Frust statt Fusion: Das Votum im Kelheimer Stadtrat trifft Sparkassen-Führung

Von Beate Weigert · 23. Juli 2024 um 15:10

Nahezu alle Gremien der Region hatten der Fusion der Kelheimer Kreissparkasse mit Ingolstadt-Eichstätt zugestimmt. Die Mehrheit der Kelheimer Stadträte sagte aber Nein. Überrascht und betroffen zeigen sich die Vorstände am Dienstag. So soll es weitergehen, so votierten die einzelnen Stadtratsmitglieder.

Die Anspannung war Montagabend im Sitzungssaal des Kelheimer Landratsamts zum Greifen. Mit 15:10 Stimmen lehnte – nach der Zustimmung des Kreistags – der Stadtrat die Sparkassen-Hochzeit mit Ingolstadt Eichstätt ab. In der Konsequenz kommt diese nicht zustande. Rückblick auf eine spannungsgeladene Sitzung – und was die Verantwortlichen am Tag danach sagen.

Man hätte gut mit Ingolstadt Eichstätt zusammengepasst. Das versuchte Dieter Scholz, der Vorstandsvorsitzende der Kelheimer Kreissparkasse, zu Beginn der Sitzung zu vermitteln. „Wir haben eine Vielzahl an Sachargumenten gebracht“, sagt Scholz am Dienstag und ergänzt: „Ich weiß, dass man nicht nur mit Argumenten überzeugen kann, sondern auch mit Emotionen.“

Vorstände sind überrascht

Dass die Fusion abgelehnt würde, habe er nicht gedacht. Folglich waren er und Vorstandskollege Erich R. Utz „schon überrascht, dass keine Mehrheit“ zustande kam. Dass es einige Gegenstimmen geben würde, habe sich abgezeichnet, aber nicht, dass es so viele sein würden, so Scholz.

Insofern war insbesondere der Vorstandsvorsitzende am Tag nach der alles entscheidenden Stadtratssitzung „betroffen“, wie er zugibt. Im Telefonat mit unserer Zeitung betonen Scholz und Utz: „Wir bedauern die Entscheidung sehr, nichtsdestotrotz ist es eine demokratische Entscheidung, das respektieren wir.“ Ähnlich äußerten sich beide Sparkassen am Dienstag per Pressemitteilung.

Die Kelheimer Kreissparkasse sei nach wie vor „gut beieinander“. Deshalb will man sich nun auf „Plan B“ konzentrieren, so Scholz und Utz. Die Vorstände seien mehr denn je gefragt, die Kreissparkasse auf die Zukunft auszurichten, insbesondere auf die Kunden. „Das ist unsere Stärke“, betont Scholz.

„Im soliden Mittelfeld“

Intern gelte es Prozesse zu verschlanken. Der Kunde solle davon möglichst nichts spüren. Auch die ein oder andere Position müsse man neu besetzen. Aktuell gibt es 58 bayerische Sparkassen, die Kelheimer befinde sich „im soliden Mittelfeld“.

Knapp 50 Sparkassenmitarbeiter hatten am Montag gespannt die Stadtratssitzung verfolgt und so mancher am Ende erleichtert applaudiert.

Gegen 21.15 Uhr war das Ende der Debatte beantragt und mehrheitlich angenommen, wie auch der Antrag zur namentlichen Abstimmung. Dann erbaten sich die Stadträte eine Unterbrechung. Anschließend stand schnell fest, dass aus der Fusion, auf die Landrat Martin Neumeyer als Verwaltungsratsvorsitzender und der Sparkassen-Vorstand eineinhalb Jahre hingearbeitet hatten, nichts wird.

Zu Beginn des Stadtrats hatten Scholz und Utz eine Stunde lang für die Fusion geworben und nochmals alle Vorteile ins Feld geführt. Auch dass eine fusionierte Sparkasse jährlich Ausschüttungen bieten könne (für den Landkreis an die 100.000 Euro, für die Stadt etwa 50.000) oder sich das Budget für (Vereins-)Spenden und Sponsoring nahezu verdoppeln würde (auf mehr als 420.000 Euro), merkten sie an. Kelheim bleibe „Vorstandssitz“ und „Vollsortimenter“. Weiter sagte Utz, dass man als „größere Einheit“ auch die Option habe, die Kreisstadt etwa beim Sozialen Wohnungsbau zu unterstützen.

