Stabübergabe im pastoralen Dienst in der Pfarrei Bad Kötzting steht bevor

„Darfst du denn dann noch heiraten?“ So lautete die häufigste Frage an Nadine Brunner, als sie in ihrem Umfeld bekannt machte, sie wolle Theologie studieren. Das war 2018. Heute ist die 25-Jährige (noch) nicht verheiratet – obwohl sie es natürlich dürfte –, hat aber momentan auch ganz andere Dinge im Kopf: Ab 1. September beginnt sie in der Pfarrei Mariä Himmelfahrt ihre zweijährige Assistenzzeit im Zuge der Ausbildung zur Pastoralreferentin.
Die verwunderten Reaktionen auf ihren Wunsch, Theologie zu studieren, kann sich Nadine Brunner durchaus erklären. Sie stammt aus Arnetsried (Gemeinde Teisnach/Landkreis Regen), der Ort gehört zur Pfarrgemeinde St. Peter und Paul March. „Das ist eine kleine Pfarreiengemeinschaft, damals noch ohne Pastoralreferent.“ Folglich sei auch niemand mit diesem Berufsbild vertraut gewesen.
Nadine Brunner besuchte in Regen die Realschule und anschließend die Fachoberschule. Sie war Ministrantin, später Oberministrantin und Lektorin und fühlte sich in der Kirche immer beheimatet. Vor allem an die Gemeinschaft, die sie dort erlebte, erinnert sie sich gerne. Dass sie einmal studieren will, war Nadine Brunner klar. Mit der Zeit habe sich dann der Wunsch entwickelt, Theologie zu studieren. Nach dem Abitur begann sie denn auch ein solches Studium in Regensburg.
Drei Sprachen gelernt
Fünf Jahre lang studierte sie Theologie zusammen mit den Priesteramtskandidaten – „die Studieninhalte sind identisch“ –, zum Teil saßen auch Lehramts-Studenten in den Vorlesungen. Neben der biblischen, historischen, systematischen und praktischen Theologie musste Nadine Brunner Latein und Alt-Griechisch lernen sowie Hebräisch in Grundkenntnissen. Dass sie „zielstrebig und geradlinig“ sei, habe ihr mit Sicherheit dabei geholfen, das Studium innerhalb der Regelstudienzeit zu schaffen.
Brunner schloss das Theologiestudium mit dem Magister ab. Das ist übrigens der Unterschied zwischen Gemeinde- und Pastoralreferent: Ein Gemeindereferent hat eine religionspädagogische Ausbildung absolviert (Bachelor-Abschluss), ein Pastoralreferent ein theologisches Hochschulstudium (Magister-Abschluss). Es folgte das sogenannte Vorbereitungsjahr, in dem sich die 25-Jährige gerade noch befindet und das sie in der Pfarrei St. Martin in Deggendorf leistet – übrigens dieselbe Pfarrei, in der Bad Kötztings ehemaliger Kaplan Matthias Meckel derzeit eingesetzt ist. In Deggendorf unterrichtet sie Religion an der Förderschule sowie den Inklusionsklassen der Grundschule, bereitet die Kinder- und Jugendgottesdienste mit vor und betreut die Ministranten.
Ähnliche Schwerpunkte werde es auch in der Pfarrei Mariä Himmelfahrt geben, sagt sie. Hier wird sie ihre zweijährige sogenannte Assistenzzeit absolvieren, die mit der zweiten und letzten Dienstprüfung endet. „Wenn alles passt, darf ich danach auch bleiben.“
Oben auf der Wunschliste
Bad Kötzting als Einsatzort stand ganz oben auf der Wunschliste von Nadine Brunner, schon allein der Nähe zu ihrem Heimatort wegen. Nach den ersten Treffen mit Pfarrer Thomas Winderl und den zukünftigen Kollegen an der Mittelschule – Brunner wird dort acht Stunden Religionsunterricht halten – freut sie sich jetzt noch mehr auf die neue Stelle: „Ich wurde so herzlich aufgenommen, alle sind so nett, alle Gespräche waren so angenehm.“ In der Pfarrei wird Nadine Brunner dieselben Aufgaben inne haben wie bislang Petra Adam (siehe auch Infokasten): Kommunion- und Firmvorbereitung, Schul- und Familiengottesdienste, Kinderkirche und Ministranten.
Wohnen wird Brunner zu Hause in Arnetsried, ihre Wohnung dort ist gerade fertig renoviert. Es sei gut, eine räumliche Distanz zwischen Beruflichem und Privatem zu haben, „und die Strecke ist ja auch nicht weit“.
Dass kein Tag wie der andere ist, das schätzt Nadine Brunner an dem Beruf des Pastoralreferenten. Man habe mit allen Generationen zu tun, sei nah an den Menschen und deren Leben, „so nahe wie in fast keinem anderen Beruf“. Am 1. September wird Nadine Brunners offizieller Arbeitsbeginn sein – dann schon als 26-Jährige. Einen Tag vorher hat sie nämlich Geburtstag.
Petra Adam geht
Drei Jahre in Bad Kötzting: Einen alternativen Weg zum Beruf der Pastoralreferentin hat Petra Adam gewählt. Im Januar 2021 begann die Chamerin – damals noch mit dem Nachnamen Eichenseher – ein berufsbegleitendes Fernstudium der Theologie an der Domschule Würzburg. Um neben dem wissenschaftlichen Schwerpunkt des Studiums das Alltagsleben und das Gemeinschaftsgefühl in einer Pfarrei kennenzulernen, begann sie zusätzlich im September 2021 ein freiwilliges Praktikum in der Pfarrei Bad Kötzting.
Zeit in Bad Kötzting: Während der vergangenen drei Jahre absolvierte Petra Adam die Grund- und Aufbauprüfung des Theologiestudiums und bekam als Praktikantin einen Einblick in alle Bereiche einer Pfarrei: von Schule bis Krankenhaus, von Kommunion und Firmung über Taufe, Hochzeit bis zum Sterbesakrament. Im dritten Jahr konnte sie parallel die praktische Prüfung des pastoraltheologischen Kurses erfolgreich abschließen.
Zukunft: Ab September folgen weitere drei Jahre Studium mit einem religionspädagogischen Jahr (Schwerpunkt Schule) sowie der Assistenzzeit in einer neuen Pfarrei. Über ihre Zeit in Bad Kötzting sagt sie, sie sei dankbar für die Offenheit und die Gemeinschaft: „Es war unbandig. Mein Rucksack ist vollgepackt mit guten Worten und Eindrücken.“ Sie freue sich auf eine „bleibende Verbundenheit“. Dem Kirchenchor wird sie erhalten bleiben.