Er ist der Mesner vom Regensburger Dom – die Liebe zur Liturgie hat Robert Feigl im Kloster entdeckt

Er ist der Schlüssel zu Mystik, Meditation und Mittelalter – und Robert Feigl hat ihn in seiner rechten Hosentasche. Wenn der 46-Jährige um 5 Uhr den Dom St. Peter in Regensburg aufsperrt, freut er sich auf die Stille im Dom.
Ebenso freut sich Feigl übe die mystische Stimmung des gotischen Baus und das Sonnenlicht, das die mittelalterlichen Glasfenster zum Leuchten bringt. Auf den Lichtschalter drückt Feigl bewusst erst später.
Seit 2017 ist der Dom der Arbeitsplatz von Robert Feigl – zunächst als zweiter, seit vier Jahren als erster Dommesner. Seine Liebe zur Liturgie hat er in seiner Heimat Neukirchen b. Hl. Blut entdeckt. Schon als Kind war Robert oft in der Wallfahrtskirche Mariä Geburt oder im Klostergarten zu finden – als Ministrant, Lektor, Kommunionhelfer und Sänger, aber auch beim Gras rechen oder Kartoffel legen im Klostergarten. Damals war der Klostergarten noch Nutzgarten der Franziskaner, und Familie Feigl half den Patres beim Bewirtschaften.
War Not am Mann, half Robert Feigl auch dem Mesner und eignete sich liturgisches Wissen an. „Ich habe immer wieder in den Messbüchern gelesen. In den Vorwörtern steht ganz genau beschrieben, was wie zu tun ist.“ Wie ein Altar bereitet werden soll, zum Beispiel. Oder welche Art von Kerzen bei einem Gottesdienst brennen müssen (der Bienenwachs-Anteil muss mindestens zehn Prozent betragen).
Eine berufliche Veränderung
Dieses Wissen kam Feigl zugute, als er sich beruflich verändern wollte. Nach 15 Jahren suchte der gelernte Heizungsbauer eine Alternative zum immer mehr werdenden Stress, den die immer größeren Bauprojekte mit sich brachten. Ein Franziskaner-Pater machte ihn auf die Stellenanzeige der Pfarrei St. Wolfgang Regensburg für einen hauptamtlichen Mesner aufmerksam. Mitbewerber habe es schon gegeben, sagt Robert Feigl. Aber wie in den meisten Branchen herrscht auch bei den Mesner Fachkräfte-Mangel. „Viele haben einfach keine Ahnung.“ Das ist auch heute noch so. Dazu passt, dass der heutige Dommesner von einem jüngsten Abwerbe-Versuch erzählt.
Ob eine Pfarrei einen hauptamtlichen Mesner einstellen darf, entscheidet die Stiftungsaufsicht der Diözese aufgrund der Größe einer Pfarrei und der Menge an Aufgaben, die ein Mesner dort erledigen muss. In St. Wolfgang-Regensburg war das eine Menge. „Dort wurden große Liturgien gefeiert und für die Festgottesdienste erstellte der Pfarrer richtige Ablaufpläne und Regieanweisungen.“ Während dieser Zeit unterstützte Feigl auch das Mesnerteam des Doms bei Veranstaltungen wie dem Katholikentag oder der Bischofsweihe und hatte auch durch seine Tätigkeit als Kassier im Diözesanverband der Mesner im Bistum Regensburg Kontakt zum damaligen Dommesner. Als die Stelle von dessen Stellvertreter frei wurde, bewarb sich Robert Feigl. Drei Jahre lang war er zweiter Dommesner. Als der erste in Ruhestand ging, rückte Feigl nach.
„Man kann keinen Kirchenbau mit einem anderen vergleichen. Jeder hat eine Ausstrahlung“, sagt Dommesner Feigl. Und trotzdem: Der Dom zu Regensburg habe seine ganz eigene, mächtige Ausstrahlung. Feigl schwärmt von der gotischen Bauweise und den Baumeistern, die die Kirchen in eine bis dahin nicht vorstellbare Höhe wachsen ließen. Manch ein Steinmetz hat sich auf seine Weise verewigt: Feigl hat schon ein Efeublatt oder einen Apfel in Form eines Herzens entdeckt, die in einen Stein gemeißelt sind. Natürlich an Orten, an die ein Dom-Besucher niemals gelangt.
