Projektierer gefunden: 17 bis 20 Windräder in Tegernheim und Kreuther Forst geplant

Langsam wird konkret, wie das Mega-Windprojekt des Fürstenhauses aussehen wird. Die Zahl von 55 Windrädern in den Thurn-und-Taxis-Wäldern entlang der Donau steht im Raum. Bis zu zehn sollen gemäß einer Potenzialanalyse bei Wiesent errichtet werden (die MZ berichtete). Einen Schritt weiter ist Forstbetriebsleiter Raoul Kreienmeier im Forstgebiet nördlich von Tegernheim. Hier konnte er kürzlich einen Projektierer präsentieren: GP Joule.
Das Energieunternehmen lässt mit halbwegs konkreten Zahlen aufhorchen: 17 bis 20 Windräder will GP Joule bauen, teilt Pressesprecherin Gloria Geissler auf MZ-Anfrage mit. Abhängig von weiteren Genehmigungen sollen etwa drei Viertel der Anlagen, also maximal 15, im gemeindefreien Gebiet Kreuther Forst und ein Viertel, wohl fünf, auf der Hohen Linie in Tegernheim errichtet werden. Die Standorte einzelner Anlagen stehen noch nicht fest.
„Gebiet lässt kein einziges Windrad zu“
Für den Tegernheimer Günther Zahnweh steht fest: „Kostbare Wälder, großartige Natur, einzigartiges Weltkulturerbe und ein intensiv genutztes Wohn- und Naherholungsgebiet lassen hier kein einziges Windrad zu.“ Zahnweh ist Mitgründer der Initiative „Einmaligen Lebensraum, Walhalla und Weltkulturerbe retten – Keine Windräder an diesem Standort“.
Die Gründe für ihre ablehnende Haltung sind mannigfaltig. Schäden für Flora und Fauna, Versiegelung des Waldbodens durch Windrad-Fundamente, Störung der Natur und des weiten Blicks über dicht bewaldete Hänge. Zahnweh betont: „Wir wollen keinen Kreuzzug gegen Windräder.“ Man halte aber den Standort an der Hohen Linie für ungeeignet. Sprecher Ferdinand Kiermeier zweifelt die Güte der Windausbeute hier an. Er stellt die Mutmaßung in den Raum, ob nicht vielmehr saftige jährliche Pachteinnahmen – laut der Initiative 100000 bis 150000 Euro pro Windrad – für das Fürstenhaus hinter dem Projekt stehen statt Nachhaltigkeit.
Windräder könnten höher werden als befürchtet
Aktuell gehe es den Tegerheimer Windrad-Gegnern darum, „Bürger zu informieren und möglichst viele Unterstützer zu gewinnen“. Über 700 Einträge zählt die Liste der Sympathisanten nach gut drei Wochen, seit die Homepage der Initiative online ist. Rund 90 Prozent der Unterstützer kämen aus Tegernheim und den umliegenden, ebenfalls betroffenen Gemeinden, sagt Zahnweh, der als Unternehmer im Bereich Online-Marketing tätig ist. Neben dem Aufbau von öffentlichem Druck auf die Windkraftplanung nennt er als zweites Ziel der Initiative das Einwirken auf die formalen Prozesse bei Behörden und Ämtern.
Eindruck schinden Fotomontagen, die die Initiative „Lebensraum retten“ von 260 Meter hohen Windrädern auf der Hohen Linie, hinter der Walhalla oder an der Burgruine Donaustauf erstellt hat– laut eigener Aussage maßstabsgetreu. Nur: Die tatsächlich geplanten Windräder dürften noch größer ausfallen. „Standortbedingt gehen wir von einer Nabenhöhe von 199 Metern und einem Rotordurchmesser von 175 Metern aus“, sagt Geissler. Dies würde eine Gesamthöhe von über 280 Metern bedeuten. So könne der Windpark eine Nennleistung von insgesamt 120 bis 144 Megawatt erzeugen.
Bürgermeister bekennt sich zur Windkraft
Tegernheims Bürgermeister Max Kollmannsberger bekennt sich zur Windkraft, auch am Standtort Hohe Linie. „Ich bin Elektrotechniker. Da kann ich gar nicht anders als für die Windräder zu sein.“ Eine gewisse Vorsicht in der Bevölkerung könne er nachvollziehen, schließlich seien Windräder in der Region etwas Unbekanntes. Unmut gegenüber dem Projekt, wie von Seite der Initiative, verstehe er indes nicht.
Einen detaillierten Zeitplan zu nennen, wann sich Windräder auf der Hohen Linie und im Kreuther Forst drehen sollen, „fällt schwer“, wie Geissler bekennt. Die erste Windkraftanlage in diesem Gebiet in Betrieb zu nehmen, strebt GP Joule für das zweite Halbjahr 2027 an.
Der Projektierer ist in Tegernheim kein unbekannter. GP Joule hält 45 Prozent der Anteile der Nahwärme Tegernheim GmbH, die restlichen 55 Prozent liegen bei der Gemeinde. „Beim Nahwärmenetz funktioniert’s“, sagt Kollmannsberger. Man schreibe eine schwarze Null, das sei ein Erfolg.
„Wir sind nicht Don Quijote“
Für die Gemeinde spiele es aber keine Rolle, ob ein bekanntes Unternehmen mit der Realisierung der Windräder betraut sei. Mitspracherecht habe man im Prozess ohnehin nicht. Kollmannsberger verweist auf die genehmigenden Behörden bei Landratsamt und Landesregierung. Gäbe es im laufenden Prüfverfahren Gründe, die dagegen sprechen, müsse man das hinnehmen – „auch wenn es nicht schön ist für uns“, sagt der Bürgermeister.
Die Gegner der Windräder auf der Hohen Linie sehen das naturgemäß anders. Dass die Planung durchfällt, glauben sie aber selbst kaum: „Es ist uns klar, dass die Chancen sehr gering sind“, sagt Zahnweh. Wehren will man sich dennoch. „Wir sind nicht Don Quijote, wir führen keinen sinnlosen Kampf gegen Windräder.“
