Es braucht mehr als nur ein Wirtshaus: Experte aus Wien erklärt, was ein Dorf zusammenhält

Von Bernhard Neumayer · 24. September 2024 um 17:00

Dem Nachbarn helfen, bei Arbeitsdiensten anpacken und danach gemeinsam im Wirts- oder Dorfhaus anstoßen: So stellen sich viele ein Leben auf dem Dorf vor. Doch was braucht ein Ort, um diese Gemeinschaft zu erhalten? Ein Experte aus Wien hat darüber im Kloster Plankstetten referiert.

Darüber diskutierten Organisationscoach und Regionalberater Leo Baumfeld, Andreas Horsche (Bürgermeister Furth bei Landshut) und Peter Kluge, Dritter Bürgermeister der Gemeinde Perasdorf im Bayerischen Wald, im Kloster Plankstetten. Die Schule der Dorf- und Landentwicklung hatte zum 25. Plankstettener Gespräch geladen – und unter anderem die Rathauschefs Ludwig Eisenreich (Berching), Ludwig Lang (Lauterhofen) und Christian Schmid (Velburg) hörten zu, als Baumfeld auch darüber sprach, wie Bürgermeister aus seiner Sicht kommunizieren und agieren sollten.

An sieben Merkmalen machte der Referent aus Wien die „bürgermeisterliche Kommunikation“ fest: Verantwortung für Ganzheiten, Verantwortung für größere Zeitspannen, Hineindenken in andere Menschen, Platz geben und wertschätzen, Menschen und Ideen verbinden, investieren und authentisch sein – auch in der öffentlichen Kommunikation. „Wenn Sie diese sieben Merkmale beherzigen, ist der Erfolg sehr wahrscheinlich“, sagte Baumfeld in Richtung der anwesenden Amtsinhaber.

Eine „bürgermeisterliche Kommunikation“ ist nach Angaben von Baumfeld ein Aspekt, den ein Dorf braucht. Neben einer guten Politik (eine, die die Bürger beteiligt) seien drei weitere Gruppen entscheidend, um in einem Ort Projekte voranzubringen, wie Baumfeld findet: Verwaltung, Bürger und regionale Wirtschaft.

Arbeiten diese vier Akteure zusammen, könnten etwa auch finanziell schwächere Kommunen Projekte wie Gemeinschaftshäuser realisieren. Wege der Finanzierung finde man, sagt Baumfeld: über die Wirtschaft oder Crowdfunding.

Gemeinsame Treffpunkte sind für Dörfer essenziell, findet Baumfeld. Es brauche Orte, an denen man zufällig Leute treffen: Apotheke, Café, Gaststätte oder Dorfhaus. So stärke man das Gemeinschaftsgefühl.

Dann seien Bürger auch bereit, sich zu engagieren. Baumfeld hat vor allem drei Bereiche ausgemacht, wann sich Menschen im Ort einsetzen: Wenn es um Anliegen geht, die die Würde der Menschen betonen, die die soziale Einbettung ansprechen oder wenn es um Zukunftsthemen der Menschen im Ort geht. Unter anderem Essen auf Rädern, Fahrdienste für Senioren oder Einkaufen für Hilfsbedürftige kategorisiert Baumfeld in diese drei Felder.

Wichtig sei für Bewohner auch die lokale Identität. Man müsse sich mit seinem Dorf identifizieren können – etwa durch Vereine oder Gemeinschaftsprojekte. Nur wenn diese Basis geschaffen und ein Dorf resilient sei, habe ein Ort Zukunft.

Die 540-Einwohner-Gemeinde Perasdorf hat das geschafft und gestoppt, dass Bürger abwandern und ihrem Dorf den Rücken kehren. Es wurden Bauplätze geschaffen und vor allem ein altes Schulhaus saniert. Darin befinden sich heute ein Café, ein Dorfladen und Gemeinschaftsräume für Vereine und Gruppen. So muss ein Dorf heutzutage designt werden, lautet Baumfelds Fazit.

Schule der Dorf- und Landentwicklung in Plankstetten

Leitung: Seit Januar 2023 ist Karl Roth Geschäftsführer der Schule der Dorf- und Landentwicklung. Zunächst teilte er sich die Aufgabe mit Hans Rosenbeck. Nachdem dieser Ende Juni in Rente gegangen ist, führt Roth die Schule alleine.

Person: Roth ist 57 Jahre alt und stammt aus Beilngries, lebte zuletzt aber in Mühldorf am Inn. Jetzt arbeitet er von der Abtei Plankstetten aus und wohnt nahe der Kratzmühle.

Lebenslauf: Postassistent, Kaufmännischer Ausbilder, Personalreferent, Prüfungskoordinator sowie Bildungsmanager bei der IHK, Dozent und Bewerbungscoach: Roth übte in seiner Karriere schon viele Berufe aus.

Leo Baumfeld referierte im Kloster Plankstetten darüber, was ein Dorf braucht, um eine starke Gemeinschaft zu bleiben oder zu werden. Foto: Neumayer
Karl Roth ist nun der alleinige Geschäftsführer der Schule der Dorf- und Landentwicklung Plankstetten. Foto: Neumayer