Regensburger Unternehmer Stadler baute Imperium auf – Arzt: „Er starb in seiner Sportkleidung“

Von Christian Eckl · 9. April 2024 um 13:07

Der Unternehmer Helmut Stadler baute ein Imperium auf, betrieb deutschlandweit 21 Filialen sowie eine in Österreich – jetzt ist Helmut Stadler völlig überraschend mit 82 Jahren gestorben. „Er starb in seiner Sportkleidung“, erzählt ein Freund und Arzt.

Riesige Betroffenheit, nicht nur im Unternehmen: Der Regensburger Vordenker, Macher und Visionär Helmut Stadler ist am Dienstag völlig überraschend verstorben. „Er trug noch seine Sportkleidung“, sagte Wolfgang Wieland, enger Freund und Mediziner, zur Mediengruppe Bayern. Der Urologe weiter: „Er erlebte das, was man einen glücklichen Tod nennen könnte: Er starb sofort an Herzversagen.“ Stadler wurde 82 Jahre alt.

Wieland war selbst im Haus des Verstorbenen

Wieland war am Todestag selbst im Haus des Unternehmers. „Helmut war ein Sportbegeisterter“, erzählt Wieland, zu dessen Patienten auch der heuer verstorbene Franz Beckenbauer zählte. „Er war einer, der auch das Risiko einging, weil er einen großen Spaß an der Bewegung hatte.“ Der Mediziner erzählt, wie sein Freund Stadler in den Dolomiten mit atemberaubender Geschwindigkeit das Rennrad in die Kurven lenkte. „Er war ein Mensch, der das Endorphin in den Adern spürte“, sagt Wieland über den Verstorbenen.

„Unternehmer vom alten Schlag“

Doch er war auch ein „Unternehmer vom alten Schlag“, so Wieland. Und als Unternehmer galt Stadler auch weit über Regensburg hinaus als eine Legende der Branche. Denn er war in seinem Team in Regensburg auch der beste Verkäufer. Durchaus möglich, dass man in der Kirchmeierstraße selbst vom Chef bedient wurde.

Die einheitliche Kleidung der Verkäufer und Mitarbeiter in der Reparatur, die schwarze Weste mit dem gelben Stadler-Schriftzug, die trug auch der Chef. „Er sagte dann gerne mal: Da schaut`s her, Leute, so macht man das“, erzählt Wieland, der merklich bewegt ist über den Tod des guten Freundes, aber auch großen Respekt vor dessen Lebensleistung hat.

„Kürzlich noch 800 Höhenmeter Rad gefahren“

Auch Professor Rainer Wirsching, Regensburger Chirurg und früherer Chefarzt des Josefskrankenhauses, zeigte sich tief betroffen vom Tod seines Weggefährten. „Ich bin mindestens 25 Mal mit ihm den Arber Radmarathon gefahren“, so der Mediziner. „Es ist so furchtbar, einfach schrecklich.“ Für Menschen, die auf diese plötzliche Weise einen geliebten Angehörigen verlieren, ist dieser Tod eine Last. Denn der Mensch, der gerade noch mitten im Leben stand, ist aus dem Leben herausgerissen worden. Wirsching würdigte Stadler als „herausragenden Unternehmer, der aus kleinen Verhältnissen kam, ein beeindruckendes Unternehmen aufgebaut hat – und ist dabei stets bescheiden geblieben.“ Wirsching sei mit ihm noch vor wenigen Wochen 800 Höhenmeter mit dem Rad gefahren.

Radsportverband-Präsidentin: „Er liebte und lebte das Radfahren“

Dass Stadler das Radfahren liebte und lebte, das bestätigt auch Barbara Wilfurth, ehemalige Präsidentin des Bayerischen Radsportverbandes und Vorsitzende des Veloclub Ratisbona. „Letztes Jahr habe ich meinen letzten Arber-Radmarathon organisiert, da habe ich ihm gesagt, Helmut, da musst du mit dabei sein.“ Wilfurth konnte nicht ahnen, dass es Stadlers letzter Radmarathon sein würde. Er war mit seinem Team natürlich wieder mit dabei – „für uns war er ein Glücksfall“, sagt Wilfurth. „Denn er hatte immer ein offenes Ohr für uns.“

Stadler verwirklichte seine Vision in Regensburg-Königswiesen

1981 eröffnete Stadler das Zweiradcenter in der Kirchmeierstraße. Er trat in die Fußstapfen seines Vaters, der schon 1936 ein Fahrradgeschäft in der Regensburger Altstadt betrieb. Doch der junge Helmut wollte die Visionen eines modernen Verkaufs verwirklichen: Eine „permanente Fahrradausstellung“ sollte es werden, eine Art Spaziermeile für Fahrradkauf-Interessierte, die sich schon genau ansehen wollten, in welches Rad sie investierten. Doch Stadler wollte mehr: Er wurde aktiv im Bundesverband, konnte dadurch auch größer denken und vor allem günstig einkaufen. Im Jahr 2021 arbeiteten bundesweit 1200 Mitarbeiter in 21 deutschen Filialen, auch eine Filiale in Österreich zählt heute zum Konzern. Jeder Stadler ist dabei aber als eigene GmbH organisiert – so, als wäre Helmut Stadler in gewisser Weise einfach Chef eines lokalen Fahrradhändlers geblieben, der er im Herzen immer war.