Rad-Imperium Stadler investiert kräftig: „Regensburg ist unser Flaggschiff“

Von Christian Eckl · 27. September 2024 um 05:00

Zweirad Stadler investiert in den Standort Regensburg und hat seinen neuen Flaggship-Store eröffnet. Im Exklusiv-Interview spricht Unternehmerin Bärbel Stadler über das Fahrrad-Imperium und das Erbe ihres Vaters.

Frau Stadler, Ihr neues Gebäude setzt Maßstäbe. Wieso hat sich Ihr Unternehmen dazu entschieden, neu zu bauen?

Bärbel Stadler: Wir wollen hier neue Maßstäbe setzen und eine Welt der Räder schaffen. Dabei war besonders wichtig, dem Kunden unterschiedliche Themenwelten zu präsentieren, die nicht nur die einzelnen Produktsegmente zeigen. Er soll sich auch wohlfühlen. Wir haben Kompetenzbereiche für E-Bikes sowie Fahrräder und decken hier jeden Einsatzzweck ab – City, Trekking und Jugendfahrräder, natürlich aber auch die professionelle Welt der Downhill- und Rennräder. Auch Trends wie das Gravelbike sind präsent. Der Kunde ist gern im Internet unterwegs, aber unser Produkt muss man anfassen und erleben.

Der Raum wirkt nicht wie eine riesige Halle, sondern tatsächlich geht man von Insel zu Insel...

Stadler: Wir wollten die Idee meines Vaters fortführen, der zusammen mit meiner Mutter in den USA war und dort von den großen Malls und Shops die Idee einer permanenten Fahrradmesse mitgebracht hat. Unser Konzept ist, immer alle Rahmengrößen und -formen bereitzuhalten, man muss sich auf jedes Rad setzen können und ausprobieren – und das wollen wir auf innovative Weise fortsetzen.

Wird das neue Gebäude weitere Funktionen haben?

Stadler: Ja. Wir eröffnen im Erdgeschoss jetzt im ersten Step den Einzelhandel, doch wir wollen die bisher in unterschiedlichen Bereichen untergebrachten zentralen bzw. administrativen Geschäftsbereiche in den oberen Stockwerken bündeln. Wir betreiben 22 Filialen in Deutschland und Österreich und sind einer der größten Zweiradhändler Deutschlands, aber hier in Regensburg ist unser Flagschiff. Es gibt größere Standorte, beispielsweise in Berlin Prenzlauer Berg, aber wir haben die Erkenntnisse über das ideale Einkaufserlebnis zusammengetragen und hier in Regensburg verwirklicht.

Wie wichtig ist es, dass Stadler ein Familienbetrieb ist?

Stadler: Immens wichtig. Mein Mann Peter und auch mein Sohn Vincent arbeiten im Unternehmen. Meine Tochter Valentina studiert derzeit noch BWL, aber auch bei ihr hoffe ich, dass sie ins Unternehmen eintritt. Meine Schwester Caroline Elleke treibt für das Unternehmen die Standortexpansion voran. Und nicht zu vergessen meine Mutter Christa, die meinem Vater immer den Rücken freigehalten hat. Wir sind stolz darauf, dass bereits die vierte Generation im Unternehmen angekommen ist.

Kaum eine Branche ist in den letzten Jahren so gewachsen wie Ihre. Der E-Bike Boom hält weiter an. Glauben Sie, dass das irgendwann an ein Ende kommt?

Stadler: Sämtliche Studien sagen, dass der Trend anhält. Wer einmal ein E-Bike gefahren ist, möchte es nicht mehr missen. Ich bin der Überzeugung, dass gerade in der Stadt das Rad als Fortbewegungsmittel enorm an Bedeutung gewinnen wird. Mit meinem E-Bike fahre ich auch mal größere Strecken oder zu einem beruflichen Termin völlig entspannt – die frische Luft tut einfach gut und bei der Parkplatzsuche habe ich nie Probleme. In den Großstädten sehen wir, dass Kompakträder in der S- und U-Bahn mitgenommen werden. Das Rad ist ein wichtiger Bestandteil der Verkehrswende.

Normalerweise ist bei Interviews mit Unternehmerpersönlichkeiten spätestens jetzt der Punkt erreicht, an dem über die schlimmen Rahmenbedingungen gejammert wird.

Stadler: Also zunächst einmal muss ich sagen, dass uns die Regensburger Stadtverwaltung gut betreut hat bei dem Bau. Natürlich, es hat Jahre gedauert, aber nicht weil jemand gebremst hat, sondern weil eine Vielzahl von Vorschriften einzuhalten sind. Dass wir beispielsweise genauso viele Parkplätze vorhalten müssen wie ein Supermarkt, das kann man schon in Frage stellen. Aber es ist nun mal so. Wir sind an allererster Stelle ein Regensburger Unternehmen und ich liebe es, in dieser tollen Stadt zu leben.

Fehlt ihr Vater?

Stadler: Natürlich. Jeden Tag. Mein Vater war immer eine Instanz. Er hat seine Arbeit gelebt. Er war immer präsent im Ladengeschäft und es kommen immer wieder Regensburger zu uns, denen er noch das Kinderfahrrad verkauft hat.

Wird es einen Ort der Erinnerungen geben?

Stadler: Ja. Am Eingang wird es eine Wand geben, wir nennen sie „Heritage-Wall“, also unser Erbe, auf der von der Firmengründung über die Station in der Schäffnerstraße bis hierher die Geschichte dargestellt wird. Da wird mein mein Vater in einem großen Porträt zu sehen sein. Er wird quasi jeden Tag hier präsent sein.