In 30 Minuten von Sinzing bis zur Siemenstraße: Regensburgs erste Radlroute im Check

Von Heike Haala · 27. September 2024 um 15:26

172 Kilometer soll das Hauptradroutennetz einmal lang sein. Jetzt ist die erste von 18 Teilstrecken fertig. Zwei passionierte Radfahrerinnen haben die zehn Kilometer zwischen Sinzing und der Siemensstraße in Regensburg getestet. Sie heben die Daumen für Radlroute 5.

Die verläuft von der Siemensstraße im Stadtosten aus in Richtung Westen. Es geht durch das Hohe Kreuz und das Candis-Viertel, über den Hauptbahnhof, durch das Dörnberg-Viertel, vorbei am Bahnhof Prüfening und über die Donaubrücke in den Landkreis nach Sinzing. Den Weg zeigen Pfeile auf roten Piktogrammen mit einem weißen Rad, die seit einigen Wochen auf Radwegen, Fahrradstraßen oder Tempo-30-Zonen entlang der Route zu finden sind.

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Lisa Eisner testet sie im Alltagsoutfit mit einem 18 Jahre alten Mountain-Bike, Lena Greiner in Montur mit dem Rennrad. Sie kennen sich aus mit Radwegen, denn sie haben in diesem Sommer die Fahrradgruppe „Velo Vibes“ aus der Taufe gehoben. In Spitzenzeiten nehmen schon einmal 80 Biker an den Ausfahrten von bis zu 35 Kilometern am Mittwochabend teil.

Nach einer halben Stunde Fahrtzeit liegen die zehn Kilometer hinter ihnen. Am Ziel in Sinzing nach ihrem Eindruck befragt, sagt Eisner: „Sehr positiv.“ Sie lobt die breiten Wege und bezeichnet die Strecke als perfekten Arbeitsweg. Greiner freut, dass sie den Weg aus der Stadt auf der Route schnell hinter sich hatte. „Das ist ein guter Start für eine Ausfahrt“, erklärt die Frau mit dem Rennrad.

Vorbei am Stau

Schon ein paar Fahrminuten nach dem Start in der Siemensstraße, auf der Höhe des Ostheims, fällt beiden auf, dass die Route verkehrsumtoste Hauptachsen meidet. „Deswegen ist es leise. Es gibt keine Ampeln. Das spart Zeit und Nerven“, sagt Greiner. „Man kann andere Radfahrer auch gut überholen“, ergänzt Eisner. Auf der Brücke über der Landshuter Straße sehen die beiden deutlich, wie viel Zeit sie einsparen: An den vielen Ampeln stehen schon vor der Rush-Hour Schlangen von Autos.

Entlang des Abschnitts im Candis-Viertel freuen sie sich über das viele Grün links und rechts der Strecke. Greiner deutet auf eines von mehreren Lokalen an der Route: „Da kann man sich unterwegs ja gut auch noch etwas mitnehmen“, sagt sie – wie auch über die Supermärkte, an denen sie vorbeikommt.

Als die beiden den Bereich vor dem Bahnhof queren, deutet Greiner mit der Schuhspitze warnend auf den Boden: Plattengefahr! Glasscherben liegen auf dem Weg. „Aber das ist ja auch der Bahnhof, das ist Jammern auf hohem Niveau“, erklärt Greiner. Beiden fallen während der Tour mehrere Fahrradläden an der Route auf, in denen bei einer Panne für Abhilfe gesorgt werden könnte. Dass der Hauptbahnhof und der Bahnhof in Prüfening auf der Strecke liegen sowie der in Sinzing nicht weit davon entfernt ist, bezeichnen die beiden als Pluspunkt für Pendler.

„Das ist ja eine richtige Spielplatz-Autobahn“, sagt Greiner über den Abschnitt durch das Dörnberg-Viertel. Gemalte Tierspuren auf dem Radweg, der an dieser Stelle zwischen den Neubauten und den Spielplätzen verläuft, machen den Radlern deutlich, dass hier jederzeit Kinder auftauchen können. Ansonsten geht es auch jetzt flach und ohne scharfe Kurven weiter.

Dann wird es ungemütlicher: Wegen einer Baustelle in der Kirchmeierstraße müssen die beiden die Straßenseite wechseln und an einigen Ampeln halten. Weil sie sich auf diesem Abschnitt den Platz mit den Radfahrern in der Gegenrichtung und den Fußgängern teilen, wird es enger – und wegen des Verkehrslärms auch lauter.

Wie geht es weiter?

Zuletzt loben die beiden die gute Sichtbarkeit der Piktogramme: Lediglich an der Stelle hinter dem Dörnberg-Viertel suchen sie nach der Beschilderung. Anderen Radlern schlagen die beiden vor, so viel Strecke wie möglich auf der Route zu machen und erst kurz vor dem Ziel abzufahren.

Wie also sieht es bei so viel guter Fahrt mit den anderen 17 Routen und den verbleibenden Kilometern des Netzes aus, die die Stadt noch bauen will? „Die nächste Hauptradroute, die fertig sein wird, ist die ‚Radlroute 12‘, die von der Stadtgrenze zu Obertraubling über die Edisonbrücke, die Max-Plank-Straße, den Odessa-Ring und die Pilsen-Allee nach Oedenthal führt“, sagt Verena Danner von der städtischen Pressestelle. Sie soll in der ersten Jahreshälfte 2025 fertig sein.

„In den letzten Jahren konnten bereits an vielen Stellen im Stadtgebiet Radwegelücken geschlossen werden, daran arbeiten wir natürlich auch weiterhin“, verspricht Planungs- und Baureferent Florian Plajer. Die Reihenfolge, in der die weiteren Hauptradrouten fertig werden, sei aber von verschiedenen, größeren Maßnahmen im Stadtgebiet abhängig. Als Beispiele nennt er die notwendigen Neubauten des Grieser Stegs, des Safferlinger Stegs und der Frankenbrücke. Als nächstes sind ein geschützter Radfahrstreifens in der Fritz-Fend-Straße, eine Querung der Hermann-Geib-Straße bei der Burgunderstraße, ein Maßnahmenpaket in der Kumpfmühler Straße sowie Lückenschlüsse am Platz der Einheit und in der Wernerwerkstraße geplant.

Wie nötig das ist, verdeutlicht Frauke Tresselt, die seit kurzem den Fahrradladen Radonerd an der Radlroute betreibt. Sie kommt auf den Dauerkonflikt zwischen Radlern, Autofahrern und Fußgängern zu sprechen. Für Tresselt braucht es deswegen aber nicht nur Fahrradwege, sondern auch Verständnis füreinander sowie Zugeständnisse und Rücksicht auf allen Seiten.

Scherben am Bahnhof