„Noch kenne ich nicht jeden Winkel des Doms – aber fast. Manchmal passiert es, dass ich durch einen Gang oder eine Tür gehe und dann feststelle: ‘Ach, hier komme ich also raus.‘“ Übrigens ist der Bischof „nur indirekt“ Feigls Chef. Eigentlich ist das Domkapitular Johann Ammer, Domkustos der Dumkustodei-Stiftung, bei der Feigl angestellt ist. Ammer und neun weitere Domkapitulare bilden das Domkapitel, das Bischof Rudolf Voderholzer in der Leitung und Verwaltung des Bistums unterstützt.
Für Bischof, Domkapitulare sowie sechs Domvikare ist der Dommesner zuständig. Etwa, um die tägliche Frühmesse vorzubereiten. Oder, um Messgewänder für den Bischof oder den Domherren herzurichten und für auswärtige Firmungen oder Festgottesdienste zu verpacken. Bei großen Gottesdiensten im Bistum, bei denen noch mehr aus der Domsakristei benötigt wird, bringt der Dommesner das Benötigte persönlich an den jeweiligen Ort.
Eine Sechs-Tage-Woche
Um 4.20 Uhr klingelt bei Robert Feigl der Wecker. Seine Dienstwohnung hat er gleich neben dem Dom im Domgarten. Um 5 Uhr sperrt er den Dom auf, vorher schaut er draußen vor der Kathedrale nach dem Rechten. Kerzen anzünden, Opferkerzen auffüllen, Gottesdienst nach- und vorbereiten: Das gehört zum täglichen Ablauf – von Sonntag bis Freitag.
Samstag hat Feigl seinen freien Tag. Er erstellt die Dienstpläne für sich, seinen Stellvertreter und die zehn Domaufsichten. Nicht zu vergessen die großen Gottesdienste, die gut vorbereitet sein müssen. „Am aufwendigsten ist immer Fronleichnam.“
Ab und an übernimmt Feigl die Aufsicht im Dom. Dann freut er sich über viele nette Begegnungen mit Menschen, gibt in Ausnahmen den Kirchenführer („selten und kurz, dafür gibt es ja die Domführungen“) und leistet auch mal Seel-sorge für Menschen in Not („die vermittle ich dann meistens an die Caritas“), in Trauer oder mit Redebedarf. Nicht so nette Begegnungen hat Robert Feigl auch erlebt. Feigls Rezept: nicht diskutieren („das endet niemals gut“), immer ruhig und höflich, aber bestimmt bleiben.
Als Dommesner habe er schon viele schöne Erlebnisse gehabt, sagt Feigl. Sein schönstes liegt noch gar nicht lange zurück: Als Vorsitzender des Diözesanverbands der Mesner im Bistum Regensburg hat er im Juni die Süddeutsche Mesner-Wallfahrt organisiert. Mehr als 700 Mesner kamen zu der Veranstaltung, an deren Organisation Robert Feigl ein Jahr lang saß.
Regelmäßig ist der Dommesner noch in seiner Heimat zu Besuch und geht auch gerne wandern. Bis vor kurzem hat er zudem Theater beim Wolfganger Brettl in Regensburg gespielt – aus Zeitmangel heuer allerdings zum letzten Mal. „Ich hatte nur eine Sprechrolle – aber ich war der liebe Gott. Weiter nach oben geht’s doch nicht!“
Zur Person
Privat: Robert Feigl, Jahrgang 1978, stammt aus Atzlern (Gemeinde Neukirchen b. Hl. Blut), wo er mit dem älteren Bruder Michael und der älteren Schwester Rosemarie auf dem elterlichen Hof aufwuchs. Die Familie half den Franziskaner-Patres beim Bewirtschaften des Klostergartens, Vater Michael Feigl war Totengräber in Neukirchen. Robert war unter anderem Ministrant, Lektor, Kommunionhelfer, sang im Kirchenchor und als Solist. Berührungspunkte mit der Kirche und dem Kloster hatte der spätere Dommesner früh und in vielen Bereichen.
Beruflich: Nach dem Besuch der Volksschule in Neukirchen b. Hl. Blut lernte Robert Feigl Heizungsbauer in seinem Heimatort. Nach der Lehre arbeitete er zwölf Jahre lang in einem Heizungsbau-Betrieb in Arnschwang – zunächst als Monteur, später in der Planung und Projektierung. 2009 wurde er hauptamtlicher Mesner in der Pfarrei St. Wolfgang-Regensburg (Stadtteil Kumpfmühl). 2017 wechselte er zum Dom St. Peter – zunächst als zweiter Dommesner, seit 2020 als erster Do

