Tortellini-Fall im Landkreis Schwandorf: Ergebnisse der Lebensmittelproben liegen vor

Von Martin Kellermeier, Johannes Hartl · 26. September 2024 um 16:03

Im Tortellini-Fall haben die Ermittler nun erste Klarheit. Seit Donnerstag liegen die Untersuchungsergebnisse der Lebensmittelproben vor. Durch sie gerät die betroffene Pizzeria im Landkreis Schwandorf verstärkt in den Fokus.

Wie berichtet, klagten mehrere Gäste des italienischen Lokals in der Region nach ihren Tortellini-Gerichten über Übelkeit und Erbrechen. Zwei Frauen mussten anschließend stationär behandelt werden. Eine davon, eine 46-Jährige, starb wenige Tage nach dem Gaststättenbesuch im Krankenhaus. Der betroffene Restaurantbesitzer hat daraufhin sein Lokal geschlossen.

Ergebnisse wurden mit Spannung erwartet

Nach Bekanntwerden des Vorfalls hat die Lebensmittelüberwachung am Landratsamt Ermittlungen eingeleitet. Man habe Beprobungen der Lebensmittel vorgenommen, sagte damals Landkreissprecher Manuel Lischka.

Nun liegen die mit Spannung erwarteten Ergebnisse vor. Wie Lischka nun auf Anfrage mitteilte, sei in den im betreffenden Restaurant „verarbeiteten Tortellini“ der Keim Bacillus cereus nachgewiesen worden. Das Rohprodukt sei aber ohne Befund geblieben. Aus Insiderkrisen verlautete dazu, dass die Verunreinigung folglich im Lokal entstanden sein könnte.

Bacillus cereus kann zu Durchfall und Erbrechen führen

Bacillus cereus ist ein Keim, der in der Erde vorkommt. In ausreichender Anzahl kann er zwei verschiedene Toxine bilden. „Diese Stoffe können zu Durchfall oder Erbrechen führen. Die Toxine, die der Bacillus bildet, sind übrigens hitzestabil“, erklärte Lebensmittelexperte Dr. Andreas Kneißler gegenüber unserer Zeitung. In Fachkreisen spricht man bei den Beschwerden, die durch den Bacillus cereus verursacht werden, auch vom „Fried Rice Syndrom“. Dieses trete vor allem auf, wenn Reis gekocht wird, und anschließend die Speise bei unter 63 Grad Celsius warm gehalten wird. So vermehrt sich der Keim und bildet bei ausreichender Anzahl die Giftstoffe. Erst dann wird er zum Problem.

Wie der Bacillus an die Nudeln gelangt ist, konnte laut Landratsamt noch nicht abschließend geklärt werden. Das dürfte Gegenstand der weiteren Ermittlungen sein. Auf Anfrage der MZ beschrieb Lebensmittelexperte Kneißler aber ein mögliches Szenario. „Es könnte sich vermutlich um eine Kreuzkontamination handeln“, sagte der Fachmann. Da der Bacillus in der Erde vorkomme, sei er oft auf Gemüse zu finden. Schneidet der Koch erst den Salat und nimmt dann dasselbe Messer für die Nudeln her, kann es zur Übertragung des Keims kommen, nannte Kneißler ein mögliches Beispiel.

Zusammenhang zwischen den Nudeln und dem Todesfall ist weiter unklar

Auch nach den Laborergebnissen bleibt vorerst unklar, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Verzehr der Tortellini und dem Tod der 46-jährigen Frau gibt. Die Staatsanwaltschaft Amberg ermittelt daher weiter wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung, sagte Oberstaatsanwalt Carsten Reichel. Auch die Ermittlungen des Landratsamts sind noch nicht abgeschlossen, weil „unter anderem Ergebnisse der Lebensmittelbehörde des Herstellers“ noch ausstehen.

Rechtsanwalt Philipp Pruy, der den Restaurantbetreiber anwaltlich vertritt, wollte die neuesten Erkenntnisse vorerst nicht kommentieren. Er verwies darauf, dass ihm die schriftlichen Untersuchungsergebnisse noch nicht vorliegen. „Nach Eingang werden wir diese sichten und bewerten“, teilte Pruy mit.