Mit Machete auf Nachbarn losgegangen: Prozess nach dramatischen Szenen in Treppenhaus

Von Oliver Hausladen · 29. Juli 2024 um 15:00

Komplett eskaliert ist ein Nachbarschaftsstreit am 3. Dezember vergangenen Jahres in einem Mehrfamilienhaus in Roding: Mit Machete und Baseballschläger soll ein Paar auf einen 68-Jährigen losgegangen sein, in der Absicht, ihn zu töten.

Nur durch glückliche Umstände seien keine größeren Verletzungen entstanden, heißt es in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Regensburg gegen das Ehepaar, das sich derzeit unter anderem wegen versuchtem Totschlags vor dem Landgericht verantworten muss.

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Feindschaft bestand schon lange

Die Feindschaft zwischen den Familien bestehe schon seit langer Zeit, so die Anklageschrift, in der Vergangenheit habe es schon häufig Streitigkeiten und gegenseitige Anzeigen gegeben. Am Tattag habe der Angeschuldigte dem späteren Opfer, Vater der Nachbarin, gedroht, dass er „alle umbringen werde“.

Hintergrund war mutmaßlich, dass die Familie den Angeklagten bei der Polizei wegen eines behaupteten Vergehens des Fahrens ohne Fahrerlaubnis angezeigt hatte.

Dabei hätte die Eskalation fast nicht stattgefunden, denn die Nachbarin war dabei, aufgrund der ständigen Streitigkeiten die Wohnung gegenüber der beiden Angeklagten zu räumen. Am Abend des Tattags kamen das Opfer, seine Frau, der Sohn und die Tochter in das Mehrfamilienhaus, um letzte Sachen dort abzuholen. Zuerst hielten sie sich im Keller auf, um dann gegen 18 Uhr nach oben zur Wohnung zu gehen.

35 Zentimeter lange Klinge

Als die Wohnungstür aufgesperrt wurde, ging ebenso die Tür der verfeindeten Familie auf. Der Beschuldigte lief laut Anklageschrift mit einer Outdoor-Machete mit einer Klingenlänge von etwa 35 Zentimetern auf den Geschädigten zu, rief mehrmals, dass er ihn umbringen werde und schlug aus einer Entfernung von ungefähr einem halben Meter von oben herab mit der Machete in Richtung des Kopfes seines Gegner.

Dieser konnte seinen linken Arm zum Schutz über den Kopf bringen und wurde so von der Machete am vierten und fünften Finger der linken Hand getroffen.

Die stark blutenden Schnittverletzungen mussten im Chamer Krankenhaus genäht werden. „Die Tatsache, dass keine schwereren Verletzungen erfolgten, war nur einem glücklichem Umstand geschuldet“, heißt es in der Anklageschrift. Der Beschuldigte habe in der Absicht gehandelt, seinen Kontrahenten zu töten.

Dramatische Szenen

Die dramatischen Szenen im Treppenhaus waren damit aber noch nicht vorbei. Die Frau des Angreifers stand mit einem Baseballschläger in der Hand neben ihrem Mann und forderte ihn laut Anklageschrift auf, weitere Schläge zu tätigen. In der Folge kam es zu einem Gerangel, bei dem der Angeklagte die Machete aus der Hand verlor und diese auf die Kellertreppe fiel. Beim Kampf erlitt er selbst eine große Schnittverletzung an der Stirn sowie mehrere kleinere Verletzungen an den Fingern.

Nach einer weiteren verbalen Auseinandersetzung ging es weiter: Die Angeklagte soll ihrem Mann den Baseballschläger gegeben haben und ihn aufgefordert haben, den Nachbarn zu schlagen und zu töten. Der Angeschuldigte soll mit dem etwa 85 Zentimeter langen Baseballschläger von unten her ausgeholt haben, um erneut auf den Geschädigten einzuschlagen und diesen zu töten. Er traf diesen am Unterarm, als dieser versuchte, den Schlag abzuwerden. Der 68-Jährige konnte dann den Baseballschläger mit der rechten Hand greifen, dem Angeschuldigten wegnehmen und ihn wegwerfen.

Angeklagte haben sich bisher nicht geäußert

In der Folge kam es zu einem weiteren Geragel. Erst zwei herbeigerufene Beamte der Polizeiinspektion Roding konnten die Kontrahenten letztlich trennen.

Die Angeklagten haben sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert, die Aussage des Opfers hat im Wesentlichen den Sachverhalt der Anklageschrift bestätigt.

Am heutigen Dienstag sind die Plädoyers der Staatsanwaltschaft sowie der beiden Verteidiger Maximilian Keser und Philipp Janson geplant. Am Montag, 5. August, will Richter Thomas Polnik das Urteil sprechen.

Fortsetzung

Weitere Verhandlungstage: Mindestens zwei weitere Verhandlungstage sind im Prozess am Landgericht Regensburg vorgesehen.

Heute Plädoyers angesetzt: Am heutigen Dienstag sollen die Plädoyers gesprochen werden, Beginn ist um 9 Uhr.

Urteil soll am kommenden Montag fallen: Die Urteilsverkündung ist für Montag, 5. August, um 9 Uhr angesetzt.

Die Angeklagten mit den Verteidigern Philipp Janson und Maximilian Keser