Keine Digital-Fortbildung für Lehrer, zu wenig Elektronische Akte – trotzdem ist Regensburg smart

Von Christian Eckl · 17. September 2024 um 16:19

Die Domstadt steigt im Ranking der Smart Citys von Bitkom auf – um drei Plätze. Doch merken das die Bürger? Und wieso sind München und Hamburg besser als die Stadt Regensburg, wenn es um die Umsetzung der elektronischen Akte in der Stadtverwaltung geht?

Wohl niemand will in einer dummen Stadt leben. Deshalb können Regensburger jetzt beruhigt sein: Regensburg liegt von 82 deutschen Großstädten auf einem respektablen Platz 14. Untersucht hat erneut der Digitalverband Bitkom im Hinblick auf die Frage, wie digital fortschrittlich – also smart – diese Großstädte sind. Ganz an der Spitze des Rankings stehen München, Hamburg und Köln. Aber auch mit Regensburg vergleichbare Städte wie Ulm (Platz 10) und Freiburg im Breisgau (Platz sechs) liegen noch vor der Regensburg-Platzierung. Aber welche Kriterien werden untersucht?

Bitkom gibt an, fünf Bereiche in 37 Indikatoren mit 162 Parametern abzufragen. Diese sind beispielsweise Online-Bürgerservices der Stadtverwaltung oder Sharing-Angebote, wie es sie beispielsweise mit dem Earl vom Regensburger Stadtwerk gibt. Mit diesem können Bürger über eine App bequem Elektroautos buchen – sogar einen Tesla gibt es, der im Parkhaus am Petersweg steht. Dass die Fahrzeuge häufig gerade zu Stoßzeiten vergriffen sind, gerade weil Regensburg eine junge Studentenstadt ist, haben die Bitkom-Verantwortlichen dabei wohl übersehen.

Verwaltung rutscht ab

Dabei gibt es in dem Vergleich überraschende Unterschiede. Deutlich schlechter wurde Regensburg nämlich in Sachen smarte Stadtverwaltung. Hier rutschte die Domstadt um ganze 14 Plätze ab. Vergangenes Jahr belegte Regensburg noch einen hervorragenden vierten Platz, nun aber nur noch Platz 19 hinter Augsburg. Wieso? Volle Punktzahl erhielt die Stadt beispielsweise für das Service-Portal und Online-Termine.

Dafür ist die Stadtverwaltung bei den „Inneren Prozessen“ etwas abgerutscht, aber das Rennen ist eng. Hier kommt die Stadt auf lediglich knapp 67 von 100 Punkten. Hier kommt die Stadt auf lediglich knapp 67 von 100 Punkten. „Die Stadt Regensburg ist bei ihren internen Prozessen noch nicht digital genug“, sagt Michael Pfefferle, Bereichsleiter Smart City bei Bitkom. „Zum Beispiel müsste die flächendeckende Verwendung der elektronischen Akte in den Ämtern eingeführt werden“, schildert Pfefferle. Auch in Sachen Schulen gebe es Aufholbedarf. Es fehle ein Budget, um Lehrer digital fit zu machen.

Massiv nach vorne katapultiert wird Regensburg im Bereich Energie und Umwelt. Regensburg legt hier sieben Plätze zu und landet auf Platz 14 im bundesweiten Großstädte-Vergleich. Doch auch hier gibt es einen Wermutstropfen: Beim Thema intelligente Straßenbeleuchtungen liegt die Domstadt wiederum ganz weit abgeschlagen und bekommt nur auf 33 von 100 Punkten. Wiederum sorgen die Stadtwerke für eine gute Bilanz: Sowohl beim Thema Ladeinfrastruktur, wo Regensburg seit Jahren ganz weit vorne liegt, als auch beim Thema emissionsarme Busse kann man aufholen.

Das Thema Ampeln liegt laut Auskunft der Stadt Regensburg aber nicht am Willen, sondern daran, dass sicherheitsrelevante Aspekte eingehalten werden müssten. „In Regensburg kommen moderne, intelligente Lichtsignalanlagen zum Einsatz, die flexibel auf die lokale und netzweite Verkehrslage reagieren“, teil die Stadt auf Anfrage der Mediengruppe Bayern mit. Das zentrale Verkehrsmanagementsystem erfasse die Auslastung des gesamten Verkehrsnetzes. Ein weiterer Vorteil sei die Überwachung der Luftqualität. Umweltsensoren erfassen Belastungen durch Stickstoffdioxid und Feinstaub. „Dies ermöglicht der Stadt, auf gefährliche Verschmutzungen zu reagieren und entsprechende Maßnahmen einzuleiten“, heißt es dazu. Zudem werden gerade sogenannte „Road Side Units“ getestet. Diese Systeme erweitern die Einsatzmöglichkeiten von Feuerwehr- und Rettungsdiensten und helfen, die Reaktionszeiten in Notfällen zu verkürzen.

Doch was bedeutet der Begriff Smart City eigentlich für die Bürger? „Smart City ist ein weitreichender Begriff, der letztendlich eine gute, moderne und nachhaltige Stadtentwicklung meint“, sagen die Verantwortlichen vom Amt für Wirtschaft und Wissenschaft. Und weiter: „In Regensburg soll diese Stadtentwicklung gemäß der Leipzig Charta und Regensburg Plan 2040 produktiv, grün und gerecht sein.“ Grün und gerecht also: So sieht die Zukunft Regensburgs aus, sagt man zumindest von Seiten der Stadtverwaltung. Der Ausbau des Glasfasernetzes gehöre ebenso dazu wie das kostenlose W-Lan in Bereichen der Fußgängerzone in der Altstadt.

Mehr Grips für den ÖPNV

Zukünftig solle auch in Sachen ÖPNV nochmals digital eine Schippe draufgelegt werden: „Nach der Modernisierung des Verkehrsrechners und des Verkehrsmanagementsystems ist die Einführung einer zentralen Priorisierung für den ÖPNV geplant“, heißt es weiter. So können Planungen, Routen und Anpassungen bei Baustellen schneller und effizienter berücksichtigt werden, „was den ÖPNV zuverlässig und komfortabler für die Bürger macht“, teilt die Stadt Regensburg mit.