Brückstraße: Kran verschwindet Ende November aus dem Stadtbild von Regensburg

Die Sanierung des Wiedamann-Hauses in Regensburg geht voran. Ein Großteil der 16 Wohnungen in dem besonderen Denkmal im Weltkulterbe ist bereits verkauft. Bald erstrahlt das auf vier Gebäude verteilte Haus in neuem Glanz.
Bis Ende November sind sowohl der Kran als auch die Gerüste weg. Das sagt Wiedamann-Haus-Investor Karl Kotz über die Baumaßnahme in der Brückstraße, in der es deswegen seit gut einem Jahr zu Beeinträchtigungen kommt. Das traditionsreiche Gebäude wird dort aufwendig saniert – was bei umliegenden Läden seit Baustellen-Beginn allerdings zu Umsatzeinbußen führt.
Rund ein Jahrtausend Geschichte atmet innerhalb der historischen Mauern des Wiedamann-Hauses: Auf vier Gebäude verteilt ist das Haus in der Brückstraße ein besonderes Denkmal im Weltkulterbe. Die Grundfeste reichen bis in das 11. Jahrhundert zurück und in allen sechs Stockwerken werden Details aus den verschiedenen Zeitspannen offenbart.
„Wir wollen den Charakter des Gebäudes nicht verändern“, sagt Karl Kotz, der darüber informiert, mit den Sanierungsarbeiten ein gutes Stück vorangekommen zu sein. Dass in der Brückstraße und im Posthorngässchen bis August 16 Wohneinheiten bezugsfertig sein sollen, zeichnet sich allmählich ab. „Wir haben derzeit 20 Handwerker aus sechs verschiedenen Gewerken im Haus“, sagt Kotz bei einem Rundgang durch das Gebäude. Allerdings: Der große Baukran und das Gerüst in der Brückstraße lassen davon nur wenig erahnen.
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Die ältesten Spuren des Wiedamann-Hauses führen in den Keller. „Hier wurden Fundamente aus der Zeit von 1000 bis 1050 gefunden“, sagt Kotz über die Archäologen, die die Arbeiten begleiten. Die Fundamente stammten „vermutlich von einem anderen Bau“, der allerdings abgebrochen worden sei. Auch ein Eingangsbogen liegt im Keller frei. Er habe dem Vernehmen nach zu einem mittelalterlichen Verkaufsraum geführt.
Pufferspeicher im Keller
„Waren, die in die Stadt gebracht wurden, wurden an dieser Stelle veräußert“, erklärt Kotz. Wie hoch die Brückstraße in der damaligen Zeit war, kann noch nicht belegt werden. Der Verkauf im Keller sei aber üblich gewesen, sagt Bauforscher Roland Benke. Ein Pufferspeicher und sanitäre Anlagen geben Aufschluss über die künftige Verwendung des Kellers. Auch eine Pelletheizung soll dort ihren Platz bekommen. Die Fenster der früheren Zinnwerkstatt würden aufbereitet. „Neue Fenster kommen davor. Die alten werden ausgeglast und bleiben dem Gebäude erhalten“, erklärt Kotz.
Auch die alten Holzbalken sagen viel über die Geschichte des Hauses aus. Die älteste Holzbalkendecke datiert Benke zufolge auf das Jahr 1230. Er untersucht jeden Balken auf Alter und Wertigkeit. „Erst wenn die Freigabe vom Gutachter und dem Statiker erfolgt ist, können wir den Ausbau fortsetzen“, erklärt Kotz. Der eigentliche Aufbau mit Fliesen oder Parkett komme erst zum Abschluss.
Bohlenstube im ersten Stock
Eine weitere Besonderheit stellt die Bohlenstube im ersten Stock dar. Es handelt sich um jenen Raum, der im Mittelalter als einziger beheizt wurde. „Die Gebäude waren ja aus Stein und im Winter war es sehr kalt. So hat man die Wände mit Holzbalken versehen, damit die Wärme länger im Raum bleibt“, sagt Kotz. Die Stube stammt aus dem 13. Jahrhundert und ist eine der wenigen erhaltenen Bohlenstuben aus dieser Zeit. Ein Teil davon soll nach abgeschlossener Sanierung sichtbar bleiben. Aus allen Epochen finden sich im Haus Elemente der Wand- und Deckengestaltung wieder: Diese reichen von Stuckdecken bis hin zu Bemalungen von Holzbalken und Wandflächen, teilweise auch mit floralen Elementen. Einer der persönlichen Favoriten von Kotz ist die Wendeltreppe aus Gussmetall, die auf die Spätphase des 19. Jahrhunderts datiert ist. Sie führt im Gebäudeteil Posthorngässchen vom zweiten in das vierte Obergeschoss. Hier sei nur „kosmetischer Eingriff“ vonnöten, sagt Benke.
Der Name Wiedamann-Haus geht auf den Zinngießer Eugen Wiedamann zurück. Er erwarb den Gebäudekomplex mit Patrizierturm im Jahr 1880. Die Familie lebte bis 2020 darin, ehe Karl Kotz das Ensemble kaufte. Die denkmalgeschützten Details zu erhalten und das Haus „fit“ für modernes Wohnen zu machen, ist seine Aufgabe. Diese liebt er aber: „Jedes Haus erzählt seine eigene Geschichte. Das ist das Schöne an der Arbeit mit historischen Bauwerken“, sagt Kotz.
Arbeiten liegen im Zeitplan
Mit der Sanierung sei er im Zeitplan. Aufgrund der engen Gassen beidseitig der Baustelle ist der Platz für die Arbeiter begrenzt. So gut wie fertig seien die Dächer. Stimmt das Wetter, dann könne in der kommenden Woche der Außenanstrich vorgenommen werden. Von den 16 Wohnungen, die entstehen sollen, sei ein „Großteil verkauft“.


