„Hoffe, bleiben zu dürfen“: Kaplan Michael Steinhilber (27) spricht über die ersten Wochen in Bad Kötzting

Kaplan Michael Steinhilber ist neben Pastoralreferentin Nadine Brunner der Neue in der Pfarrei Mariä Himmelfahrt in Bad Kötzting. Im Interview spricht der aus der Gemeinde Moosbach im Landkreis Neustadt an der Waldnaab stammende 27-Jährige über seine Ankunft in der Pfingstrittstadt, seine Rolle als junger Geistlicher in Zeiten, in denen sich zu wenige junge Männer zum Priester weihen lassen, und worauf er sich während seiner Zeit in Bad Kötzting am meisten freut.
Herr Steinhilber, Sie sind nun seit gut einem Monat Kaplan in Bad Kötzting. Wie haben Sie die ersten Wochen in der Pfarrei Mariä Himmelfahrt erlebt?
Kaplan Michael Steinhilber: Als sehr angenehm. Ich bin froh, dass ich hier sein darf. In der Pfarrei bin ich von allen gut aufgenommen worden.
Was hat Sie am meisten überrascht, seit Sie in Bad Kötzting tätig sind? Gibt es Besonderheiten der Pfarrei oder der Gemeinde, die Ihnen besonders aufgefallen sind?
Kaplan Steinhilber: Ich war zuvor im Rahmen meiner Ausbildung dreieinhalb Jahre in Kelheim eingesetzt. Die Mentalität hier im Bayerischen Wald ist natürlich eine andere – dennoch ist sie der in meiner Heimat, dem Oberpfälzer Wald, deutlich näher.
Freude am Glauben
Mit Ihrem Primizspruch „Die Freude an Gott ist eure Stärke“ haben Sie ein starkes biblisches Zitat gewählt. Wie prägt dieser Spruch Ihre tägliche Arbeit als Kaplan?
Kaplan Steinhilber: Ich versuche diese Freude am Glauben den Menschen zu vermitteln und ihnen gleichzeitig zu verdeutlichen, dass wir mit dieser Freude leben dürfen. Ich persönliche befinde mich ja noch am Anfang meines Berufslebens. Da erlebe ich besonders diesen Zauber des Anfangs, der mir bei dieser Freude entgegenkommt.
Ich versuche bei meiner Tätigkeit als Lehrkraft an der Grund- und an der Mittelschule in Bad Kötzting diese Freude auch den Kindern zu vermitteln. Ich denke, dass dabei der persönliche Kontakt zu den Schülern eine große Rolle spielt, vor allem wenn die Schüler merken, dass der da vorne selbst vollkommen hinter dem steht, was er lehrt. Bereits in Kelheim habe ich an der dortigen Grundschule im Rahmen meiner Ausbildung unterrichtet. Für mich persönlich ist es natürlich eine Herausforderung vor einer Klasse zu stehen. Lehrer zu werden, war immerhin nie mein vorrangiges Ziel, gehört aber dennoch zu meinen Aufgaben.
Sie kommen aus der Gemeinde Moosbach im Landkreis Neustadt an der Waldnaab. Was haben Sie aus Ihrer Heimatpfarrei St. Georg Etzgersrieth mit nach Bad Kötzting genommen?
Kaplan Steinhilber: Was ich auf jeden Fall mit hierher genommen habe, ist mein Oberpfälzer Dialekt (lacht). Als Ministrant, Oberministrant und Lektor habe ich ja bereits seit meiner Erstkommunion die gängigen Stationen des kirchlichen Lebens durchlaufen. Der Wunsch, Priester zu werden, kam nicht von heute auf morgen, sondern hat sich im Laufe dieser Zeit entwickelt und gefestigt. Dementsprechend klar war mir hingegen nach dem Abitur im Jahr 2015, dass ich Theologie studieren möchte.
Negative Rückmeldungen von Gleichaltrigen auf meinen Wunsch, Priester zu werden, habe ich kaum erlebt. Auch meine Eltern haben diesen Wunsch akzeptiert und mich dabei unterstützt.
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Welche Schwerpunkte möchten Sie in Ihrer Tätigkeit als Kaplan in Bad Kötzting setzen? Gibt es besondere Anliegen oder Projekte, die Ihnen am Herzen liegen?