Bezogen auf die fühlbare Spannung im Raum sagte Utz an die Stadträte gewandt: „Sie haben eine schwere Entscheidung zu treffen, Sie haben das Heft in der Hand.“ Die Fusion sei eine „Chance mit einem verhandelten Paket, das nicht mehr kommt“. Mit „Job- und Gehaltsgarantie“ für die Mitarbeiter.

Es folgte ein Plädoyer Martin Neumeyers. Er sei es gewesen, der „proaktiv“ auf die Sparkassen in Regensburg, Freising, Landshut und Ingolstadt zugegangen sei. Drei hätten abgelehnt, Ingolstadt Eichstätt habe sich als „Partner auf Augenhöhe“ erwiesen. Ohne Fusion würde das künftige Überleben schwer. In Sachen Mitarbeiter sei nachverhandelt worden.

Auch die Personalratsvorsitzenden von Ingolstadt Eichstätt, warben für ein Miteinander.

Die Debatte der Stadträte zeigte schnell, wie die Meinungen auch innerhalb der Fraktionen auseinander gingen. Und dass es „sehr eng“ werden würde.

Christian Prasch, selbst Führungskraft bei der Kreissparkasse, warb für den Zusammenschluss. Solch eine „mitarbeiterfreundliche Fusion werde es in Deutschland kein zweites Mal geben“. Christiane Lettow-Berger (Grüne) merkte an, dass es um eine „sehr komplexe Entscheidung“ gehe. Argumente hätten sie aber „teils irritiert“. Zudem bedauerte sie, dass es die Sparkassen-Führung nicht geschafft habe, „die Debatte auf eine sachliche Ebene zu lenken“.

„Angst-Kulisse“ aufgebaut?

Dennis Diermeier (FW) war nicht überzeugt, dass eine Fusion Probleme löse, zudem sah er eine „Angst-Kulisse“ aufgebaut, um Stadträte von der Notwendigkeit der Fusion zu überzeugen. Seine Fraktion stimmte geschlossen dagegen. Andere wie Bernhard Fischer (CSU) waren überzeugt: „Wer nicht fusioniert, der bleibt stehen.“ Und verliert am Ende.

Bürgermeister Christian Schweiger sah bei den Skeptikern die Angst vor Veränderung. Für ihn „gab es kein sachliches Argument, das gegen die Fusion sprach. Das wäre eine positive Entwicklung gewesen“. Für Schweiger hatte es sich „abgezeichnet, dass es für eine Fusion keine Mehrheit“ geben würde.

Bis zuletzt, hatte er aber wie der Landrat, einen Funken Hoffnung, dass es doch anders ausgeht. Alle Gremien (nur der Stadtrat Ingolstadt stand noch aus) hatten zugestimmt. Doch die Mehrheit der Kelheimer sagte Nein. So wird es nichts mit Bayerns fünftgrößter Sparkasse.

So stimmten Kelheims Stadträte ab

CSU: Johanna Frischeisen (Ja), Bernhard Fischer (Ja), Florian Flotzinger (Ja), Rupert Schlauderer (Ja), Thomas Müller (Nein), Bürgermeister Christian Schweiger (Ja).

SLU: Adriane Köglmeier-Pollmann (Nein)

FW: Ludwig Birkl, Dennis Diermeier, Thomas Häckl sen., Regina Hierl, Andreas Ober, Heribert Schwindl (alle Nein)

Grüne: Franz Aunkofer (Ja), Florian Laußer (Nein), Christiane Lettow-Berger (Ja), Christian Rank (Nein)

SPD: Claus Hackelsperger (Ja), Franziska Ipfelkofer (Nein), Maria Meixner (Nein), Stephan Schweiger (Nein), Walter Siller (Nein)

Kelheimer Mitte: Thomas Häckl jun. (Nein), Josef Pletl (Ja), Christian Prasch (Ja)

Die Kreissparkasse Kelheim bleibt: Dieter Scholz (li) und Erich R. Utz vor dem Logo der Kreissparkasse Foto: B. Weigert