Thurn und Taxis will 55 Windräder bauen – Kritiker verweisen auf den Welterbe-Status Regensburgs

Von Christian Eckl · 2. Juli 2024 um 17:00

Der Regensburger Unternehmer Alexander Ruscheinsky fühlt sich an die Debatte um den Ostenturm erinnert, den er einst 100 Meter hoch errichten wollte. Damals sagte die Stadt nein – wegen des Welterbe-Status und der Silhouette der Stadt. Doch nun sollen auch auf der Hohen Linie Windräder mit einer Höhe von über 250 Metern errichtet werden. Ein Problem?

Schon einmal hat Regensburg über ein hohes Gebäude gestritten, das die Silhouette des Welterbes beeinträchtigt hätte. Damals ging es um den sogenannten Ostenturm. Unternehmer Alexander Ruscheinsky, der mit seinen 24-Autohöfen erfolgreich wurde, wollte damals zusammen mit Konrad Habbel als Gesellschafter des businessParks einen Turm errichten.

Mit 105 Metern sollte dieser fast so hoch werden wie die beiden Domtürme. Zwar hatten die beiden das Projekt bereits 2004 vorgestellt, doch 2006 wurde Regensburg Welterbe. Was folgte, war eine Debatte, welche Höhe die Stadt und ihre schützenswerte Altstadt vertragen. Die Investoren scheiterten mit ihrem Turm.

„400 Meter insgesamt“

Jetzt ist Ruscheinsky ein Kritiker eines ganz anderen Projekts: Das Haus Thurn und Taxis plant, 55 Windräder in einem Waldgebiet von etwa 150 Quadratkilometern zu bauen. Was Ruscheinsky besonders in Rage bringt, sind jene fünf Windräder, die auf der sogenannten „Hohen Linie“ entstehen sollen. „Die Windräder sollen eine Höhe von bis zu 260 Metern bekommen“, sagt der Unternehmer. „Damit möchte man die stärkeren Winde in höheren Schichten erreichen.“ Addiere man die Höhe des Keilbergs, sei man bei etwa 400 Metern angekommen. Für den Regensburger sei klar, „dass wir Kritiker nichts gegen Erneuerbare Energien und die Energiewende haben“. Er selbst sei mit seinen Autohöfen Vorbild und habe diese sehr frühzeitig mit Elektro- und sogar Wasserstoff-Tankanlagen ausgestattet. „Wir sind alle keine Verhinderer. Aber all das muss doch an der richtigen Stelle sein.“ Die Hohe Linie sei diese richtige Stelle eben nicht, so Ruscheinsky.

Zusammen mit Vertretern der Initiative „Walhalla und Weltkulturerbe retten“ wandte sich der Unternehmer an die jeweiligen Stellen. Vergeben wird der Welterbetitel von der Unesco. Beratend ist dabei das Gremium Icomos zuständig. Es hat einen deutschen Ableger. Darin informierte die Initiative, dass sie sich an die Denkmalpflege-Ämter in München, Regensburg und den Landkreis Regensburg gewandt hat. Dabei beziehen Ruscheinsky sowie Initiativen-Sprecher Günther Zahnweh explizit die Planungen für den Ostenturm sowie die damals vorgenommene „Stadtbild-Verträglichkeitsuntersuchung“ mit ein. Sie argumentieren, dass die Flächen besonders heikel sind, da sie zwischen der Walhalla, einem Kulturdenkmal nationalen Ranges, und dem Dom, der nicht minder wertvoll ist, liegen. Sie fragen bei Icomos beziehungsweise der Unesco an, ob man überhaupt bereits mit der Sache befasst wurde. Schlimmstenfalls könnte das Gremium den Titel entziehen. Icomos antwortete bereits. „Der Schutz und die Pflege einer Unesco-Welterbestätte in Deutschland – dazu gehört auch die Beurteilung einer möglichen Beeinträchtigung durch die Errichtung von Windkraftanlagen im Regensburger Umfeld – fallen aufgrund der Kulturhoheit der Länder in die Zuständigkeit eben dieser“, heißt es. Und weiter: „Da die Deutsche Unesco-Kommission nicht in Fragen des Denkmalschutzes involviert ist, liegen keine Stellungnahmen von unserer Seite in dieser Angelegenheit vor.“

Unternehmerin Gloria von Thurn und Taxis betont gegenüber der Mediengruppe Bayern, dass sich das Fürstenhaus bei dem Projekt natürlich ebenfalls an die zuständigen Stellen gewandt hat und die gesetzlichen Rahmenbedingungen dabei natürlich geprüft werden müssen. Sie verweist darauf, dass das Projekt bereits im Herbst 2023 öffentlich im Gemeinderat Tegernheim vorgestellt wurde. „Das Projekt wird von dem Unternehmen GP Joule umgesetzt, welches uns mit seiner großer Erfahrung im Bereich der Erneuerbaren Energien überzeugt hat und zum anderen durch seine regionale und landwirtschaftliche Verwurzelung hervorragend zu uns passt“, sagt die Unternehmerin. Der Projektpartner sei „frühzeitig in den Austausch mit allen relevanten Genehmigungsbehörden getreten“.

Fürstenhaus informierte

Auch mit dem Denkmalamt gebe es „für die Vorbereitung eines Genehmigungsantrags den erforderlichen Austausch zu den angesprochenen Schutzgütern Walhalla und Welterbe“.

Mit dem Thema befassen muss sich die Untere Denkmalschutzbehörde, die bei der Stadt angesiedelt ist. „Um die potenziellen Auswirkungen auf die Welterbestätte Altstadt Regensburg mit Stadtamhof zu prüfen, müssen zunächst weitere Planungsdetails sowie eine aussagekräftige Sichtachsenstudie vorliegen“, heißt es von einer Stadtsprecherin. „In dieser Angelegenheit ist bereits das Landesamt für Denkmalpflege als zuständige Landesbehörde auf die Stadt zugekommen und koordiniert weitere Schritte.“

Von links: Unternehmer Ruscheinsky mit Günther Zahnweh und Ferdinand Kiermeier von der Bürgerinitiative Foto: Ruscheinsky