Firma Ensinger kämpft mit Auftragsflaute – will aber keine weiteren Stellen abbauen

Es scheint eine schwierige Zeit für das weltweit agierende Unternehmen Ensinger zu sein, auch am größten Einzelstandort in Cham. Nach dem Abbau von 44 Stellen in Cham Ende vergangenen Jahres und Kurzarbeit im Werk wie auch am Hauptsitz in Nufringen hat sich die Lage laut Firmensprecher zumindest in der Chamer Hauptsparte wieder gebessert.
Völlig abwegig ist demnach ein Gerücht, nach dem Ensinger den Chamer Standort schließen will. Und auch ein weiterer Stellenabbau in Cham ist laut Firmensprecher Jörg Franke nicht geplant. „Obwohl die Bauwirtschaft nach wie vor in der Krise steckt, befindet sich insulbar, die größte Sparte am Standort Cham, auf einem guten Weg und schreibt trotz der schwachen Baukonjunktur schwarze Zahlen“, erläuterte er die aktuelle Lage im Chamer Werk.
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Grund sind dabei auch Neuentwicklungen bei den insulbar Wärmedämmprofilen, die gut im Markt ankommen. „Nach der erfolgreichen Einführung eines Isolierprofils aus einem wärmetechnisch verbesserten Werkstoff wird derzeit eine weitere wichtige Neuentwicklung vermarktet“, so der Leiter Unternehmenskommunikation des Unternehmens.
Auftragslage schwächelt
Ensinger gehört hier zu den weltweit führenden Entwicklern und Produzenten von solchen Wärmedämmprofilen für Metallfenster und -türen. Die im technisch anspruchsvollen Extrusionsverfahren hergestellten Isolierprofile würden einen wichtigen Beitrag zur Energieeinsparung leisten.
Schwieriger ist die Auftragslage in der zweiten Chamer Sparte der Firma, der Machined Parts, der anspruchsvolle Fertigteile für Hightech-Anwendungen herstellt. Hier könne sich Ensinger wie die meisten anderen Zerspanungsbetriebe nicht vom Marktumfeld abkoppeln – sprich, dieser Bereich leidet unter der aktuellen Konjunkturschwäche.
Die Zerspanungsspezialisten am Standort Cham fertigen Kunststoffteile auf computergesteuerten Dreh- und Fräsmaschinen. Häufig übernehme das Werk Cham im Kundenauftrag die komplette Serienproduktion von Baugruppen und Systemen, erläuterte Franke.
Schließlich gilt die schwierige Marktlage auch für den dritten Chamer Unternehmensteil, den Polyamidguss, ein Verfahren zur Herstellung von großvolumigen Halbzeugplatten und -stäben. „Auch dieser Geschäftsbereich Halbzeuge entwickelt sich parallel zur Konjunktur im verarbeitenden Gewerbe in Deutschland und kämpft seit geraumer Zeit mit einer verhaltenen Nachfrage“, beschrieb Jörg Franke die Situa-tion.
Dass sich das noch 2024 verbessert und in der zweiten Hälfte des Jahres die Nachfrage steigt, dafür sieht das Familienunternehmen wenig Anzeichen, wie der Sprecher klar macht: „Für das laufende Jahr erwartet Ensinger keine wesentlichen Wachstumsimpulse.“
Weiter Kurzarbeit
Auch die Kurzarbeit wird deshalb im Geschäftsbereich Machined Parts fortgesetzt werden, teilt der Firmensprecher mit. Seit einigen Monaten sei diese Sparte von Kurzarbeit betroffen, da die Auftragslage schwach sei und die Produktionskapazitäten damit nicht ausgelastet seien. „Es ist noch nicht absehbar, wann das Auftragsvolumen in diesem Bereich wieder ansteigt und die Kurzarbeit aufgehoben werden kann“, so Franke.
Das Werk Cham im Gewerbegebiet Altenmarkt gehöre zu den größten Fertigungsstätten von Ensinger. Die breite Palette der am Standort hergestellten Produkte finde in nahezu allen wichtigen Industriebranchen Anwendung, sei es im Maschinenbau, in der Bauindustrie, in der Medizintechnik oder in der Lebensmittelbranche. 2023 hatte das Unternehmen bestätigt, 44 Stellen aus konjunkturellen Gründen im Bereich insulbar abbauen zu wollen – jedoch nicht als betriebsbedingte Kündigung, sondern sozialverträglich auf freiwilliger Basis. Man werde den Mitarbeitern ein Angebot mache, das sie annehmen könnten, um Ensinger zu verlassen, hieß es. Ähnliches gab es an einem weiteren Firmenstandort, wo elf Arbeitsplätze wegfielen.
Mit diesen 44 Stellen gab es erstmals seit langem bei Ensinger überhaupt einen Stellenabbau in Cham. Bis dahin war das Familienunternehmen stetig gewachsen, hatte und hat auch zuletzt viel Geld in den Standort Cham investiert.
Zu leiden hat die deutsche Wirtschaft vor allem unter den Folgen des Ukraine-Krieges, vorrangig die stark gestiegenen Kosten für Energie, Rohstoffe und Personal machen ihr zu schaffen. Aufgrund der hohen Kosten hatte sich auch die Baukonjunktur im vergangenen Jahr weiter verschlechtert, was auch Ensinger traf.