Windräder-Debatte: Höher als der Eiffelturm, aber kein Problem fürs Welterbe Regensburg?

Bis zu 55 Windräder sollen hoch auf der Hohen Linie entstehen. Ein Investor, der 19 davon in weithin sichtbarer Lage bauen will, sagt: „Wir halten uns an den rechtlichen Rahmen“. Ein Vertreter des Energieunternehmens GP Joule betont, dass man derzeit bereits Gutachten beauftragt hat. Doch die Stadt Regensburg befürchtet Probleme mit dem Welterbestatus und auch der Blick auf die Walhalla könnte beeinträchtigt sein.
Die Debatte um bis zu 55 Windräder im Fürstlichen Forst geht in die heiße Phase. Kürzlich erteilte schon der Gemeinderat von Donaustauf, auf dessen Gebiet auch das bedeutende Denkmal Walhalla steht, dem Projekt eine Absage. Am Donnerstag hat der Bürgermeister von Tegernheim, ebenfalls eine stark betroffene Gemeinde, die Sitzung des Gremiums in die Gemeindehalle verlegt – es wird hoch hergehen. Derweil hat sich die Stadt Regensburg, die aufgrund des Welterbestatus betroffen sein kann, an die zuständigen Gremien gewandt.
„Die Windräder sollen eine Höhe von 285 Metern haben“, sagt Alexander Ruscheinsky, einer der drei Initiatoren der Initiative „Einmaligen Lebensraum, Walhalla und Weltkulturerbe retten“. Weil zumindest einige der Windräder auf der Hohen Linie zwischen Keilberg und Walhalla stehen sollen und damit auf einem 140 Meter hohen Plateau, summiere sich das. „Das wird höher als der Eiffelturm“, sagt Ruscheinsky. Keinesfalls sei er gegen die Energiewende. „Aber ich baue doch ein Wasserkraftwerk auch nicht an der Steinernen Brücke.“
Wartburg als Vergleich
In der Tat ist in die Frage nach dem Denkmal- und Welterbeschutz Bewegung gekommen. So habe in der Sache „bereits ein Gespräch zwischen dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, der Koordinierungsstelle Welterbe im Auswärtigen Amt und dem Amt für kulturelles Erbe stattgefunden“, teilte eine Sprecherin auf Anfrage mit. Dabei wurde vereinbart, zunächst den Austausch mit anderen ähnlich betroffenen Welterbestätten zu suchen, heißt es weiter. Die Stadt verweist auf die Schweiz. Dort gibt es derzeit eine Debatte um das Weltkulturerbe Reichenau auf einer Bodensee-Insel und geplante Windräder auf Schweizer Seite. Nach dem Austausch werde man „eine Stellungnahme hinsichtlich der Betroffenheit des Welterbes Altstadt Regensburg mit Stadtamhof erstellen“, heißt es weiter.
Doch auch in Deutschland gibt es Beispiele, wo Denkmal und Windrad kollidieren. In einer Stellungnahme des Welterbe-Komitees Icomos von 2018 sind Windräder mit der bedeutenden Wartburg in Thüringen schwer vereinbar. Darin heißt es nach einer Abhandlung über die Bedeutung der mittelalterlichen Burganlage: „Aus diesen Gründen sollte auf die geplante und beantragte Windenergieanlage verzichtet oder zumindest eine nennenswerte Höhenreduktion vorgenommen werden.“
Im Juli kam der Planungsverband zusammen, in dem Kommunen aus der Oberpfalz sich abstimmen. Normalerweise läuft das ohne großes Aufsehen ab. Doch in der Sitzung soll Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer deutlich gemacht haben, dass sie die Stadt Regensburg durch die Windräder in Sichtweise für das Welterbe als Problem sieht. In einem Umweltbericht zur Änderung des Regionalplans wird explizit auf die Problematik der Denkmäler eingegangen. Aufgezählt werden das Welterbe Regensburg, aber auch die Befreiungshalle, das Ensemble Kallmünz sowie die Burgen bei Riedenburg. Es solle eine „Analyse der Sichtbeziehungen“ erfolgen, heißt es.
Doch nicht nur mit dem Denkmalschutz und der Unesco könnten die Projektierer ein Problem bekommen. Ausgerechnet das Klima könnte das grüne Projekt in Frage stellen. „Das Gebiet ist eine sogenannte CO2-Senke“, sagt Ruscheinsky. „Das bedeutet, dass dort Bäume stehen, die besonders dafür Sorge tragen, dass CO2 absorbiert wird.“ Die fürstlichen Wälder würden das Mikro-Klima der Region in besonderer Weise beeinflussen.
Doch was sagt der Investor zu den Problemen? Michael Neumann ist Projektverantwortlicher bei der Firma GP Joule. „Derzeit lassen wir eine gutachterliche Stellungnahme von einem renommierten Professor in Bezug auf das Welterbe und die Walhalla fertigen.“
Im Moment liefen auch Kartierungsarbeiten für weitere Gutachten im Hinblick auf die Biotope und die CO2-Senke. Schallschutz- und Schallgutachten würden folgen. Neumann macht klar: „Wir können und werden uns im Rahmen des Rechts bewegen.“ Der Geschäftsführer des Unternehmens, das in Tegernheim bereits ein Fernwärmenetz betreibt, betont aber auch: „Wir wollen, dass die Bürger nicht nur in dem Verfahren, sondern auch danach beteiligt werden.“ Die Zahlen der Bürgerinitiative zum angeblichen Wertverlust kann Neumann nicht nachvollziehen. Zudem bringt Neumann Bürgerwindräder ins Gespräch, also eine mögliche finanzielle Beteiligung an den Erträgen.
Visualisierung fehlt noch
Die geforderte Visualisierung der Windräder könne GP Joule aber erst liefern, „wenn uns die Regierung als Genehmigungsbehörde sagt, welche Standorte in Frage kommen“. Neumann betont auch, dass der Flächenverbrauch eher gering sei: Das von GP Joule, das 19 Anlagen bauen will, beplante Areal hat 1600 Hektar, für alle Anlagen würden sechs Hektar verbraucht. „Und das ist ein Nutzwald“, betont er.
Die Bürgerinitiative indes hat den Tegernheimer Gemeinderäten eine alternative Stellungnahme ans Herz gelegt. Sie fordern die Gemeinderäte auf, die Ausweisung des Standortes als Windvorranggebiet „abzulehnen“.
Das sagt das Fürstenhaus
Wirtschaft: „Wir nehmen in Sachen Windkraft eine Rolle ein, Flächen zur Verfügung zu stellen“, sagte Gloria von Thurn und Taxis aktuell zur Mediengruppe Bayern. „Das erfolgt vorbildlich unter Einbindung aller Beteiligter.“ Zu den Beweggründen verwies die Unternehmerin auf ein Interview mit der Mediengruppe. Darin sprach sie davon, dass die Windkraft die Forstwirtschaft stützen müsse.
Klimawandel: „Wir sind als Waldbesitzer sehr stark von den Folgen des Klimawandels betroffen“, sagte die Adelige damals. „Aktuell können wir nur jeden zweiten Baum aufgrund von Borkenkäfer oder Sturm nutzen. (...) Die Windkraft dient als neues Standbein des Forstbetriebs, um den Wald-Umbau in klimatisch resistentere Baumarten finanzieren zu können“, so die Adelige im März.