Kaplan Steinhilber: Mir ist auf jeden Fall eine gute Zusammenarbeit im Team wichtig. Stadtpfarrer Thomas Winderl ist ja selbst erst seit drei Jahren hier in Bad Kötzting und auch die Pastoralassistentin Nadine Brunner ist ganz neu hier. Wir bilden also ein junges dynamisches Team.
Ansonsten liegen mir, schon meines Alters wegen, die Ministranten- und Jugendarbeit sehr am Herzen. Immerhin bin ich ja selbst in der Ministrantenarbeit groß geworden.
Sie wurden gemeinsam mit zwei weiteren Diakonen zum Priester geweiht. Haben Sie noch Kontakt zu Ihren Mitgeweihten? Und wie wichtig ist Ihnen der Austausch mit anderen jungen Priestern?
Kaplan Steinhilber: Zu meinen Mitgeweihten habe ich durchaus noch Kontakt. Mit Matthias Merkl, der ebenfalls Neupriester ist, bin ich zum Beispiel befreundet. Wir stammen aus demselben Landkreis und haben auch gemeinsam studiert. Wir sehen uns auch jetzt noch bei Fortbildungen oder im Rahmen unserer Ausbildung regelmäßig.
Ich denke, dass besonders der Austausch junger Priester untereinander wichtig ist, weil wir alle am Anfang unserer beruflichen Laufbahn stehen und dementsprechend ähnliche Herausforderungen zu bewältigen haben. Man tauscht sich aus, gibt sich gegenseitig Ratschläge und stärkt sich. Ebenso setze ich aber natürlich auch auf die Erfahrung älterer Priester.
Die Zahl der Priesterweihen ist in den letzten Jahren zurückgegangen, wie auch Stadtpfarrer Winderl bereits erwähnte. Wie nehmen Sie das als junger Priester wahr, und wie sehen Sie Ihre Rolle in der Zukunft der Kirche?
Kaplan Steinhilber: Natürlich sieht man, dass nicht mehr so viele geweiht werden, wie noch vor einigen Jahren. Auch die Gläubigen werden immer weniger. Aber man sitzt deswegen nicht jeden Tag da und versinkt deswegen in Sorgen. Ich persönlich richte meinen Blick nach vorne und versuche täglich mein Bestes zu geben.
Ankunft durch Gottesdienste
Gab es in den vergangenen Wochen ein Ereignis in der Pfarrei, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?
Kaplan Steinhilber: Als besonders habe ich die jeweiligen Einführungsgottesdienste hier in der Pfarrei erlebt – ob in Bad Kötzting, Wettzell, Steinbühl oder Weißenregen. Ich hatte das Gefühl, dadurch erst so richtig hier anzukommen.
Wie gestalten Sie Ihren persönlichen Glauben im Alltag, und welche Rolle spielt das Gebet in Ihrem priesterlichen Leben?
Kaplan Steinhilber: Für mich als Priester spielt das Stundengebet eine wichtige Rolle. Das heißt, dass ich bestimmte Gebetszeiten, etwa früh, mittags und abends, einhalten muss. Ein weiterer wichtiger Punkt sind dann natürlich die jeweiligen Messfeiern.
Worauf freuen Sie sich besonders in der Zukunft hier in Bad Kötzting?
Kaplan Steinhilber: Ich hoffe zunächst, dass ich lange hierbleiben darf. Dennoch bin ich nach gut vier Wochen immer noch am Ankommen. Ich muss mich Stück für Stück in meine neue Rolle einfinden. Das braucht seine Zeit.
Zur Person Michael Steinhilber
Herkunft: Der neue Kaplan für Bad Kötzting stammt aus Uchamühle in der Gemeinde Moosbach im Landkreis Neustadt an der Waldnaab. Seine Eltern betreiben eine Bioland-Gemüsegärtnerei mit Mutterkuhhaltung und Naturkosthandel. Heimatpfarrei ist die Expositur St. Georg Etzgersrieth. Hier fand auch sein Primizgottesdienst statt.
Ausbildung: Nach dem Abitur am Ortenburg-Gymnasium Oberviechtach im Jahr 2015 und einem freiwilligen sozialen Jahr im Kloster Ensdorf bei Amberg folgte ein Theologiestudium in Regensburg. Währenddessen trat er auch ins Priesterseminar ein.