Beben bei den Banken: Was bedeutet der Commerzbank-Deal für Regensburg?

Die Deutsche Bank schließt Filialen, der Commerzbank droht die Übernahme: Was bedeutet das Banken-Beben nach dem Kauf des Aktionpaketes durch die Unicredit für die Region? Eine Schließung der Filialen am Bismarckplatz (Commerzbank) und in der Maxstraße (Deutsche Bank) stünden derzeit nicht konkret an. Doch die Branche ist im Umbruch.
Wandel gehört zum Bankengeschäft dazu. Seit der Gründung der ersten Banken in der Toskana im 15. Jahrhundert mussten sich Banker ständig neu erfinden. Widrigkeiten waren an der Tagesordnung. Doch derzeit erlebt das deutsche Bankenwesen erneut ein Beben: Der Verkauf von Anteilen der Commerzbank, die noch aus der Zeit der Finanzkrise 2008 vom Bund gehalten wurden, an die italienische Unicredit sorgt für Staunen. Jetzt kündigte die Deutsche Bank an, deutschlandweit 50 der derzeit 400 Filialen schließen zu wollen. Noch ist unklar, was diese Nachrichten aus den drei großen Banken für Standorte wie Regensburg oder Schwandorf bedeuten.
Sowohl bei der Unicredit, die in Deutschland die Hypo-Vereinsbank betreibt, als auch bei der Commerzbank sagt man allerdings: Der überraschende Deal hat zunächst keine Auswirkungen auf den Standort der Commerzbank in Regensburg. Einst hatte die Commerzbank selbst ein bedeutendes deutsches Institut geschluckt: Bis 2009 war die Dresdner Bank das drittgrößte deutsche Geldinstitut nach der Commerzbank und der Deutschen Bank.
Grünes Dreieck verschwand
Die Fusion hatte zunächst kaum Auswirkungen auf das Filialnetz in Regensburg: Das grüne Dreieck der Dresdner wurde am repräsentativen Löschenkohl-Palais am Regensburger Neupfarrplatz einfach durch das gelbe Dreieck der Commerzbank ersetzt. Jahrelang betrieb die Bank zwei große Filialen in beachtlichen Bauten, bis die Mitarbeiter 2020 aus dem Löschenkohl- ins Erbprinzenpalais am Bismarckplatz umzogen. Heute steht das Löschenkohl-Palais leer.
Von Seiten der Commerzbank teilt man auf Anfrage mit, dass der Sitz am Bismarckplatz wichtig ist für das Unternehmen und seine Sichtbarkeit. Ganz grundsätzlich stehe man aber Unicredit positiv gegenüber: „Der Einstieg von Unicredit als zweitgrößter Aktionär bei der Commerzbank ist zunächst einmal ein Beleg dafür, dass die Fortschritte, die wir erzielt haben, gesehen werden“, teilt Sandra Kobus, Sprecherin der Commerzbank für die Region Süd, mit. „Vorstand und Aufsichtsrat der Commerzbank werden weiterhin im besten Interesse unserer Kunden, Mitarbeitenden und Anteilseigner handeln“, ist die Sprecherin überzeugt. Der Fokus der Bank liege aktuell weiter auf der Umsetzung der Unternehmensstrategie bis 2027.
Gleichzeitig legte Kobus ein Bekenntnis zum Haus am Bismarckplatz ab: „Die Filiale in Regensburg ist für uns ein sehr wichtiger Standort“, sagte sie. „Wir sind bereits seit 1965 in Regensburg und stehen hier all unseren Kunden – also Privat-, Unternehmens- und Firmenkunden – mit unserer Beratung und Expertise zur Verfügung.“ In der Region sei die Commerzbank mit insgesamt fünf Filialen neben Regensburg auch in Ingolstadt-Mitte, Landshut, Straubing und Passau vertreten und beschäftige rund 70 Mitarbeitende, davon 40 am Standort Regensburg.
Bei der Deutschen Bank sollen nach der aktuellen Ankündigung bis zu 50 Filialen schließen. Ein Sprecher sagte auf Anfrage, man könne noch nicht sagen, ob die Regensburger Filiale betroffen sei. „Es gibt weder einen Zeitplan, noch stehen die Filialen schon fest“, so der Sprecher. Man müsse nun erst die Gespräche mit dem Betriebsrat führen.
Laut einer Studie mit dem Titel „Trendradar Banking“ steht der Bankensektor mehrfach unter Druck. Die Zinspolitik der vergangenen Jahre, die Regulierung der Banken nach der Finanzkrise, aber auch der demographische Wandel und der Trend zur Digitalisierung haben die Branche nachhaltig verändert. „Der Sog in die Städte beschleunigte das aus Kostensenkungsgründen bereits eingeleitete Bankfilialsterben in der Fläche“, heißt es. „Viele der Schließungen betrafen kleine Filialen auf dem Lande.“ Gleichzeitig stellt die Studie fest, dass Kooperationen verschiedener Bankhäuser diesem Trend entgegenwirken kann. Ein Modell, „um den direkten Kundenkontakt aufrecht zu erhalten, ist das Konzept der Frankfurter Volksbank in Kooperation mit der Taunus Sparkasse“. Beide Institutionen legten rund 50 ihrer Filialen zusammen und betreiben künftig gemeinsam 26 Geschäftsstellen im Hochtaunuskreis und im Main-Taunus-Kreis. Damit sicherten sie die Versorgung jener Kunden ab, die den Kontakt zu ihrer Bank direkt suchten.
Die Umbrüche im Bankensektor haben aber nicht nur für die Kunden, sondern auch für die Mitarbeiter Auswirkungen. Der Regensburger Arbeitsmarktexperte Enzo Weber schildert, wie sich die Branche für die Mitarbeiter gewandelt hat. „Der Bereich Banken und Versicherungen war ja über lange Jahre praktisch der einzige, der Beschäftigung abgebaut hatte – als der Arbeitsmarkt insgesamt stark zulegte“, sagt Weber. Hier sei bereits „viel an Digitalisierung auch schon gelaufen. Das bietet sich auch an, weil es sich ganz überwiegend um Bürojobs handelt, oft mit zahlenorientierten Routineaufgaben“. Mittlerweile habe sich die Beschäftigung in der Branche aber gefangen und steige aktuell sogar leicht.
KI ersetzt die Entscheider
Und doch glaubt Weber, dass sich vor allem durch Künstliche Intelligenz noch einiges wandeln wird im Finanzsektor. Er geht davon aus, „dass die Anwendung von KI in der Bankenbranche voranschreiten wird“. Im Vergleich zu klassischer Digitalisierung werde das schwerpunktmäßig nicht nur mittelqualifizierte, sondern auch hochqualifizierte Tätigkeiten betreffen.
„Dabei geht es beispielsweise um Mustererkennung, Recherchen und Risikomanagement“, sagt der Expert. Dabei würden Tätigkeiten ersetzt, die momentan noch von Menschen übernommen werden.