzkräftige Partner“ von Stadt und Stadtbau GmbH. All dies sei „eine Chance für die Stadt Kelheim“, wirbt Neumeyer.
Komplett neu ist das Angebot nicht. In der Stadtratssitzung hatte KSK-Vorstandsmitglied Erich R. Utz schon argumentiert, dass eine neue, größere Sparkasse Mittelbayern die Option habe, die Kreisstadt beim Sozialen Wohnungsbau zu unterstützen. Dieses Argument, so Utz, sei nur eines von vielen pro Fusion gewesen, und eigentlich hätte es der Ingolstädter Vorstandsvorsitzende Reinhard Dirr ausführlicher erläutern wollen. „Das war leider wegen des Antrags auf Ende der Debatte nicht mehr möglich. Laut Landrat Neumeyer beteiligt sich Ingolstadt-Eichstätt „seit vielen Jahren am sozialen Wohnungsbau in Form einer gemeinnützigen städtischen Wohnungsbau GmbH, und zwar sehr erfolgreich“.
Könnte es die KSK der großen Nachbarin gleichtun und – auch ohne Fusion – bei der Kelheimer Stadtbau einsteigen? „Das ist für uns derzeit keine Option“, antwortet Vorstand Utz und verweist „insbesondere auf die Eigenkapital-Situation“ seines Hauses: Man liege „deutlich unter dem bayerischen Sparkassen-Durchschnitt“ – laut Landrat Neumeyer auf dem viertletzten Platz in Bayern. Angesichts dessen hätte es laut Utz für eine weiterhin alleinstehende KSK Priorität, private und gewerbliche Kunden weiter mit Krediten versorgen zu können – und nicht, sich zu Lasten der Eigenkapitalquote etwa in einer Wohnungsbaugesellschaft zu engagieren.
Aus demselben Grund könne die KSK „nicht einfach die Spenden- und Sponsoring-Quote hochschrauben“; anders, als dies im Zuge einer Fusion in Aussicht gestellt wurde: von derzeit 214.000 auf dann 421.000 Euro. Das wäre laut Utz das prognostizierte Resultat eines durch die Fusion verbesserten Betriebsergebnisses.
Landrat Neumeyer bekennt offen, dass er ein Scheitern der Fusion für einen Fehler hält. Das hätten ihm auch „viele Bürger, Wirtschaftsvertreter und auch Sparkassen-Mitarbeiter“ so bestätigt, sagt Neumeyer und appelliert an den Stadtrat, „nochmals nachzudenken“, auch angesichts der sich eintrübenden Wirtschaftslage in Bund und Land.
Fraktionen beraten Brief
Im Stadtrat ist der Impuls aus dem Landratsamt angekommen: Der Brief sei „auf Fraktionsführer-Ebene besprochen“ und zur Beratung an die Fraktionen verwiesen worden, bestätigt Kelheims Bürgermeister Christian Schweiger auf Anfrage. In der Sitzung am Montag (30. September) sei das Schreiben noch kein Thema. Nach seiner eigenen Ansicht zur Option Sozialer Wohnungsbau gefragt, antwortet Schweiger lediglich, „meine Meinung zur Fusion ist hinreichend bekannt“.
Wie berichtet, hat sich der Bürgermeister von Haus aus vehement für die Fusion ausgesprochen; seine CSU-Fraktion schloss sich ihm, mit einer Ausnahme, an. Geschlossen dagegen waren im Juli die Freien Wähler sowie, mit einer Ausnahme, die SPD und die SLU-Stadträtin; einzelne Nein-Stimmen gab es bei Grünen und Kelheimer Mitte.
Es dürfte spannend werden, ob das Angebot für Sozialen Wohnungsbau zu einer Stadtratsmehrheit führt – oder ob es die Fusionsgegner eher als unerwünschten Versuch der Einflussnahme werten. Eine konkrete Deadline für eine neuerliche Stadtrats-Abstimmung gibt es laut Vorstandsmitglied Utz nicht, aber unbegrenzt warten könne man auch nicht: Ohne Fusion „müssen sich beide Sparkassen separat für die Zukunft aufstellen.“
Ingolstadt-Eichstätt hält sich bedeckt:
Das Heft des Handelns haben sie jetzt nicht in der Hand: So beobachten die Verantwortlichen der Sparkasse Ingolstadt Eichstätt den politischen Vorstoß des Kelheimer Landrats Martin Neumeyer (CSU) allenfalls vom Spielfeldrand aus. Äußern will sich von Neumeyers Politikerkollegen derzeit niemand. Der Ingolstadt Eichstätter Verwaltungsratsvorsitzende Christian Scharpf (SPD) bestätigt allerdings, dass er um die Diskussionen in Kelheim weiß.
Sparkassen-Vorstandsvorsitzender Reinhard Dirr erklärte gegenüber unserer Zeitung: „Das Thema werden wir dann wieder aufgreifen, wenn es zu einer rechtsgültigen Beschlussfassung der Träger gekommen ist.“
Wie im Sommer berichtet, machten sich beide Sparkassen-Institute nach der geplatzten Fusion daran, sich so aufzustellen, dass man als Kreditinstitut auch ohne Partner in die Zukunft gehen könne.