Berching vermarktet sich als Gluckstadt: Was bringt der berühmte Komponist der Stadt?

Von Bernhard Neumayer · 17. September 2024 um 05:00

Sonderbriefmarke, riesige Fahnen, Barockfest: Zum 300. Geburtstag von Christoph Willibald Gluck putzte sich Berching (Landkreis Neumarkt) 2014 heraus – und investierte eine Menge Geld, um seinen berühmtesten Sohn zu vermarkten. Zehn Jahre danach: Haben sich der Aufwand und die Investitionen gelohnt?

Rudolf Eineder vom Freundeskreis Gluck war damals maßgeblich an den Vorbereitungen beteiligt. Den Angaben des Altbürgermeisters zufolge wurden für das Jubiläumsjahr knapp 200.000 Euro ausgegeben, um Gluck den Bürgern näher zu bringen. Die Stadt selbst hat nach eigenen Angaben 2013/2014 rund 96.000 Euro für Gluck-Veranstaltungen ausgegeben. Zudem wurde das Ziel des Freundeskreises, Gluck in seiner Geburtsgemeinde erlebbarer zu machen und Berching als Stadt der Kultur mit dem Namen des Komponisten zu verknüpfen, ordentlich bezuschusst.

Berching als Gluckstadt: Bürger sind teils skeptisch

Es gab auch Berchinger Bürger, die damals skeptisch waren. Manche sind es heute noch. Lohnt sich Gluck für Berching überhaupt? Den kritischen Stimmen entgegnet die heutige Vorsitzende des Freundeskreises Christoph Willibald Gluck, Gerlinde Delacroix, dass es jedem freigestellt sei, für wen und was er sich interessiere. Man muss Gluck und seine Musik nicht lieben. Kultur sei vielfältig. „Aber ich denke, Gluck gehört zu Berching wie die Blaskapelle oder der Trachtenverein. Gluck ist ein Stück Berchings“, sagt Delacroix.

Sie finde es einfach toll, dass ein so berühmter Mensch aus Berching stammt. Deshalb setzt sie sich mit weiteren Ehrenamtlichen dafür ein, Gluck noch bekannter und in Berching akzeptierter zu machen, unter anderem mit zahlreichen Veranstaltungen wie Landpartie, Barockfest, Musik in der Stadt, Stadtführungen und Gluckfestspielen.

Zudem ist Gluck heute nicht nur in Erasbach und Weidenwang (unter anderem auf dem Wanderweg) und in Berching im Museum präsent, sondern auch durch seine Statue am Reichenauplatz und den Namen der Kulturhalle, wie Ursula Lindl anmerkt. Sie hat den Freundeskreis Gluck 2011 mitgegründet und war die erste Vorsitzende des Vereins. Unter anderem mit Rudolf Eineder und Christian Eisner investierte sie unzählige Stunden, um Gluck zu vermarkten.

Werner Robls Gluckhaus in Weidenwang sowie dessen Engagement in der Forschung und die Gluckfestspiele mit Michael Hofstetter sind zudem aktuelle Beispiele, wie die Erinnerung an Gluck lebendig ist, teilt Lindl mit. „Gluck ist die überregionale Kulturmarke Berchings“, sagt Lindl. Das werde auch auf den Autobahnschildern an der A9 angekündigt.

Doch dieses Gluck-Versprechen, dass Autofahrern gegeben wird, müsse auch mit Leben gefüllt werden. Darin sind sich Eineder, Lindl und Delacroix einig.

Gluckstadt: Altbürgermeister hofft auf Unterstützung

Dass das aus personellen und finanziellen Gründen nicht mehr so wie vor dem 300. Geburtstag geht, ist sich Eineder bewusst. Er wünscht sich, dass die freie Wirtschaft unterstützt, wenn die öffentlichen Mittel knapp sind. „Die Stadt schafft das alleine nicht. Wir brauchen den Bezirk, den Landkreis, größere Betriebe und Ehrenamtliche“, sagt Eineder, der zugibt, dass Gluck noch nicht bei allen Bürgern akzeptiert ist. Nicht jedem müssten Glucks Werke gefallen.

Aber ein Aushängeschild sei Gluck für Berching dennoch. Und dieses Aushängeschild wolle die Stadt im Rahmen ihrer finanziellen und personellen Möglichkeiten auch vermarkten, teilt Bürgermeister Ludwig Eisenreich mit – siehe Autobahnschilder und Kulturhalle. Auch Gluck-Festivitäten wie etwa die Landpartie bezuschusse die Stadt. 2024 sind nach Angaben der Stadt 4000 Euro für Vorhaben des Freundeskreises im Stadtrat beschlossen worden. 2018 seien es rund 16.500 Euro gewesen (Gluck-Oper).

Eisenreich sei froh und dankbar über die Arbeit des Freundeskreises. Er betont aber, dass auch andere Vereine und Organisationen mit ihren Veranstaltungen Menschen nach Berching locken. Die meist vom Freundeskreis angestoßenen Projekte und Feste „unterstützt die Stadt so weit wie es geht“.

Die Veranstaltungen bringen Besucher in die Stadt. Laut Eisenreich soll der Bekanntheitsgrad von Gluck und seiner Geburtsgemeinde mit dem Freundeskreis und den Gluckfestspielen weiter gesteigert und gefördert werden. Denn die Stadt sieht Gluck als Teil des „reichen kulturellen Lebens“ in Berching und Part des Tourismuskonzeptes. „Der Schwerpunkt des Tourismus liegt aber auf der Altstadt, dem Kloster Plankstetten und dem Rossmarkt“, sagt Eisenreich. Dennoch zähle Gluck zu den touristischen Attraktionen der Wander- und Radregion.

Zu Gluck plant der Freundeskreis laut Delacroix auch in Zukunft Veranstaltungen. Lindl wünscht sich, „dass dieser kulturelle Schatz im Bewusstsein Berchings verankert bleiben wird“. Denn Eineder findet: „Gluck ist Glück für Berching.“

Auf der A9 weisen Schild auf die historische Gluckstadt Berching hin. Foto: Gerlinde Delacroix
Diese Gluck-Statue schmückt den Reichenauplatz in der Berchinger Altstadt. Foto: Neumayer