Intensivtäter, ein toter Säugling und der Papst-Besuch: Der neue Chef der PI Süd im Interview

Von Philip Hell · 8. Oktober 2024 um 05:00

Er ist der neue Altstadt-Sheriff : Markus Fuchs leitet seit September die Polizeiinspektion Regensburg Süd. Er ist der Nachfolger von Gerhard Roider, der in den Ruhestand gegangen ist. Was hat Fuchs vor?

Herr Fuchs, haben Sie sich schon eingelebt?

Markus Fuchs: Auf jeden Fall. Es ist mir aber auch nicht schwer gemacht worden. Mein Vorteil ist natürlich, dass ich schon für viereinhalb Jahre stellvertretender Leiter der Dienststelle war. Das ist allerdings schon über sieben Jahre her. In der Zwischenzeit hat sich einiges getan. Sehr zum Positiven würde ich sagen.

Was denn zum Beispiel?

Fuchs: Die Dienststelle ist inzwischen vollständig renoviert. Es wurden damit die räumlichen und funktionalen Rahmenbedingungen geschaffen, die man bei einer hochbelasteten Dienststelle wie der PI Regensburg Süd auch braucht.

Was macht die PI Süd so besonders?

Fuchs: Regensburg ist der Ballungsraum in der Oberpfalz. Wir sind zuständig für die Altstadt, also das Zentrum. Es rührt sich hier immer was. Egal ob das nun Versammlungen sind, Fußballspiele oder die ganz alltäglichen polizeilichen Einsatzanlässe: Es gibt zahlreiche Situationen, die uns als Polizei betreffen – und fordern.

Wie sind sie an Ihre neue Aufgabe herangegangen?

Fuchs: Ich war die vergangenen zweieinhalb Jahre Leiter der Polizeiinspektion Weiden. Da waren meine Aufgaben im Grunde vergleichbar, wenn auch in einer geringeren Dimension. Ich bin viel mit Personalangelegenheiten beschäftigt. Aktuell bin ich noch dabei, die Kolleginnen und Kollegen meiner Dienststelle kennenzulernen. Ich sehe es auch als eine meiner Aufgaben, mich für Rahmenbedingungen einzusetzen, die es den Beschäftigten ermöglichen, hier möglichst gut arbeiten zu können. Einen weiteren Aspekt meiner Aufgaben stellen besondere Einsatzlagen dar, bei denen ich als Einsatzleiter agiere. Und wie für Leiter üblich, zählt auch die Repräsentation der Dienststelle nach außen zu meinem Aufgabengebiet.

Welche Schwerpunkte möchten Sie in Ihrer Arbeit legen?

Fuchs: Da ist natürlich der Bereich der Mehrfach- und Intensivstraftäter. Wir wissen, dass wir relativ wenige Tatverdächtige haben, die für einen hohen Anteil von Delikten verantwortlich sind. Wir haben spezielle Sachbearbeiter, die sich darum kümmern. So können wir Informationen bündeln und der Staatsanwaltschaft entsprechend aufgearbeitet zukommen lassen. Damit haben wir eine Wahrscheinlichkeit, dass dabei ein Haftbefehl herauskommt. Außerdem ist mir wichtig, dass wir als Polizei ansprechbar sind für die Bürger, dass wir uns Zeit nehmen für Gespräche. Der Normalbürger hat im Leben vielleicht ein- oder zweimal mit der Polizei Kontakt. Unsere Aufgabe ist es, diese Menschen so zu behandeln, wie wir selbst gern behandelt werden würden, wenn wir Hilfe brauchen.

Der Bahnhof war in den vergangenen Monaten ein Brennpunkt. Nun scheint sich das Milieu in die Maxstraße verlagert zu haben.

Fuchs: Regensburg ist eine Großstadt, mit einer gewissen Kriminalität müssen wir leben. Das Bahnhofsareal stellt tatsächlich einen kriminalgeografischen Brennpunkt dar. Es ist wichtig, dass wir uns weiterhin um das Bahnhofsumfeld kümmern. Durch die eingerichtete interdisziplinäre Arbeitsgruppe „Gemeinsam stark für Regensburg“ wurden hier bereits verschiedene Maßnahmen umgesetzt beziehungsweise initiiert. Hier sind neben einer verstärkten polizeilichen Präsenz beispielsweise die Ausweitung der Videoüberwachung auf die Bahnhofsgrünanlage West und ein Ausbau der Beleuchtung zu nennen. Die Situation in der Maxstraße, insbesondere in Bezug auf das Sicherheitsempfinden, ist uns selbstverständlich bekannt. Unsere Kolleginnen und Kollegen sind deshalb dort bereits vermehrt – auch zivil – auf Streife.

Kleiner Themenwechsel: Ihr Zwillingsbruder ist Leiter der Kriminalpolizei Regensburg. Macht das alles ein bisschen einfacher?

Fuchs: Ja, auf jeden Fall. Wobei schon anzumerken ist, dass es allen Dienststellenleitern wichtig ist, vernünftig zusammenzuarbeiten.

Warum wollten Sie damals eigentlich zur Polizei gehen?

Fuchs: Den Wunsch hatte ich schon in der 8. Klasse. Ich konnte mir nicht vorstellen, nur im Büro zu arbeiten. Und bei der Polizei spielt Sport eine wichtige Rolle, das war mir damals sehr wichtig. Dazu kommt, dass ich die Arbeit als sehr abwechslungsreich eingeschätzt habe, was im Nachhinein betrachtet auch der Fall ist.

Welche Erlebnisse haben Sie in Ihrer Karriere geprägt?

Fuchs: Da waren immer wieder schlimme Einsätze dabei. Ich erinnere mich da beispielsweise an einen Unfall, bei dem vier junge Menschen im Auto verbrannt sind. Oder eine Geschichte aus meiner Zeit in Ingolstadt: Ein junges Paar war auf der Durchreise, als ihr Säugling starb. Es bestand der Verdacht, dass das Kind vergiftet wurde, deshalb mussten wir den Säugling sicherstellen. Das war schlimm.

Gab es auch schöne Erlebnisse?

Fuchs: Sicherlich. Ich denke gern an den Papst-Besuch 2006 zurück. Damals habe ich den Einsatz mitgeplant. Ich weiß noch, wie Papst Benedikt in Pentling ausgestiegen ist und das Protokoll ein wenig verlassen hat. Er ist zu den Leuten und hat mit ihnen geredet. Wir mussten ganz schnell eine Polizeikette bilden. Es war für mich ein ganz besonderer Moment, bei dem ich Gänsehaut bekommen habe, als der Papst so nah an mir vorbeiging.

Kehren wir in die Gegenwart zurück. Wenn Sie drei Wünsche die Polizeiarbeit betreffend frei hätten, welche wären das?

Fuchs: Das wäre zum einen natürlich, dass jede Dienststelle so mit Personal ausgestattet wird, wie es für sie optimal ist.

Zwei Wünsche hätten Sie noch frei.

Fuchs: Ich würde mir zum einen wünschen, dass sich das Verhalten gegenüber der Polizei ändert. Kolleginnen und Kollegen werden angegriffen, bespuckt und beleidigt. Wenn es das nicht mehr gäbe, das wäre schön, denn als Dienststellenleiter wünsche ich mir vor allem, dass meine Kolleginnen und Kollegen immer unversehrt von den Einsätzen zurückkehren. Zum anderen würde ich mir wünschen, dass die Politik der Polizei weiterhin den Rücken stärkt – nicht zuletzt finanziell.